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Die regionalen Energie-Strategen geben Gas

Ein neues Netzwerk entsteht: Dieses strebt eine weitgehend autonome Energieversorgung der Region Emmental an.

Der Oberburger Energiefachmann und Unternehmer Josef Jenni zeichnet düstere Energieprognosen. Gemäss der weltweiten Entwicklung werde es bereits ab dem Jahr 2020 dermassen an Erdöl und damit an Benzin mangeln, dass auf den Strassen kaum mehr Autos verkehrten – «und es die Zufahrtsstrasse ins Emmental gar nicht mehr braucht». Dasselbe gelte, wenn auch in einem etwas weiteren Zeitrahmen, für alle anderen fossilen Energieträger, die Kohle eingeschlossen.

Im Emmental will man dieser Entwicklung aktiv begegnen; diverse regionale Partner werden noch heuer die Energieregion Emmental gründen. Die Initianten und der Projektleiter Anton Küchler haben ihre Absichten und Zielsetzungen den Medien gestern in Burgdorf präsentiert.

Das Geld erwirtschaften

Die Energieregion will ein Netzwerk für ansässige Akteure sein, das die Nutzung regionaler Ressourcen fördert und die Verbrauchseffizienz verbessert. Für die Energiezukunft des Emmentals sollen Ziele gesteckt und schrittweise verfolgt werden. Vorgesehen ist, das Projekt in der Aufbauphase mit öffentlichen Geldern zu unterstützen. Mittelfristig möchte man der Organisation jedoch eigene Geschäftsfelder im Energiesektor erschliessen, damit sie sich selber finanzieren kann.

Trägerschaft des Netzwerks ist der Verein Energie plus! mit Sitz in Langnau. Als Partner stehen unter anderem die Region Emmental, Emmental bewegt, Oil of Emmental und Holzenergie Emmental bereit. Anton Küchlers Büro «Weichen stellen» in Trubschachen wird im Mandatsverhältnis als Geschäftsstelle fungieren.

Die – offiziell noch nicht gegründete – Energieregion Emmental verfügt bereits über Grundlagenmaterial, das unter dem Patronat des Vereins Region Emmental erarbeitet worden ist. Gemäss dieser Potenzialstudie wird die in den Regionen Emmental und Oberaargau als Strom, Wärme und Treibstoff benötigte Energie heute zu 90 Prozent importiert. Damit ist die Fremdabhängigkeit gross und der regionale Verdienst klein. Die Studie zeigt aber auch, dass sich dieses Verhältnis umkehren lässt: Mit den heute bereits bekannten Technologien wäre es möglich, den heimischen Energiebedarf zu 80 Prozent selber zu decken und den Jahresverdienst, der in der Region verbleibt, längerfristig von heute 100 auf 400 Millionen Franken zu steigern.

Holzreicher gehts nimmer

Grosses Potenzial liegt im energetischen Sanieren von Gebäudehüllen, wie Energieberater Peter Kast ausführte. Auch die Holzenergie ist ein Trumpf des Emmentals – immerhin gilt dieses als die holzreichste Region Europas. Der regionale Energiebedarf für die Raumheizung beträgt jährlich rund 380 Gigawattstunden, wenn man die möglichen Sparmassnahmen einberechnet. Aus dem nachwachsen- den heimischen Holz liessen sich sogar 420 CO2-neutrale Gigawattstunden erzeugen – «das Emmental können wir also heizen», hielt Thomas Müller, Geschäftsführer des Netzwerks Holzenergie, fest.

Ein harter Brocken

Etwas schwieriger gestaltet sich die Situation im Mobilitätsbereich. «Der motorisierte Verkehr hat sich bis heute als weitgehend immun gegen Treibstoffreduktionsbemühungen erwiesen», sagte Theophil Bucher, Projektleiter von Emmental bewegt. Neuerdings gebe es aber ermutigende Anzeichen; laut einer aktuellen Erhebung sei die Verkehrsleistung pro Kopf etwas zurückgegangen. Vielleicht sei das der Beginn einer eigentlichen «Verkehrswende».

So oder so wollen Bucher und seine Mitstreiter Impulse zur Treibstoffreduktion im Emmental setzen. Als Möglichkeiten nannte er die Schaffung von Hauslieferdiensten, wie sie in Burgdorf und Langnau bereits bestehen, oder die Umlagerung eines Teil des motorisierten Verkehrs auf den Langsamverkehr. «Im ländlichen Raum sind ungefähr zwei Drittel aller zurückgelegten Wege nicht länger als fünf Kilometer; das sind Strecken, die sich auch mit dem Fahrrad, dem E-Bike oder zu Fuss bewältigen lassen», sagte Bucher. Überhaupt tue es not, sich wieder ein wenig zur Bescheidenheit zu ermahnen, die Mobilität einzuschränken und regionale Vorzüge neu zu entdecken.

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