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Ein Speicher kommt angeflogen

Ein alter Speicher aus dem Brandöschgraben war eigentlich dem Abbruch geweiht. Doch er wurde gerettet – und gestern mit dem grössten Helikopter Mitteleuropas zum Sternen geflogen.

Am Dienstag wurde der Speicher zentimetergenau neben dem Gasthof Sternen abgesetzt.
Am Dienstag wurde der Speicher zentimetergenau neben dem Gasthof Sternen abgesetzt.
Hans Wüthrich

Dass hier etwas Spektakuläres geschehen würde, hat sich rasch herumgesprochen. So stehen an diesem Nachmittag mehrere Dutzend Leute hinter den Absperrbändern beim Gasthof Sternen in Trub. Sie filmen, fotografieren oder schauen einfach nur zu, wie über der Klosteregg zuerst ein Helikopter auftaucht, dann ein langes Seil – und Sekunden später ein hölzernes Kistchen, das daran befestigt ist. Es rückt immer näher, und das Kistchen bekommt langsam die Form eines ungedeckten Speichers, der vom Heli nun ganz behutsam und zentimetergenau auf die vorbereiteten Fundamente neben dem Sternen abgesetzt wird. Nur wenige Minuten dauert das Spektakel. Als es vorbei ist, klatscht das Publikum fasziniert Applaus. Und Jürg Hirschi sagt: «Genial. Absolut genial.»

Lastwagen? Keine Chance!

Jürg Hirschi ist der Inhaber der gleichnamigen Zimmerei in Trub. Vor einiger Zeit erfuhr er, dass der als «erhaltenswert» eingestufte Speicher in der hinteren Neumatt im Brandöschgraben verschwinden soll. Dieser diente ab 1749 – das Baujahr ist auf dem Türsturz aufgemalt – als Vorratskammer, wurde im Laufe der Zeit aber überflüssig. Also wollte ihn der Besitzer abreissen lassen. «Das wäre doch jammerschade», fand Jürg Hirschi. Und kaufte den Speicher mit der Idee, ihn daheim im Garten aufzustellen. Doch irgendwie ging das nicht, und nachdem Sternen-Besitzer Bruno Lehmann einmal erwähnte, er suche einen alten Speicher, hatte das Bauwerk seine neue Bestimmung gefunden.

Zuerst galt es aber noch, die Transportfrage zu klären. Den Speicher auf einen Lastwagen zu verladen, war unmöglich, da die hintere Neumatt für derart grosse Fahrzeuge unerreichbar ist. Ihn in tausend Einzelteile zu verlegen, wurde ebenso verworfen; zu viele Teile wären dabei beschädigt worden, und zu gross wäre der Arbeitsaufwand gewesen. Also blieb als einzige Lösung ein Helikoptertransport.

Ein kleines Museum?

Es brauchte aber schon den «Kamov KA32 A12», den grössten Transporthelikopter in Mitteleuropa, um diesen Auftrag zu erledigen. Bis zu 4,5 Tonnen kann er transportieren. Der Speicher ist in Vollausrüstung aber deutlich schwerer. Also demontierten Jürg Hirschi und seine Leute das Dach, das ohnehin neu gedeckt werden muss, sowie die Lauben. Diese werden in den nächsten Wochen nun möglichst originalgetreu wieder angebaut.

Beim Sternen ist der Speicher einerseits als Attraktion gedacht, und auf Tafeln sollen die Besucher Hintergrundinformationen über seine Geschichte erhalten, erklärt der neue Besitzer Bruno Lehmann. Andererseits dient das Erdgeschoss im Winter künftig als Vermietungsstation für Langlaufskis. Und im Obergeschoss möchte Jürg Hirschi dereinst ein kleines Museum mit historischen Zimmermannswerkzeugen einrichten. «Aber das ist erst eine vage Idee», sagt er. Zuerst freut er sich einfach nur darüber, «dass alles gut herausgekommen ist».

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