Das Räbloch sorgt für Unbehagen

Eggiwil

Seit letztem Sommer, als das grosse Unwetter über Schangnau niederging, ist das Räbloch wieder verstopft. Noch nie türmte sich das Material so hoch wie jetzt. Jetzt diskutieren Experten, ob und wie das Loch freigeräumt werden soll.

Kaum einer kennt das Räbloch besser als der Schangnauer Förster Fritz Salzmann. Als kleinen Buben habe ihn der Grossvater im Fischkessel mitgenommen, als 10-Jähriger habe er selber angefangen, im Räbloch zu fischen. Und ungezählte Male sei er mit oder gegen die Strömung durch die Schlucht geschwommen, erzählt der 48-Jährige.

Für Salzmann ist es auch nicht neu, dass sich an der engsten Stelle in der Schlucht, wo der Spalt zwischen den Felsen nur noch etwa anderthalb Meter breit ist, Schwemmholz und anderes Material verkeilt. Auch seit dem verheerenden Unwetter, das letzten Sommer über der Gemeinde Schangnau niedergegangen ist, ist der Durchgang wieder zu.

Die Kraft der Natur

Vorher sei das Loch schon dreimal nicht passierbar gewesen, erinnert sich Fritz Salzmann. Zweimal hätten bloss einzelne Wurzelstöcke den Durchgang verstopft. Während der Auftauphasen im Frühling hätten sich diese dann aber jeweils von allein wieder gelöst. 1997 jedoch hatte sich nach einem Unwetter so viel Schwemmholz – und auch ein Wohnwagen – im Räbloch verkeilt, dass ein Eingriff nötig wurde.

Drei Tage lang seilte das Truber Forstunternehmen Reber Holz heraus. Salzmann, der damals noch in der Gemeinde Trub als Förster gearbeitet hat, half mit. Aber lösen konnten die Wagemutigen die Verstopfung nicht. Sie mussten aufgeben, weil es zu gefährlich geworden wäre, unter Wasser liegendes Holz herauszuseilen.

Wenn es wärmer wird

Irgendwann löste die Natur das Problem ohne menschliche Hilfe. Und sie könnte es vielleicht auch diesmal schaffen. Denn die aktuelle Kälte lässt im feuchten Räbloch die Felswände entlang wieder einen dicken Eispanzer wachsen. Sobald es wärmer wird und Tauwetter einsetzt, werden tonnenschwere Eisbrocken in den aufgestauten Haufen fallen und darin für reichlich Bewegung sorgen. Doch niemand weiss, mit welcher Gewalt die befreiten Massen Richtung Eggiwil und weiter emmeabwärts drängen werden.

Diesmal türmen sich Geröll und Schwemmholz im Räbloch so hoch wie nie zuvor. So viel weiss man in Schangnau und Eggiwil mit Sicherheit, obwohl es schwierig ist, sich ein genaues Bild von der Situation zu machen. Denn das Loch ist weder zugänglich noch von oben einsehbar.

Auf Visite in der Schlucht

Am 26.Januar kamen Spezialisten zum Einsatz, die sich in den ungastlichen Schlund hinunterseilen liessen. Mit dabei war Ruedi Degelo, Leiter Felssicherung in der Gasser Felstechnik AG in Lungern. «Doch viel mehr als Schnee auf einem Haufen und eine vereiste Schlucht haben wir nicht gesehen», sagt er. Wenigstens weiss man jetzt, dass sich das Material auf einer Länge von fünfzig bis sechzig Metern fünf bis zwölf Meter hoch und anderthalb bis vier Meter breit staut. Degelo spricht von 1170 bis 1400 Kubikmeter Mitgerissenem, das seit dem Unwetter im Räbloch verkeilt ist.

Was genau sich nebst Holzstämmen in dem Haufen befindet, weiss er nicht. Das weiss niemand. Wahrscheinlich Siloballen, vielleicht landwirtschaftliche Geräte. Und in Schangnau wird nicht ausgeschlossen, dass auch das eine oder andere Ölfässchen darin versteckt ist.

Jetzt wird analysiert

Vonseiten des Umweltschutzes könnte also durchaus ein Interesse bestehen, dass im Räbloch aufgeräumt wird. Und der Eggiwiler Feuerwehrkommandant Anton Bigler spricht ebenfalls von einem «gewissen Unbehagen», das in seiner Gemeinde bestehe, solange sich die Verstopfung nicht aufgelöst habe. Die Gefahr, die vom Räbloch ausgehe, «wird nicht gerade akut sein», sagt Bigler jedoch.

Das zu beurteilen, sei nun aber die Aufgabe von Experten. Spezialisten und Vertreter von Bund, Kanton und der Schwellengemeinde seien daran, vertiefte Abklärungen zu treffen, das Gefahrenpotenzial genau zu erfassen und nach geeigneten Lösungen zu suchen.

Über mögliche Massnahmen mag der Feuerwehrkommandant nicht spekulieren. «Es wird ein Abwägen geben zwischen Sicherheit, Vernunft, Kosten und Gefahren», fasst Anton Bigler zusammen. Er rechnet damit, dass bis in einem oder zwei Monaten klar ist, wie es im Räbloch weitergehen soll.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt