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Ein Riesenbesen gibt Rätsel auf

Bei Bauer Bendicht Grossenbacher steht ein Riesenbesen, wo andernorts eine mächtige Linde oder ein mächtiger Ahorn das Bild prägen – ob dieses ungewöhnliche Kunstwerk tatsächlich wundertätig wirken kann?

«Er gibt immer viel zu reden», bemerkt Bendicht «Bänz» Grossenbacher lachend. Und erzählt von den Kommentaren, die er zu hören bekommt, wenn er am Waldsaum am Holzen ist. Wanderer, Biker oder Reiter sehen sich hier unerwartet seinem Kunstwerk gegenüber – denn statt der üblichen Linde hat der Bauer aus dem Biembach einen Riesenbesen auf der Anhöhe über seinem Hof gepflanzt.

Warum so ein Besen?

«Was ist denn das für ein Baum?» Diese Frage hört Grossenbacher am häufigsten, wenn die Passanten von der Tröcheni oder der Wasenegg her kom-mend auf der Krete westlich des Biembachtals unterwegs sind. Bei klarem Wetter ist hier die Sicht auf die bewaldeten Hügel, die verstreuten Höfe und die Alpen im Hintergrund atemberaubend, entsprechend viele Leute nutzen deshalb den Wanderweg. Sie freuen sich, wenn ein mächtiger Baum einen Aussichtspunkt ziert und darunter ein Bänklein zum Ruhen einlädt – aber so einen Riesenbesen?

«Erst reiben sie sich verwundert die Augen», erzählt Grossenbacher. «Dann kommen sie näher, umrunden ihn und fragen schliesslich: ‹Was soll das, warum steht der hier, wozu?›.»

«Einfach wunderschön»

Grossenbacher weilt oft auch für eine Feierabendrunde im Wald hier oben. Sein Stolz und seine Freude sind unüberhörbar, der Riesenbesen «ist einfach unwahrscheinlich schön anzuschauen». Nach jedem Wetter sei er zerzauster, vom Schnee zerdrückt und vom Wind gepeitscht – «je struppiger er wird, desto besser, am liebsten hätte ich ihn noch grösser gemacht».

Das Denkmal steht

Der Idee zu seinem ungewöhnlichen Werk kam ihm bei einem Ferienaufenthalt in Österreich, wo er einen ähnlichen Riesenbesen sah. Grossenbacher, der gerne mit Holz arbeitet, sich jedoch für das Schnitzen von Skulpturen als zu ungeschickt und zu ungeduldig betrachtet, schoss es durch den Kopf: So einen mache ich auch.

Gesagt, getan, wieder zu Hause, machte sich der Bauer ans Werk. Er suchte einen schönen Platz, grub ein Loch und beto-nierte ein Fundament mit einer Röhre in der Mitte. Dann fällte und schälte er ein Tännchen – «aus meiner Jugend verfüge ich über einschlägige Maitannli-Erfahrungen» – und befestigte daran einen mit dreifachem Kettenzug zusammengezurrten Haselbusch. Jetzt musste nur noch ein Nachbar beim Aufrichten helfen, immerhin misst der Besen fast zehn Meter, und da stand es, sein Denkmal.

Am Ende ein Scherz?

Grossenbacher, der sich seit je für die Indianer interessiert, sieht zwischen deren Totempfählen und seinem Besen Ähnlichkeiten. «Man muss ihn zweimal im Uhrzeigersinn umrunden, dann geht ein Wunsch in Erfüllung.» Seine Knie – er ist nicht mehr der Jüngste und hat Arthrose – seien jedenfalls viel besser geworden. Darum rät er auch den Passanten, ihr Leid dem Besen anzuvertrauen.

Wie er so erzählt, grinst er übers ganze Gesicht: Meint er es ernst, oder erlaubt er sich einen Scherz? Nun, es soll ja Selbstheilungskräfte geben, und ein Versuch kostet ja nichts. Tatsächlich: Beim Schreiben tut ein verstauchtes Handgelenk plötzlich nicht mehr weh...

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