Das Schicksal meinte es nicht gut mit den Siegermuni

Burgdorf

Dobi II und Arnold sind tot. Die Siegermuni der Eidgenössischen Schwingfeste von Aarau 2007 und Frauenfeld 2010 bereiteten nicht lange Freude. Welches Schicksal droht Fors vo dr Lueg, dem Siegermuni von Burgdorf?

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Caesar war ein Prachtsmuni. Andreas Kempf, Landwirt und leidenschaftlicher Viehzüchter aus dem luzernischen Schwarzenberg, hatte darum Grosses vor mit seinem Zuchtstier, der 1300 Kilogramm auf die Waage brachte. 2007 war er als mehrfacher Europa- und Schweizer Meister ganz sicher der schönste Muni der Schweiz. Doch Caesar war nicht nur schön, er war auch potent, mit bester Samenqualität. Swissgenetic, das Unternehmen für Samenproduktion, hatte sich Caesar längst als künftigen Vater vieler Kälber vorgemerkt.

Bei so vielen Superlativen wundert es nicht, dass Caesar zum Siegermuni des Eidgenössischen Schwingfestes 2007 in Aarau auserkoren wurde. Die Ehre wurde ihm zuteil, am 26.August an der Seite von Schwingerkönig Jörg Abderhalden durch die Arena zu schreiten. Allerdings wurde Caesar für die Dauer des Schwingfestes zu Dobi umgetauft. Der Grund: Die Firma Dobi-Inter AG hatte den 10'000 Franken teuren Siegermuni gestiftet. Als Gegenleistung durfte die Firma dem Muni einen neuen Namen geben – Dobi.

«En todliebe Cheib»

Genau genommen war es Dobi II, denn Dobi I musste bereits vor dem «Eidgenössischen» wegen Hüftproblemen ausgewechselt werden. Nach dem Schwingfest in Aarau wurde aber auch DobiII vom Schicksal ereilt. «Es isch en todliebe Cheib gsi», schwärmt Andreas Kempf noch heute. Doch dann sagt er bedrückt: «Dobi hatte Pech. Bereits nach dem ersten Sprung musste er eingeschläfert werden.» Was war passiert? Weil Jörg Abderhalden lieber Bargeld statt Dobi mit nach Hause nahm, kam der Zuchtbulle direkt zu Swissgenetic. Dort hatte er nur ein kurzes Leben. Dobi alias Caesar erlitt eine schwere Infektion. Selbst die Mediziner der Berner Tierklinik konnten dem stolzen Stier nicht mehr helfen.

Stolz war auch Arnold. Im Alter von drei Jahren wog der Stier stolze 1250 Kilogramm. Zur Welt kam er 2007 auf dem Hof von Züchter Walter Arnold in Schönholzerswilen an der Thur. Begehrt war Muni Arnold als Samenspender. Gegen 150 Kälber sind mit seinem Samen bisher gezeugt worden. Einigen Zehntausend Personen wurde Arnold aber auf anderem Weg bekannt: Am Nachmittag des 22.August 2010 durfte Schwingerkönig Kilian Wenger Siegermuni Arnold in Empfang nehmen und mit diesem vor 47500 Zuschauern durch die Frauenfelder Schwingfestarena schreiten.

Der Weg zur Schlachtbank

Gespendet wurde der Siegermuni von Züchter und Viehhändler Walter Arnold selbst. Da sich Kilian Wenger für Bargeld und gegen den Lebendpreis entschied, lebte Siegermuni Arnold fortan wieder im Kanton Thurgau. Bleibt die Frage: Was ist aus dem Zuchtbullen geworden? «Er dürfte wohl zu Wurst verarbeitet worden sein», mutmasst Walter Arnold und meint betrübt: «Es tut mir heute noch weh, dass wir Arnold zur Schlachtbank führen mussten.» Vor dem «Eidgenössischen» in Frauenfeld sei er jeden Tag mit dem Muni zusammen gewesen, «wir gingen zusammen laufen, um für den Einzug in die Schwingfestarena gerüstet zu sein.» Doch es habe keinen anderen Weg mehr gegeben. Mit viereinhalb Jahren sei Arnold nicht mehr so friedlich gewesen, «er war ein zu grosses Risiko», erklärt der Züchter. Vergessen wird Muni Arnold nicht so schnell: 10'000 seiner Samen warten tiefgefroren auf ihren Einsatz.

Nach den traurigen Schicksalen der beiden Schwingfestmuni Dobi und Arnold bleibt die Hoffnung, dass Fors vo dr Lueg, Siegermuni des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2013 in Burgdorf, ein längeres Leben vergönnt sein wird. Verzichtet der Schwingerkönig 2013 auf den Siegermuni, wird dieser vom bisherigen Besitzer zurückgekauft. Fors vo dr Lueg wird dann im freiburgischen Le Châtelard-près-Romont zur Zucht eingesetzt werden. Übrigens: Dieser Muni ist der zweite auf den Namen Fors vo dr Lueg Getaufte. Der erste Siegermuni mit diesem Namen musste wegen eines Gelenkschadens im Knie im März gemetzget werden.

Berner Zeitung

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