Dem mystischen Segler auf der Spur

Kräiligen

Sie ist geheimnisvoll und sagenumwoben: die Fledermaus. Auf einer Exkursion konnte sie beim Eindunkeln beobachtet werden.

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Fledermäuse sind in unserem Alltag quasi unsichtbar – und üben vielleicht nicht zuletzt deshalb eine Faszination auf den Menschen aus. Am Freitagabend ergab sich die Möglichkeit, sich an die scheuen Flieger anzupirschen: Der Vogel- und Naturschutzverein Wiler lud zur Exkursion. Mit Claudia Kuhnert, Biologin mit Fachgebiet Fledermaus, konnte die ideale Fachperson engagiert werden.

Sie ist zugleich Präsidentin des Nachbarvereins Bätterkinden. Ein Dutzend Interessierte folgte dem Referat im Hornusserhüttli, bevor es im Dunkeln zum Industriekanal im Emmenschachen ging, wo man sich eine Flugshow der Wasserfledermäuse erhoffte.

Effizienter Insektenvertilger

Kuhnert wusste Erstaunliches über die Fledermaus zu berichten. Etwa, dass sie in sechs Stunden nächtlicher Jagd dank ihrem körpereigenen Ultraschallsystem (Echolot) alle vier Sekunden ein Insekt anpeile und so bei einer 50-prozentigen Erfolgsquote die Hälfte ihres Körpergewichts verschlinge. Unsere Welt sei danach um 2700 Mücken ärmer. Die Fledermaus sei ein geheimnisvolles, wenig beliebtes Tier. Absolut zu Unrecht, wie die Rednerin festhält. Die Naturfreunde möchten dem entgegenwirken, indem sie der Bevölkerung das Flattertier näherbringen.

Rätselhaftes Wesen

Eigenartig ist an der Fledermaus eigentlich alles: dass sie mit den Händen fliegt, dass sie kopfüber hängend den Tag verschläft, dass sie mit unhörbaren Schallwellen jagt und an unbekannter Adresse wohnt. Und erst ihr Aussehen – ein Kuscheltier schaut anders drein. Das alles und ihr lautloses Auftauchen aus dem Nichts, ihr schemenhaftes Flattern im Dunkeln, haben im Altertum zu ihrer Dämonisierung geführt. Doch mit Vampiren hat die Fledermaus nichts gemein, nicht mal mit ihren entfernten Verwandten in Südamerika, die Kühen einige Tropfen Blut abzapfen.

Als fliegendes Säugetier einzigartig, vor 100 Millionen Jahren zu Zeiten der Saurier entstanden, kommt sie auf der ganzen Welt in etwa tausend Arten vor, ausgenommen in der Antarktis, wo es keine Mücken gibt. In der Schweiz hat man dreissig Arten beobachtet, und alle stehen auf der Roten Liste – sind also vom Aussterben bedroht. Regional seien zehn Arten bekannt, so Claudia Kuhnert, vor allem die Zwergfledermaus als kleinste Art, dann die Mausohr-, die Rauhaut- und die Mückenfledermaus, der grosse Abendsegler sowie die Wasserfledermaus.

Mehr Lebensraum

Kuhnert redete über Fortpflanzung, «Frauenhäuser», Jagdmethoden, Wohnungswechsel, Winterschlaf, Wanderungen und Kolonien ihrer Protagonisten. Wohnungsnot sei eines der grössten Probleme für die Fledermäuse. «Dabei sind sie problemlose Untermieter, anspruchslos und diskret, sogar der Kot ist geruchlos, und er ist leicht wegzuwischen.»

Zum Schluss gelang es tatsächlich: Die Teilnehmer konnten den Wasserfledermäusen beim Jagen zuschauen und dank des Detektors von Claudia Kuhnert den Echolot-Rufen lauschen.

Nächste Fledermaus-Exkursion: Freitag, 28.August, um 19 Uhr beim Hornusserhüttli Kräiligen.

Berner Zeitung

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