Ehrendamen stehen im Ring ihren Mann

Die Ehrendamen und Hostessen des Eidgenössischen Schwing-und Älplerfests stiegen in den Sägemehlring. Denn sie wollten wissen, wie sich das Schwingen anfühlt.

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Jacqueline Graber

Sie sind nicht zimperlich; die Ehrendamen und Hostessen des Eidgenössischen Schwing- und Älperfests. Unter Anleitung der beiden Kranzschwinger Christian Dick und Stephan von Büren drehen die Frauen zum Aufwärmen den Kopf im Sägemehl. «Das Sägemehl geht auch bei langen Haaren ganz leicht wieder raus», witzelt von Büren, der eine schicke Kurzhaarfrisur trägt. Den Wunsch, einmal zu schwingen, hätten die jungen Frauen selbst geäussert, erklärt Eveline Steinemann, Verantwortliche für die Ehrendamen.

Eine Premiere für die Damen

Das Training findet auf dem Aussenschwingplatz des Restaurants Löwen in Kernenried statt; dort, wo sich sonst die Mitglieder des Schwingklubs Kirchberg auf die Wettkämpfe vorbereiten. Noch bevor die ersten Ehrendamen eintreffen, sind die beiden Kranzschwinger vor Ort, spritzen das Sägemehl nass und legen die Schwinghosen bereit. «Für mich ist es eine Premiere», sagt Ehrendame Melanie Portenier aus Frutigen. Sie habe noch nie geschwungen. Doch bevor es in den Sägemehlring geht, ist Schwitzen auf dem nahen Sportfeld angesagt. Bei einem Fussballmatch werden die Muskeln aufgewärmt.

Zurück auf dem Schwingareal folgen weitere Lockerungsübungen, bevor es ans Eingemachte geht. Die beiden Kranzschwinger zeigen drei Schwünge: Kurz, innerer Hacken und Aufreisser. Nach jedem vorgeführten Schwung können die Frauen das Gesehene umsetzen. «Ihr dürft nicht lachen», sagt von Büren, als sich Melanie Portenier und Seraina Jost aus Sumiswald gegenüberstehen und sich zur Begrüssung die Hände schütteln. Um den Gegner einzuschüchtern, müsse man böse schauen.

Sportlicher Ehrgeiz

«Alle Frauen setzen sauber um, was wir ihnen zeigen», kommentiert von Büren. Auch Dick lobt: «Sie lernen schnell.» Doch so viel sportlicher Ehrgeiz geht an die Substanz. «Es ist anstrengend», sagt Primarlehrerin Seraina Jost in einer kurzen Trinkpause. Doch jetzt geht es um den Titel der Schwingerkönigin. Jost und Portenier schlagen sich hervorragend. Am Schluss belegt die 27-jährige Primarlehrerin den dritten Schlussrang, und die 24-jährige Bankfachfrau schafft es sogar in den Schlussgang. Den Titel der Schwingerkönigin holt sich Valeria Siegenthaler; sie ist Aktivmitglied im Schwingklub Siehen.

Schmerzen nach dem Sport

«Mir tut alles weh», schmunzelt die zufriedene Zweitplatzierte nach dem Wettkampf. Nun wisse sie, wie es sich anfühle, im Sägemehlring zu stehen, und könne bestimmt manche Wettkampfsituation besser nachvollziehen, sagt Melanie Portenier auf dem Weg zum Duschraum.

Berner Zeitung

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