Der künstlerische Leiter hört auf

Burgdorf

Seit nunmehr siebzehn Jahren amtet Ulrich S. Eggimann als künstlerischer Leiter am Casino-Theater Burgdorf. Ab August macht er den Platz frei für einen Nachfolger.

«Als Abobesitzer ging man früher, ungeachtet dessen, was gespielt wurde, ins Theater. Heute wird viel mehr selektioniert», sagt Ulrich S. Eggimann.

«Als Abobesitzer ging man früher, ungeachtet dessen, was gespielt wurde, ins Theater. Heute wird viel mehr selektioniert», sagt Ulrich S. Eggimann.

(Bild: Walter Pfäffli)

Eigentlich habe er immer gesagt, dass er nach dem Umbau des Casinos als künstlerischer Leiter des Hauses abtreten werde. Das erzählt Ulrich S. Eggimann, der seit siebzehn Jahren für die künstlerischen Geschicke des Burgdorfer Theaters verantwortlich zeichnet. Da sich aber der Umbau der Kulturstätte wegen finanzieller Unklarheiten immer wieder verzögert hat, wird Eggimann das Haus bereits diesen Sommer verlassen – «nicht etwa aus Gram», wie er betont.

Das sei ihm wichtig zu betonen. Denn mit dem altehrwürdigen, inzwischen etwas betagten Gebäude verbindet den Opernsänger, Schauspieler und langjährigen Regisseur (siehe Kasten) viel Herzblut. Mehr noch: Als er vor siebzehn Jahren sein Amt angetreten habe, hätten sich die Besucherzahlen im freien Fall befunden. Insofern bereite es ihm schon eine gewisse Genugtuung, dass das kleine Casino-Theater inzwischen weit über die Stadtgrenzen hinaus ausstrahle. Dies nicht zuletzt, weil er zusammen mit Hans Rudolf Kummer die Kleinkunst nach Burgdorf geholt habe.

Neuerungen brachten Wende

Eine regelrechte Frischzellenkur seien zusätzliche Angebote gewesen. «Danach gingen die Zahlen steil nach oben», erinnert sich Ulrich S. Eggimann. Im Zuge dieser Neuerung sei auch der Kleinkunstanlass «Die Krönung» entstanden, welcher von Tobias Kälin und Nicole Käser initiiert worden war.

Als Opernsänger und Schauspieler sind für Eggimann die Sparten Oper und Schauspiel immer ein zentrales Anliegen gewesen. So ist denn das kleine Theater bis heute sowohl ein beliebtes Gastspielhaus als auch das Zuhause der weitherum bekannten Emmentaler Liebhaberbühne oder der Theatergruppe Burgdorf.

Haus für Bildungsbürger

Fanden früher vor allem die Abobesitzer des Burgdorfer Bildungsbürgertums den Weg ins Theater, gebe es heute nicht mehr den typischen Besucher. «Als Abobesitzer ging man früher, ungeachtet dessen, was gespielt wurde, ins Theater. Heute wird viel mehr selektioniert», weiss Eggimann.

Heute sei der Theaterbesucher mobiler und besser informiert. Um den veränderten Ansprüchen gerecht zu werden, sind in den letzten Jahren auch Strukturen und Abläufe im Haus professionalisiert worden. Das führte zu einer Aufstockung im Personalbereich. «In den Anfangszeiten arbeitete ich gerade mal mit einem technischen Allrounder zusammen», erinnert sich Eggimann. Heute sind mehrere Personen für das Casino-Theater tätig.

Stelle gibts noch gar nicht

Was seine Nachfolge betrifft, stehe zurzeit noch alles in den Sternen. Zudem: «Das ist Sache des Verwaltungsrates», erklärt Eggimann. Allerdings müsste für die künstlerische Leitung überhaupt erst mal eine neue Stelle geschaffen werden.

Denn: Er habe selbst nie eine fixe Anstellung gehabt. Das Salär sei entsprechend bescheiden gewesen. Interimsmässig, bis jemand gefunden worden ist, werde Geschäftsführer Peter Schläfli einspringen.

Eggimann hadert aber nicht etwa mit Vergangenem – im Gegenteil: «Ich wollte auch immer frei sein für meine Kunst.» Ab kommenden Sommer wird er dafür mehr Zeit haben. «Ich werde künftig nur noch hundert anstelle von hundertfünfzig Prozent arbeiten», sagt er mit einem Schmunzeln.

Berner Zeitung

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