«Die Altersarbeit ist hier spannend»

Langenthal

Seit rund 100 Tagen ist Hansjörg Lüthi Leiter des Alterszentrums Haslibrunnen in Langenthal. Diesem stehen in den nächsten Jahren grosse Veränderungen bevor. Genau das sieht Lüthi als reizvolle Aufgabe.

Hansjörg Lüthi in seiner neuen Arbeitsumgebung. Der 45-Jährige leitet seit dem 1.März 2014 das Alterszentrum Haslibrunnen.

Hansjörg Lüthi in seiner neuen Arbeitsumgebung. Der 45-Jährige leitet seit dem 1.März 2014 das Alterszentrum Haslibrunnen.

(Bild: Thomas Peter)

Tobias Granwehr

Hansjörg Lüthi ist dieser Tage vor allem als Botschafter gefragt. Gerade ist ein Mitwirkungsverfahren zur Ausgliederung des städtischen Alterszentrums Haslibrunnen in eine Aktiengesellschaft angelaufen. Lüthi leitet das Haslibrunnen seit Anfang März, also seit rund 100 Tagen. Die geplante Ausgliederung und der anschliessende Ausbau des Alterszentrums werfen Fragen auf – oder lösen sogar Ängste aus. Bleibt künftig alles so, wie es jetzt ist? Lüthis Aufgabe ist es, die Bevölkerung, die Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch die Mitarbeitenden mit den richtigen Informationen zu versorgen.

Keine leichte Aufgabe für jemanden, der sich gleichzeitig in eine fordernde Tätigkeit einarbeiten muss. Die grösste Herausforderung sei zurzeit, die richtigen Prioritäten zu setzen, sagt Lüthi dazu. Dabei könne er auf ein gutes Kaderteam zählen, das gemeinsam entscheide, welche Themen angepackt würden. «Wichtig ist, dass wir offen kommunizieren, gerade wenn es um Anpassungen wie die Änderung der Rechtsform geht. Es darf im Betrieb keine Unsicherheit und Unruhe entstehen.»

In drei Phasen eingearbeitet

Um sich einzuarbeiten, teilte Lüthi die ersten drei Monate in drei Phasen ein: «Im ersten Monat war es wichtig, die Mitarbeitenden kennen zu lernen und mit den Kaderleuten persönliche Gespräche zu führen.» Im zweiten Monat stand der Kontakt zu den Bewohnerinnen und Bewohnern im Vordergrund. «Man spürt: Das ist unseren Bewohnern sehr wichtig», sagt er. Er sei denn auch immer noch daran, den Kontakt zu den Bewohnern zu intensivieren und wolle das auch künftig regelmässig pflegen. Im dritten Monat war schliesslich die Aussenwahrnehmung des Haslibrunnen wichtig. «Ich führte Gespräche mit Personen anderer Altersinstitutionen und mit Vertretern der Stadt.»

Jetzt, nach diesen drei Monaten in seiner neuen Funktion, kann Lüthi sagen: «Ich habe ein stimmiges Bild vom Haslibrunnen erhalten.» Es sei ein homogenes Team am Werk, das die Stärken und Schwächen der Institution kenne. «Das Alterszentrum hat zudem ein gutes Image und wird als volksnah angeschaut. Da hat mein Vorgänger Marcel Lanz grossen Anteil daran», sagt er anerkennend.

Grosse Fussstapfen

In der Tat: Lüthi tritt in grosse Fussstapfen. Lanz hatte die Funktion über 25 Jahre inne und war ein allseits geschätzter Zentrumsleiter. Dessen ist sich auch sein Nachfolger bewusst: «Mir war klar, dass sich viele Bewohner einen zweiten Marcel Lanz gewünscht haben.» Aber: Das könne er gar nicht sein. «Ich muss allerdings sagen: Ich wurde von den Bewohnern so offen und herzlich empfangen, wie ich das nicht hatte erwarten dürfen.» Eine wichtige Phase für das gesamte Team im Haslibrunnen war laut Lüthi auch, dass Lanz bereits im vergangenen Herbst aufgehört hatte und er erst im März begann. Dazwischen leitete das Kader das Alterszentrum. «Die verantwortlichen Mitarbeitenden haben das sehr gut gemacht. Das gab mir viel Sicherheit. Es zeigte mir: Das Kader des Haslibrunnen ist fähig, diesen Betrieb grundsätzlich zu führen.»

Im Altersheim aufgewachsen

Der 45-jährige Aargauer war viele Jahre in einem Zentrum für Querschnittgelähmte und Hirnverletzte tätig, bevor er nun die Stelle als Zentrumsleiter antrat. Fremd ist ihm die Welt der Altersbetreuung indes nicht: «Meine Eltern führten im Kanton Aargau während vieler Jahre ein Alterspflegeheim. Ich bin dort aufgewachsen und habe fast 20 Jahre dort gelebt», sagt Lüthi. Er habe als Kind viele gute Erfahrungen gemacht und deshalb einen positiven Zugang zu einer Altersinstitution. Dennoch waren seine Eltern überrascht vom beruflichen Wechsel, weil er bisher eher wissenschaftlich tätig gewesen sei. «Nun hat sich für mich die Frage gestellt, ob ich mich als Fachexperte spezialisieren oder eine allgemeinere Funktion übernehmen will, die näher bei den Bewohnern ist.»

Über seine neue Aufgabe weiss Lüthi bisher nur Positives zu berichten: «Ich habe ein sehr breites Aufgabenfeld.» Das Haslibrunnen sei ein professioneller Betrieb mit der Verantwortung für 53 Bewohnerinnen und Bewohner. Diese Aufgabenfülle sei für ihn neu – aber genau das habe er letztlich gesucht. Die Rahmenbedingungen für das Alterszentrum Haslibrunnen beurteilt er als sehr interessant. «Die Aussicht auf einen Ausbau ist toll. Aber auch sonst ist die Altersarbeit in Langenthal spannend.» Diese umfasse nicht nur das Alterszentrum, sondern weitere Institutionen. Lüthi stellte in seinen ersten Monaten fest, dass es in Altersfragen eine gute Kooperation und ein gutes Netzwerk in der Stadt gibt. «Man ist offen, zusammenzuspannen. Ein Teil davon zu sein, ist eine reizvolle Sache.»

Keine Luftschlösser

Die grösste Herausforderung in den kommenden Jahren wird laut Lüthi der Ausbau des Haslibrunnen sein mit einer vorgesehenen Verdreifachung der Bettenzahl – sofern die Stimmbevölkerung der Ausgliederung in eine Aktiengesellschaft zustimmt. Er ist überzeugt, dass trotz der Grösse des Projekts in Langenthal keine Luftschlösser gebaut werden. Die Planung basiere auf seriösen demografischen Berechnungen. «Aber es ist klar: Ein solcher Ausbau bedingt, dass wir die künftige Strategie des Haslibrunnen nochmals genau diskutieren müssen.» Er denkt dabei an eine weitere Diversifizierung des Betriebs. Das Potenzial dafür sei vorhanden.

Die Arbeit wird Lühti in den nächsten Jahren bestimmt nicht ausgehen. In diesem Jahr will er weiter am gegenseitigen Vertrauen arbeiten, «denn das braucht es in einer solchen Institution». Gerade auch, wenn man Botschaften wie die Umwandlung in eine AG vermitteln will.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt