Ein «Schnellschuss»? Oder Vernunft?

Rüderswil

Nun geben die Schulraumpläne des Gemeinderates in Rüderswil also doch noch zu reden. Ob es richtig ist, beim Schulhaus Than einen Anbau zu realisieren, ist umstritten. Am 8.März entscheidet das Volk an der Urne.

In einem zweigeschossigen Anbau möchte der Gemeinderat beim Schulhaus Than Platz für zwei neue Klassenzimmer schaffen.<p class='credit'>(Bild: zvg)</p>

In einem zweigeschossigen Anbau möchte der Gemeinderat beim Schulhaus Than Platz für zwei neue Klassenzimmer schaffen.

(Bild: zvg)

Das Komitee, das sich gegen die aktuellen Pläne des Gemeinderates stellt, ist in Rüderswil nicht unbekannt – jedenfalls Teile davon. FDP-Präsident Franz Urs Schmid steht zum Beispiel wieder dahinter und auch der ehemalige SVP-Gemeinderat Markus Hirsbrunner. Ihre Namen figurieren unter 45 weiteren Unterschriften.

Schon vor vier Jahren hatten sich Schmid und Hirsbrunner an vorderster Front gegen eine Vorlage des Gemeinderates gewehrt. Damals ging es um das Gemeindehaus. Sie wehrten sich gegen dessen Umbau und insbesondere den Einbau von Wohnungen. Doch sie unterlagen an der Urne.

Schulraum statt Wohnungen

Diesmal kämpft die neu zusammengewürfelte Gruppe, die sich «Komitee engagierter Bürgerinnen und Bürger» nennt, dagegen, dass die Gemeinde beim Schulhaus Than, oberhalb des Dorfes Zollbrück, für 1,65 Millionen Franken einen Anbau realisiert. Über dieses Vorhaben wird am 8.März an der Urne entschieden.

Denn die Gemeinde braucht neuen Schulraum, weil das Schulhaus Niederbach im Sommer 2016 geschlossen wird. Wieder haben die Gegner des Bauprojekts das Gemeindehaus im Visier, respektive die Wohnungen. Sie hoffen auf ein Nein an der Urne, damit die Chance entstehe, beim Gemeindehaus noch einmal «zwischen den Interessen der öffentlichen Hand (Bau von Schulraum) und politischen Fehlentscheiden (Schaffung von Wohnraum durch die Gemeinde) abzuwägen», schreiben sie auf einem vierseitigen Flugblatt.

Nach Ansicht des Komitees müssten im Gemeindehaus, das direkt neben dem Schulhaus Rüderswil liegt, Wohnungen umgenutzt und zusätzlicher Schulraum realisiert werden. Das Anbauprojekt im Schulhaus Than kritisiert die Gruppe als «Schnellschussprojekt» und schreibt: Der Gemeinderat habe die Planungsarbeiten «in atemberaubendem Tempo vorangetrieben und aus den Augen verloren, dass die Schulanlage Than in ihrer Gesamtheit renovationsbedürftig» sei.

«Vier Jahre geplant»

Übereiltes Handeln lassen sich weder der für das Schulwesen zuständige Gemeinderat Martin Sempach noch Gemeindepräsident Jürg Rothenbühler vorwerfen. Vier Jahre habe man nun in Rüderswil an neuen Schulstrukturen gearbeitet, sagen sie. Und selbstverständlich sei ihnen der Zustand des Schulhauses Than bekannt. Brandschutzmassnahmen seien in Gang gegeben worden, sagt Rothenbühler, die Fassaden und das Dach müssten «sicher in den nächsten zehn Jahren» saniert werden.

«Aber eigentlich hätte man an diesem Schulhaus schon vor fünfzehn bis zwanzig Jahren etwas machen müssen», fügt er, der seit neun Jahren im Rat sitzt und diesen seit gut fünf Jahren präsidiert, hinzu. Der Hinweis aus einer Orientierungsversammlung, wonach im Schulhaus Than auch eine Art Aula zu realisieren sei, habe der Gemeinderat aufgenommen. Er werde prüfen, ob diese zusammen mit der Dachsanierung realisierbar sei.

Vorerst aber geht es darum, neuen Schulraum zu schaffen. Obwohl dies im Gemeindehaus in Rüderswil denkbar wäre, hat der Gemeinderat diese Variante verworfen. «Heute ist hier das Verhältnis zwischen der Anzahl Schulklassen und dem zur Verfügung stehenden Aussenraum ideal», sagt Rothenbühler. Würden mehr Klassen in Rüderswil unterrichtet, würde es laut dem Gemeinderat in Bezug auf Pausenplatz, Parkplätze und Veloständer zu eng. «Für die Schulorganisation wäre es nicht gut, wenn wir in Rüderswil neue Schulräume bauen würden», fasst Rothenbühler die Überlegungen des Gemeinderates zusammen.

Auch die Variante, gemeinsam mit Lauperswil in Zollbrück ein Oberstufenzentrum zu bauen, sei ins Auge gefasst worden. Aber diese liess sich laut Rothenbühler nicht weiterverfolgen, weil die Lauperswiler eine eigenständige Schulraumplanung abgeschlossen hätten.

Wenn das Volk am 8.März über einen Kredit von 1,65 Millionen Franken befindet, handelt es sich dabei um eine Kostenschätzung von plus/minus 15 Prozent. «Mit andern Worten: Die Sache könnte die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler gut und gerne bis zu 1,9 Millionen Franken kosten», gibt das Komitee zu bedenken. Rothenbühler verteidigt die noch nicht genaue Berechnung mit tiefen Planungskosten.

Selbstkritischer Präsident

Doch wie hoch schätzt er die Möglichkeit ein, dass er das Projekt überhaupt weiter vorantreiben kann? Eine Prognose wagt Rothenbühler nicht. Er sagt bloss: «Ich wünsche mir ein klares Resultat.» Und er zeigt sich selbstkritisch: «Wahrscheinlich haben wir die Kommunikation vernachlässigt», sagt er. «Wenn wir die Stimmbürger in den ganzen Werdegang des Projektes einbezogen hätten, würde niemand von einem Schnellschuss sprechen.»

Dann – ist Rothenbühler überzeugt – erschiene der Anbau auch den «engagierten Bürgerinnen und Bürgern» so folgerichtig wie der betroffenen Bevölkerung die Schliessung des Schulhauses Niederbach. «Aber mit dieser haben wir in den letzten vier Jahren halt intensiv diskutiert.»

Berner Zeitung

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