Zum Hauptinhalt springen

«Die Szene ist eine Zumutung»

Burgdorfs Gemeinderat vertreibt die Alki-Szene aus der Innenstadt. «Es geht nicht an, dass Süchtige mit ihrem rücksichtslosen Auftreten die Stimmung im Bahnhofquartier prägen», sagt Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch.

«Burgdorf soll nicht zum attraktiven Anziehungspunkt für Suchtkranke werden»: Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch.
«Burgdorf soll nicht zum attraktiven Anziehungspunkt für Suchtkranke werden»: Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch.
Thomas Peter

Jahrelang hat Burgdorf die Süchtigen in der Innenstadt geduldet. Nun will der Gemeinderat die Szene aus dem Bahnhofquartier verscheuchen. Wie kam es zu diesem Sinneswandel? Elisabeth Zäch (Stadtpräsidentin von Burgdorf): Bis vor ein paar Monaten war die Randständigenszene einigermassen überschaubar. Vor dem Coop, vor der Migros und beim Entenpark traf sich immer das gleiche halbe Dutzend Menschen zum mehr oder weniger friedlichen Biertrinken und Reden. Doch seit die Stadt den Leuten das Rondell bei der Bahnhofunterführung als halboffiziellen Aufenthaltsplatz zur Verfügung gestellt hat, kommen immer mehr Alkoholiker und andere Drogenkranke von auswärts nach Burgdorf. Die Szene ist eindeutig aggressiver geworden. Lautstarke Streitereien und Schlägereien häufen sich. Das dulden wir nicht.

Wo sollen sich die Alkis in Zukunft versammeln? Jedenfalls nicht mehr im Bahnhofquartier. Wo genau der Standort sein könnte, wissen wir noch nicht. Die Liegenschaftsverwaltung sucht nach einer raschen Lösung abseits des Stadtzentrums.

Wie muss man sich den neuen Platz vorstellen? Als Alkistübli am Stadtrand? Nein. Das gibt einen Unterstand ohne jeden Komfort. Burgdorf soll nicht zum attraktiven Anziehungspunkt für Suchtkranke werden.

Vor einem Jahr hat der Gemeinderat die Idee eines Alkistüblis verworfen. Wie sieht das heute aus? Für ein Alkistübli besteht unserer Ansicht nach weiterhin kein Bedarf. Die Menschen, von denen wir reden, haben allesamt eigene Wohnungen. Ihr Lebensstil ist garantiert. Kontakte zum Sozialamt bestehen. Doch Anspruch auf einen Raum, wo sie sich betrinken können, haben sie nicht.

Für eine SP-Politikerin schlagen Sie bemerkenswert deutliche Töne an. Die deutlichen Worte haben nichts mit der Parteizugehörigkeit zu tun. Im Gegenteil: Ich bin unter anderem gerade deswegen in der SP, weil ich will, dass alle Menschen menschenwürdig leben können. Auch Süchtige. Sie sind krank, arbeitslos und haben Anspruch darauf, dass wir ihnen helfen. Ich bin mir dieser Verantwortung bewusst. Die Stärkeren helfen den Schwächeren. Dafür stehe ich ein.

Aber? Aber es kann nicht sein, dass diese Menschen mit ihrem inzwischen rücksichtslosen Auftreten die Stimmung im Bahnhofquartier prägen und Gewerbetreibende und Passanten jeden Tag damit belasten. An Treffen am runden Tisch hat man mit den Leuten aus der Szene Verhaltensregeln aufgestellt. Diese haben nicht gegriffen. Durch das Anwachsen der Gruppe wurde die Stimmung immer lauter, gewalttätiger, gefährlicher und nicht mehr zumutbar. Deshalb müssen wir jetzt sagen: es reicht.

Wie wollen Sie die Wegweisung der Szene durchsetzen? Die Polizisten werden mit den Leuten auf dem Rondell reden und ihnen deutlich machen, dass sie hier so, in diesem Rahmen, unerwünscht sind.

Und das genügt? Ich denke schon – sofern wir ihnen einen alternativen Platz anbieten können. Dank dem runden Tisch kennen unsere Leute die Angehörigen der Szene nun schon seit längerem. Sie haben einen Draht zu ihnen. Falls sich die Süchtigen aber nicht fortbewegen liessen, müssten wir zu repressiven Mitteln greifen.

Das dürfte nicht ganz einfach sein: Die Stadt hat kein Polizeireglement mit Wegweisungsartikel. Stimmt. Aber wir haben ein Polizeigesetz, das zum Beispiel öffentliche Ruhestörung als Straftatbestand festhält. Wir hätten also schon Möglichkeiten, uns durchzusetzen. Aber, wie gesagt: Ich glaube nicht, dass das nötig sein wird. Wir wollen dieses Thema in einem vernünftigen Rahmen angehen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch