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Die Gefahr beim Baden wird oft unterschätzt

Das Baden in Bächen und Flüssen ist verlockend. Doch oft werden dabei die Gefahren stark unterschätzt. Jüngstes Beispiel: der Unfall beim Wynauer Aare-Chehr, wo sich der Fluss von seiner unberechenbaren Seite zeigt.

«Können nur warnen»: Thomas Dietschi vom Onyx-Kraftwerk (l.) und Rettungsschwimmer Daniel Spring beim Aare-Chehr in Wynau.
«Können nur warnen»: Thomas Dietschi vom Onyx-Kraftwerk (l.) und Rettungsschwimmer Daniel Spring beim Aare-Chehr in Wynau.
Thomas Peter

Es war Glück im Unglück für eine junge Baslerin: Bei Wynau war sie am Dienstagmorgen in den berüchtigten Wirbel im sogenannten Aare-Chehr geraten. Zeugen des Unfalls alarmierten sofort den Sanitätsnotruf und die Leitstelle des Kraftwerks Wynau – die Frau konnte schliesslich mit einem Motorboot geborgen werden und blieb unverletzt.

Verschiedene Strömungen

Ein Unfall wie dieser – keine Seltenheit im Aare-Chehr bei Wynau. Denn die Aare weist dort eine gefährliche Strömung auf wie sonst nirgends im Oberaargau. Zwischen Wynau und Murgenthal treffen verschiedene Strömungen aufeinander, die Fliessgeschwindigkeiten zwischen Oberflächenwasser und tieferen Lagen variieren stark, und im Aare-Chehr selber kommt noch das Widerwasser der Inseln hinzu, weshalb sich ein starker Wirbel bildet.

Der Wirbel selber ist zwar gut sichtbar. Doch Ortsunkundige rechnen kaum damit, dass der flache Uferbereich nach nur wenigen Metern abrupt endet. «Man schätzt, dass es da bis zu 27 Meter tief senkrecht runtergeht», weiss Thomas Dietschi, Leiter Kommunikation beim nahen Onyx-Kraftwerk.

Zwei Unfälle jährlich

Jörg Herzig, Präsident des Wynauer Pontoniersportvereins, berichtet: «Wir müssen in der Regel zweimal im Jahr ausrücken.» Weil die etwas weiter unten an der Aare beheimateten Pontoniere über ein Motorboot verfügen, informiert der Sanitätsnotruf in Bern meist zuerst sie, wenn im Aare-Chehr jemand in Not geraten ist.

Aber nicht immer gingen die Unfälle glimpflich aus wie letzten Dienstag. Seit den 1990er-Jahren ist fast jedes Jahr jemand ertrunken, zuletzt starb 2004 ein Familienvater, nachdem er seine Kinder aus der Strömung gerettet hatte. Erst seit jenem letzten tragischen Unfall vor sechs Jahren habe sich die Situation verbessert, sagt Pontonier-Präsident Jörg Herzig.

Warnschilder angebracht

Das bestätigt auch Daniel Spring, Ausbildungschef der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) Sektion Oberaargau. Hauptgrund dafür sei eine bessere Sensibilisierung der Bevölkerung. Seit 2005 machen in Wynau an mehreren Stellen Tafeln auf die gefährliche Strömung aufmerksam.

Auch sogenannte Rettungsbälle hat die SLRG an diesen Stellen anbringen lassen. Die Baslerin, die am Dienstag in den Wirbel geraten war, profitierte vom Styroporball, den ihr ihre Bekannte vom Ufer aus zuwerfen konnte. Rund 30 Minuten lang wehrte sie sich gegen die Strömung – am Ball konnte sie sich festhalten, bis das rettende Boot kam. «In dieser Situation ist die Zeit entscheidend», sagt Daniel Spring. Doch immer wieder würden Vandalen die Rettungsgeräte entfernen. Erst vor kurzem wurde im Chehr ein neuer Rettungsball angebracht.

Problem Fahrlässigkeit

Rettungsbälle. Gefahrenschilder. Wieso kommt es dennoch immer wieder zu Unfällen im Aare-Chehr? «Das Problem ist die Fahrlässigkeit der Leute, nicht der Fluss», sagt der Wynauer Gemeinderat und Pontoniersportler Martin Lüscher. Auch Thomas Dietschi von der Onyx erklärt: «Schilder nützen relativ wenig.» Das zeige sich jeweils beim Kraftwerk, wo sich Badehungrige und Picknicker ungeachtet aller Warnschilder immer wieder ans Ufer wagten.

Mehr als warnen könne man allerdings nicht, sagt Dietschi. «Einen permanenten Rettungsdienst kann sich niemand leisten. Wir können nur an die Eigenverantwortung der Leute appellieren.»

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