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Der Appell an Ghadhafi aus Alchenstorf

Plötzlich kommt die Weltpolitik in der Region an: Als Moritz Göldi vorgestern Abend im Fernsehen den libyschen Staatschef in aller Öffentlichkeit bat, Bruder Max Göldi doch zu begnadigen, tat er dies zu Hause in Alchenstorf.

Der Appell an den lybischen Staatschef: Moritz Göldi, der Bruder von Max Göldi, vor der Kulisse von Alchenstorf.
Der Appell an den lybischen Staatschef: Moritz Göldi, der Bruder von Max Göldi, vor der Kulisse von Alchenstorf.
SF/Screen

Es war sein zweiter Auftritt im Schweizer Fernsehen, und es war sein zweiter Appell an die Adresse von Muammar al-Ghadhafi. «Im Namen meiner Mutter», sagte Moritz Göldi vorgestern im Abendmagazin «10vor10», bitte er den libyschen Staatschef und dessen Familie, alles zu unternehmen, damit das Begnadigungsgesuch seines Bruders Gehör finde. Und er hoffe, natürlich, «auf eine baldige Freilassung von Max».

Nicht ohne Grund fasse Moritz Göldi sein Anliegen in derart besonnene Worte, kommentierte derweil eine Stimme aus dem Hintergrund. Die Lage von Max Göldi sei nämlich in der Tat äusserst heikel. Vor diesem Hintergrund fieberten auch die Nachbarn dem Augenblick entgegen, in dem der im Zuge der Libyenaffäre festgehaltene Schweizer endlich freikomme – die Nachbarn «in Moritz Göldis Wohnort bei Burgdorf».

Alles geht viel näher

Plötzlich kommt ein Geschehen, das seit Monaten die Schweiz, Europa und zum Teil sogar die Welt beschäftigt, in der Region Burgdorf an. Denn Moritz Göldi lebt seit 15 Jahren in Alchenstorf und führt hier auch sein eigenes Treuhandbüro. Gross ist daher die Betroffenheit und das Mitgefühl der Leute im Dorf, wie Thomas Bill und Andreas Bernhard festhalten. «Man bekommt automatisch einen engeren Bezug zu einem Geschehen, wenn man jemanden kennt, der selber betroffen ist», sagt der Gemeindepräsident, und der Präsident des Gemeinderates: «Mir gehen die Nachrichten aus Libyen viel näher, seit ich um den Zusammenhang weiss.»

Moritz Göldi habe, fährt Andreas Bernhard fort, etwa vor einem Jahr alle Nachbarn im engeren Umkreis direkt ins Bild gesetzt. Auf diese Art habe auch er es erfahren, und spätestens seit dem ersten Fernsehappell von Ende November wisse es ganz Alchenstorf. «Wenn wir Dorfbewohner zusammenkommen», sagt derweil Thomas Bill, «fragen wir einander immer, ob wir etwas Neues wissen.» Wobei, das betonen die beiden einmütig, man sich als gewöhnlicher Bürger im Angesicht der internationalen Politik ja machtlos vorkomme. Umso grösser sei jeweils die Enttäuschung, wenn es mit der Heimkehr wieder einmal nicht klappe – das sei im letzten Herbst nach der erfolglosen Reise von Bundesrat Hans-Rudolf Merz ebenso der Fall gewesen wie Ende Februar nach der Rückreise von Max Göldis Leidensgenossen Rachid Hamdani. Wieso der eine freigelassen worden sei und der andere nicht?

«An ihn denken»

Diese quälende Frage treibt gut 40 Kilometer entfernt auch Michel Seiler um. Der Chef im Kinderheim Stärenegg ob Trubschachen arbeitet seit über 20 Jahren mit Moritz Göldi zusammen, «er ist unser Buchhalter, sitzt auch bei uns im Stiftungsrat». Entsprechend eng sind die Kontakte. Er spüre, berichtet Michel Seiler, wie riesig die Belastung für die ganze Familie sei. Gerade wegen all der Hoffnungen auf eine Rückkehr, die sich später wieder zerschlagen hätten.

In dieser Situation ist Michel Seiler vor allem eines wichtig: «Ich möchte Moritz Göldi und seiner Familie vermitteln, dass wir alle Tage an sie denken.» Mit dieser Absicht habe das ganze Stärenegg-Team auf Weihnachten hin die Postkarten- und Internetaktion «eine Kerze nach Libyen» unterstützt.

Wieder in Alchenstorf, wo die Ereignisse auch an Andreas Aebi nicht spurlos vorübergegangen sind. Kein Wunder, der SVP-Nationalrat wohnt in Sichtweite von Moritz Göldi und pflegt derzeit intensiven Kontakt mit seinem Nachbarn. Dazu dürfe er in der Öffentlichkeit aber nichts sagen, sagt er, der als Vizepräsident der Aussenpolitischen Kommission an einer Lösung in der Libyenaffäre mitarbeitet.

Mitgefühl und Solidarität

In Zurückhaltung übt sich auch Moritz Göldi. Ergänzend zu seinem zweiten Appell im Fernsehen sagt er auf Anfrage nur noch so viel: Er nehme sehr viel Mitgefühl und Solidarität wahr. Das tue gut.

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