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Das «Kreuz» steht zum Verkauf

Urs Amstutz sucht für das «Weisse Kreuz» in Hasle einen Käufer – wenn möglich einen, der den Gastbetrieb weiterführen will.

Den Gasthof zum weissen Kreuz im Kalchofen, Hasle, gibt es seit 1840. Die heutige Wirtefamilie Amstutz gelangte 1898 in den Besitz des Betriebs, der nun verkauft werden soll.
Den Gasthof zum weissen Kreuz im Kalchofen, Hasle, gibt es seit 1840. Die heutige Wirtefamilie Amstutz gelangte 1898 in den Besitz des Betriebs, der nun verkauft werden soll.
Thomas Peter

Eine über hundertjährige Familientradition geht bald zu Ende: Der 53-jährige Urs Amstutz, der den Gasthof zum weissen Kreuz im Kalchofen, Hasle, seit zwanzig Jahren zusammen mit seinen Eltern in vierter Generation führt, will den Betrieb verkaufen – «altershalber», wie er auf Anfrage sagt. Und auch, weil er für die Weiterführung des Betriebs nun investieren müsste – dies wolle er jedoch nicht mehr.

Einen Verkaufspreis nennt er nicht; dieser sei innerhalb eines gewissen Spektrums Verhandlungssache, sagt er. Am liebsten wäre es ihm, wenn die Liegenschaft wiederum an einen Gastronomen ginge, denn in Hasle seien Gaststätten nicht gerade allzu dicht gesät.

Eine grosse Liegenschaft

In der Tat lud der Gemeinde-rat in den letzten Jahren und Jahrzehnten regelmässig ins «Kreuz», wenn er für die Bevölkerung einen Orientierungsabend durchführte. Das Haus verfügt über einen grossen Saal mit Bühne, drei weitere Säle für je 20 respektive 40 Personen und eine Gaststube mit 40 Plätzen. Auch ein Parkplatz für 50 Fahrzeuge ist vorhanden. «Es ist ein grosser Betrieb, und die Fläche des gesamten Grundstücks umfasst 3300 Quadratmeter», sagt Amstutz. Bereits habe sich ein Bewerber gemeldet, allerdings einer, der seinen Vorstellungen als Käufer nicht entspreche.

Das stattliche «Weisse Kreuz» liegt prominent an der Hauptachse durch das Emmental und prägt das Ortsbild massgeblich. Kein Wunder, ist dem Gasthof in der 1995 erschienenen Hasle-Chronik ein eigenes Kapitel gewidmet. Laut diesem Buch lag das «Kreuz» ursprünglich im alten Dorfkern, wurde 1840 vom damaligen Wirt Johann Schafroth als «Weisses Kreuz» jedoch ins Gebiet Kalchofen an die neue Strasse verlegt. Bald wurden in den Gastbetrieb zusätzlich eine Backstube, ein Waschhaus, ein Metzgereilokal und eine Postablage integriert; für Letztere war im Parterre der Wirtschaft ein Zimmer reserviert.

Der italienische Polier

In den 1880er-Jahren erschien ein italienischer Polier mit einer Gruppe von Landsleuten und quartierte sich im Dorf ein; der Trupp arbeitete an der Bahnhofanlage für die Emmentalbahn mit. «Die bewegliche Arbeits- und Lebensweise der Fremdarbeiter war damals ein besonderes Ereignis», heisst es im Hasle-Buch. «Das Wirtshaus im Kalchofen war immer voll besetzt. Allabendlich wurde bis in die Nacht hinein gelärmt und getanzt.»

Besagter Polier, Giovanni Sonvico mit Namen, wurde in Hasle sesshaft, gründete ein Tiefbauunternehmen, übernahm von seiner verwitweten Schwiegermutter auch noch das «Weisse Kreuz» in Pacht und wurde überdies Posthalter. 1898, nach zweimaligem Pächterwechsel, gelangte der Gasthof in Besitz der heutigen Wirtefamilie Amstutz.

Warum «Kalchofen»?

Nach dem Namen des Quartiers, in dem der Gastbetrieb steht, wird das «Weisse Kreuz» von der Bevölkerung meist «Kalchofen» genannt. Diese Bezeichnung stammt von einer Kalkbrennerei, die dort einst angesiedelt war. Aus gebranntem Kalk wurden weisse Farbe und Baumörtel hergestellt. Der «Kalchofen» in Hasle taucht 1531 erstmals schriftlich auf. «Kalköfen wurden meist an Ort und Stelle, wo Mauerwerk nötig war, angelegt und haben sich nur noch im Namen erhalten, da sie später an anderen Orten neu erstellt wurden», heisst es in der Chronik von Hasle.

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