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Bund geht im Oberaargau auf Hirschjagd

Schon im Februar geht das Bundesamt für Umwelt (Bafu) im Oberaargau auf Hirschjagd. Töten wollen die Bundesbeamten nicht – nur betäuben. Später werden die Tiere im Kanton Solothurn wieder freigelassen.

Im Fadenkreuz: Mit einem ferngesteuerten Gewehr will das Bundesamt für Umwelt Jagd auf den Rothirsch machen.
Im Fadenkreuz: Mit einem ferngesteuerten Gewehr will das Bundesamt für Umwelt Jagd auf den Rothirsch machen.
Carmelo Agovino/MOntage BZ, Signer

Tierisch gut gefällts den Rothirschen im Oberaargau. Nahrung finden sie in Hülle und Fülle, bejagt werden sie nicht. Bis jetzt. Doch das sorglose Leben hat bald ein Ende. Ab Mitte Februar geraten die Tiere im Längwald, zwischen Wangen BE und Gunzgen SO, ins Visier von Wildbiologen des Bundes. Scharf geschossen wird allerdings nicht, stattdessen bekommen die «Könige der Wälder» eine Dosis Betäubungsmittel verpasst. Sobald sie schlafen, werden sie über die Autobahn transportiert und im Jura wieder frei gelassen.

Autobahn als Barriere

Mit diesem Umsiedlungsprojekt reagieren das Bundesamt für Umwelt (Bafu), die Kantone Bern und Solothurn auf die akuten Probleme im Längwald. Aus dem Alpenraum sind in den letzten Jahren rund 30 Tiere in die Region eingewandert. Hier endet ihre Route abrupt, weil ihnen die Autobahn den Weg versperrt und eine Wildbrücke fehlt. Deshalb lassen sich die Hirsche im Längwald nieder, fressen die Jungbäume ab und treiben damit den Waldbesitzern die Zornesröte ins Gesicht.

In diesem Winter wollen die Behörden nun einzelne Tiere einfangen und in den Kanton Solothurn transportieren. Im Verlaufe der nächsten zwei Jahre sollen rund ein Dutzend Hirsche diesen Weg machen. Einfach wird die Umsiedlung gewiss nicht, denn die mächtigen Waldbewohner sind scheu und verfügen über einen hervorragenden Geruchssinn. «Hinzu kommt, dass uns für solche Aktionen im Unterland noch die Erfahrung fehlt», sagt der eidgenössische Jagdinspektor Reinhard Schnidrig.

Jagd mit dem «Gameboy»

Auf die Pirsch gehen die Wildbiologen mit einem «Gameboy», einem ferngesteuerten Betäubungsgewehr, das fix montiert wird. Damit die Tiere in die Nähe kommen, wird verlockendes Futter gestreut – getrocknetes Obst oder auch Salz. Die Jäger können die Szene mit gebührendem Abstand auf einen Bildschirm verfolgen.

Das Umsiedlungsprojekt hat Reinhard Schnidrig im Spätsommer 2009 den deutschsprachigen Jurakantonen vorgestellt. Eng in die Planung einbezogen wurden die Kantone Bern und Solothurn. «Beide stehen hinter dem Projekt», so Schnidrig.

Bevor die Hirsche im neuen Revier aufwachen, werden sie mit Sendern ausgestattet, damit ihre Streifzüge von Wildbiologen verfolgt werden können. Reinhard Schnidrig: «Davon erhoffen wir uns neue Erkenntnisse über ihr Verhalten im Jura. Bis heute ist darüber sehr wenig bekannt.»

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