Das Volk schickt den Emmesteg bachab

Lyssach

Zwölf Jahre hat das Seilziehen um eine Fussgänger- und Velobrücke von Lyssach nach Kirchberg gedauert. Jetzt hat die Gemeindeversammlung die Pläne beerdigt.

Weil das Flussbett verbreitert wird, hätte ein Steg über die Emme wesentlich mehr gekostet.

Weil das Flussbett verbreitert wird, hätte ein Steg über die Emme wesentlich mehr gekostet.

(Bild: Walter Pfäffli)

Im Jahr 2000 forderten SP-Vertreter, dass der Schulweg nach Kirchberg sicherer werden soll. Als Lösung sahen sie einen Velo- und Fussgängersteg vor. Seither ist viel Wasser die Emme hinuntergeflossen. Eine Brücke haben die Lyssacher noch nicht, und sie müssen auch künftig darauf verzichten. Nun stimmte die Gemeindeversammlung einem Abbruch der Planung zu.

Plötzlich viel breiter

Noch im Mai 2011 tönte es anders: Entgegen dem Antrag des Gemeinderates hatten die Stimmberechtigten damals beschlossen, das Projekt sei weiterzuverfolgen. Was ist seither geschehen? Letzten August habe man erfahren, dass das Flussbett der Emme verbreitert werde, führte Gemeinderat Samuel von Ballmoos an der Versammlung aus. «Man muss sich das vorstellen, da kommen auf beiden Seiten je 13 Meter dazu», rief er den Anwesenden vor Augen. Die vorgesehene Spannweite der Brücke von 46 Metern hätte auf 70 Meter verlängert werden müssen. Länger bedeutet beim Brückenbau auch höher. Zudem hätten grössere Fundamente gebaut werden müssen.

Der Gemeinderat liess die neue Variante berechnen: 2,5 Millionen Franken würde der neue Steg kosten. Bund und Kanton würden sich daran beteiligen, für die Gemeinde würde ein Rest von 1,16 Millionen anfallen.

SP ist unzufrieden

Zu teuer sei das, befand der Gemeinderat. SP-Präsident Roland Kläy stimmte dem an der Gemeindeversammlung zu. Er äusserte sich aber kritisch. «Das Vorhaben wurde stiefmütterlich behandelt, bewusst verzögert und in der Schublade gelagert», warf er dem Gemeinderat vor. Er stellte einen Rückweisungsantrag. Er wollte erreichen, dass sich der Gemeinderat nach einem neuen Standort für die Brücke umsehen würde. Mit 58 Nein zu 21 Ja wurde dieses Ansinnen aber deutlich abgelehnt.

Gegenüber dieser Zeitung bestätigte Gemeindepräsident Hans Rudolf Sägesser, dass mit den Planungsarbeiten 2005 begonnen wurde. Später habe der Gemeinderat die Prioritäten beim Projekt «Sportplatz» gesetzt. Nach der Überarbeitung des Projektes sei aber die neue Situation mit der Emmeaufweitung dazugekommen.

Geld für Zivilschutzküche

Ohne Diskussion genehmigten die 99 Stimmberechtigten das Budget 2013. Lyssach rechnet im kommenden und auch in den folgenden Jahren mit einem Defizit. Nächstes Jahr sind es voraussichtlich 635000 Franken. Darin enthalten ist auch eine Entnahme aus der Spezialfinanzierung «Schutzraumersatzabgaben». Die Gemeinde Lyssach will die Zivilschutzküche sanieren, bevor die Gelder gestützt auf die neue Gesetzgebung an den Kanton überwiesen werden müssen.

Hans Rudolf Sägesser ist als Gemeindepräsident für weitere vier Jahre in stiller Wahl bestätigt worden. Er ist seit acht Jahren in diesem Amt. Ebenfalls in stiller Wahl wurde der Präsident der Einwohnergemeindeversammlung bestimmt. Künftig wird der seit April in der Gemeinde wohnhafte Peter Spielmann die Versammlungen leiten.

Berner Zeitung

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