Die Krux mit dem Klima und dem Wein

Burgdorf

Die Burgergemeinde Burgdorf kann stolz sein auf das Erreichte: Sie tut in vielen Bereichen Gutes, pflegt den Wald und erwirtschaftet Jahr für Jahr Gewinne. Nur eines haben die Burger nicht – den eigenen Wein. Das soll sich nun ändern.

Max Spring

Max Spring

Urs Egli

Vieles würde im Zähringerstädtchen nicht funktionieren, brachliegen oder schon gar nicht mehr existieren, wenn es die Burgergemeinde Burgdorf nicht gäbe. So könnte beispielsweise das Casino-Theater in der Oberstadt ohne den Zustupf der Burger nicht saniert werden. An allen Ecken und Enden stehen die Burger parat und greifen der Stadt Burgdorf mit Geld und Manpower unter die Arme. Darauf können die Burger ebenso stolz sein wie auf den im letzten Jahr erwirtschafteten Reingewinn von gut einer Million Franken.

Das weltliche Geschehen können die stimmberechtigten 204 Frauen und 189 Männer der Burgergemeinde Burgdorf mit ihrem Tun beeinflussen. Dem oft garstigen Klima im Emmental stehen aber auch sie machtlos gegenüber. Trotz Klimaerwärmung gedeihen in Burgdorf keine Reben, wachsen keine edlen Trauben heran, die zu süffigen Tropfen vinifiziert werden können. Das ist zwar in Bern nicht anders, doch die dortige Burgergemeinde besitzt am Bielersee Weingüter. Selbst die Burger des Städtchens Laupen haben ihren Wein – auch wenn er vom Mont Vully kommt. Und sogar die Aarberger Burger schenken den eigenen Wein aus.

«Alle sind sie stolz auf ihre Weine. Und ich bin neidisch», sagte Burgerratspräsident Andreas Grimm jüngst an der ordentlichen Versammlung seiner Gemeinde im Sommerhaus zu Burgdorf. Die gut 70 anwesenden Stimmberechtigten quittierten das nicht ganz ernst gemeinte Votum mit fröhlichem Lachen. «Doch das soll sich jetzt ändern», fuhr der Ratspräsident mit seiner launigen Rede fort und erntete erneut einen zünftigen Lacher.

Die klimatischen Verhältnisseund den Boden könnten zwar auch die Burger nicht verändern. «Dies soll uns aber nicht daran hindern, einen eigenen Burgdorfer Burgerwein zu kreieren», betonte Grimm. Seit einiger Zeit verfolge der Burgerrat dieses Projekt. Ende letzten Jahres seien deshalb verschiedene Rebbaubetriebe dafür angeschrieben worden, das Interesse einer Zusammenarbeit mit der Burgergemeinde Burgdorf auszuloten. Das Echo blieb nicht aus.

Die Evaluation muss das neunköpfige Führungsgremium hart gefordert haben. Denn in ernsten Worten sagte Andreas Grimm: «Nach intensiven Blinddegustationen – es ist tatsächlich so! – hat der Burgerrat aus den eingegangenen flüssigen Bewerbungen zwei Betriebe ausgewählt, mit denen wir weitere Verhandlungen führen wollen.» Die versammelte Gemeinde lief zu Hochform auf und zollte der geleisteten Degustationsarbeit des Burgerrates mit tosendem Applaus Respekt. In die Kränze sind ein Weinbauer am Bielersee und einer im unteren Wallis gekommen.

Wie geht es jetzt weiter?«Unser Ziel ist es, im Laufe des Sommers je einen Weisswein und einen Rotwein als Burgdorfer Burgerwein mit eigener Etikette auszuwählen», beschrieb Grimm das weitere Vorgehen und ergänzte zur Freude der Burgerinnen und Burger: «Das zweite Ziel ist, dass wir die Weine an der Burgergemeindeversammlung im November vorstellen können.»

«Wir freuen uns auf diese Erweiterung der burgerlichen Tätigkeit», tat der Ratspräsident der Versammlung kund, um gleich wieder einen Lacher zu ernten, dem Sekunden später noch einer folgte. Noch sei nicht entschieden, ob es im Burgerrat für diese Tätigkeit ein eigenes Ressort geben solle. Diese Frage zu beantworten, sei heikel. Nicht etwa darum, weil der Burgdorfer Burgerrat dann zehn Mitglieder zählen würde, sondern, so gab Andreas Grimm mit Schalk zu bedenken: «Der Entscheid fällt uns relativ schwer, weil es im Moment noch viel zu viele Kandidaten gibt, die dieses Ressort übernehmen wollen...»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt