«Das Geld wäre irgendwann ausgegangen»

Roggwil

Nach der Trennung von Christian Herren will René Brogli den Fokus in der Bromer Art Collection verstärkt auf seine Sammlung richten. Zum Auftakt mit einer Sommerausstellung.

«Wir können nicht jedes Jahr ein Vermögen rauswerfen. Nicht, wenn die Besucher fehlen», so René Brogli.

«Wir können nicht jedes Jahr ein Vermögen rauswerfen. Nicht, wenn die Besucher fehlen», so René Brogli.

«Die Bromer Art Collection bleibt vom 22. bis 26.Juli, 18.30 Uhr, geschlossen», steht gut sichtbar an der Eingangstür des Kunsthauses in Roggwil-Kaltenherberg. «Diese Zeit nutzen wir, um für Sie die Sommerausstellung ‹Reise durch die Schweiz› aufzubauen und vorzubereiten.» Vor wenigen Tagen erst hat Inhaber René Brogli bekannt gegeben, dass er sich per sofort von seinem jungen Museumsdirektor trennt. Christian Herren habe grossartige Arbeit geleistet, betont der 56-jährige Immobilienhändler. Die erhofften Besucherströme seien aber ausgeblieben.

Herr Brogli, ist Kunst nur gerechtfertigt, wenn sie gleich Massen anzieht?

René Brogli: Jein Natürlich ist es absolut falsch, bei Kunst nur über deren Rentabilität zu reden. Aber ein gewisses Verhältnis muss vorhanden sein. Manchmal kamen selbst an einem Regentag keine zwanzig Besucher.

Es gibt Häuser, die hätten Freude, wenn es zwanzig wären...

Ich weiss nicht, was andere Häuser für einen Aufwand betreiben. Aber bei uns stand er gegenüber dem Besucherinteresse in einem so krassen Missverhältnis, dass er schlicht nicht mehr gerechtfertigt war.

Kann die Rechnung überhaupt aufgehen?

Zumindest kann man den Aufwand enorm verkleinern. Wir werden künftig zum Beispiel keinen Eintritt mehr verlangen fürs Museum. Nicht nur, weil dadurch vielleicht ein paar Besucher mehr kommen. Sondern auch, weil wir so Personalkosten sparen. Und weil Restaurant und Museum erst so wieder richtig zusammengehören.

Sie verzichten künftig aber nicht nur auf Eintritte, sondern stellen nach kurzer Zeit gleich wieder das ganze Konzept auf den Kopf.

Es ist überhaupt nicht so, dass wir alles auf den Kopf stellen würden. Die Sammlung sollte immer einen Teil der Ausstellungen bilden, das war auch in unserem Konzept so vorgesehen. Tatsächlich waren Werke aus der Sammlung aber bereits bei der letzten Ausstellung kaum noch vertreten. Ich will einfach wieder eine bessere Durchmischung.

Im Kunsthaus ist Eva Kobel fleissig bei der Arbeit. Die letzten Werke der Ausstellung «I’m Your Neighbour!» werden abgehängt und säuberlich verpackt. In ein paar Stunden schon wird der Maler kommen, um die Wände zu überstreichen. Die Zeit drängt, am Freitag ist Eröffnung der neuen Ausstellung. Doch Eva Kobel bleibt gelassen. Seit gut dreizehn Monaten ist sie Geschäftsführerin der Bromer Art Collection. Brogli bezeichnet sie als «die Seele der ganzen Geschichte». Nach Herrens Abgang kuratieren die beiden selber die bevorstehende Ausstellung mit Werken aus der Sammlung: Sommeransichten verschiedenster Künstler von François Diday über Giovanni Segantini bis Valentin Roschacher.

Herrens vorwiegend junge Kunst muss also wieder der klassischen Malerei weichen.

Die Schweizer Landschafts- und Bergmalerei wird den Schwerpunkt bilden, ja. Aber auch junge Gegenwartskunst erhält ihren Platz. Weil ich sie spannend finde. Zugegeben, vor anderthalb Jahren habe ich mich dafür weniger interessiert – da hat mir Christian Herren schon die Augen geöffnet. Eben erst haben wir gerade ein weiteres grosses Werk der jungen Basler Künstlerin Sabine Hertig gekauft. Auch diese Arbeit wird in der Sommerausstellung zu sehen sein.

Aber spektakuläre Werkanleihen und pompöse Vernissagen wie zur Neueröffnung vor drei Monaten gibt es keine mehr.

Nicht in diesem Ausmass. Ich will keine genauen Zahlen nennen. Aber für das Geld, das wir in die Neuausrichtung des Kunsthauses und die letzten beiden Ausstellungen investiert haben, würde sich einer ein wirklich wunderschönes Einfamilienhaus bauen – in dieser Region würde man wohl schon von einer mittleren Villa sprechen. Aber natürlich wird es auch an dieser Vernissage wieder monochrome Apérohäppchen aus dem Restaurant geben, diesmal in Gelb.

Sie hätten doch aber die Mittel, auch weiterhin mit der ganz grossen Kelle anzurichten...

Nicht auf lange Sicht. Wir können nicht jedes Jahr ein mittleres Vermögen rauswerfen. Nicht, wenn gleichzeitig die Besucher fehlen. Und ich bin überzeugt, dass sie weiter ausgeblieben wären. So wäre das Geld irgendwann ausgegangen. Mit dem jetzigen Konzept sollten wir den Betrieb aber wieder aus laufenden Mitteln tragen können.

Sie glauben, mit Ausstellungen aus Ihrer Sammlung werden es künftig mehr Besucher sein.

Zumindest nicht weniger.

Rund 1700 Werke aus drei Jahrhunderten umfasst die Bromer Art Collection aktuell. Laut Brogli kommen jährlich rund 40 Ankäufe hinzu. Nach der Ausstellung «Clara Porges – eine Retrospektive» im Herbst, bei der Herren als Gastkurator noch einmal nach Roggwil kommen wird, ist eine Winterausstellung mit weiteren Werken aus der Sammlung geplant. 2014 sollen neben der Sammlung als Konstante auch Wechselausstellungen mit Gegenwartskünstlern stattfinden.

Was wird künftige Wechselausstellungen von den letzten beiden unterscheiden?

Ich setze sicher auf bereits etwas arriviertere Künstler, auch wenn diese eventuell nie die absoluten Shootingstars werden. Dafür kann man ihre Bilder verkaufen.

Hier spricht jetzt aber mehr der Geschäftsmann als der Kunstliebhaber...

Es geht auch hier um ein gesundes Verhältnis. Bei 13 bis 14 Künstlern im Jahr müssen schon 5 bis 7 darunter sein, mit denen eine Ausstellung sicher kein Flop wird. Aber wenn ich von etwas begeistert bin, dann stelle ich das so oder so aus. Einfach, weil ich daran glaube.

Sie haben bereits Millionen in dieses Haus investiert. Wann ist der Punkt erreicht, an dem Sie definitiv aufgeben müssen?

Rein kommerziell gesehen müsste ich das ja schon lange. Bis Ende 2014 werden wir jetzt aber sicher weitermachen, egal, ob jemand kommt oder nicht. Wenn wir bis dahin auch mit dem neuen Konzept nicht an den Punkt kommen, an dem wir im Oberaargau doch eine gewisse Existenzberechtigung haben, müsste ich aus Vernunftsgründen wohl aufhören. Es geht einfach um eine angemessene Beachtung. Dann ist es auch zu verkraften, wenn wir etwas drauflegen. Aber ich bin eigentlich ganz zuversichtlich, dass mit dem Dazugelernten ein Erfolg möglich ist.

Ohne Christian Herren als medienwirksames Aushängeschild?

Das ist doch wie bei einem Fussballteam, das seinen Spitzenstürmer verliert: Dann muss man halt mehr aus der Verteidigung rausholen. Klar gibt es vereinzelt Leute, die nun nicht mehr zu uns kommen werden. Aber es gibt auch diejenigen, denen die klassische Landschaftsmalerei zuletzt gefehlt hat.

Berner Zeitung

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