Brogli macht Blöcke zu Bildern

Roggwil

Der Immobilienhandel hat ihn reich gemacht. Doch seine Zukunft sieht René Brogli im Kunsthandel. Bereits hat er zugunsten der Kunst zahlreiche seiner Liegenschaften verkauft – und ist dabei auf den Geschmack gekommen.

  • loading indicator

Stolz zieht René Brogli ein Frühwerk von Cuno Amiet aus dem Regal, stellt es neben eine Arbeit von Christian Schad von 1916, um alsbald unten im Keller seiner Bromer Art Collection in Roggwil einen der jüngsten Zukäufe seiner stattlichen Sammlung zu präsentieren: ein grosses Ölgemälde des 1963 verstorbenen Kurt Hinrichsen.

«Einfach unglaublich, diese Arbeit», gerät der bald 58-Jährige ins Schwärmen. Und er macht keinen Hehl daraus, dass womöglich auch dieses Werk seinen Besitzer bald schon wieder wechseln wird. «Wir verkaufen grundsätzlich alles, was wir in Roggwil zeigen», sagt Brogli, «auch wenn ich nicht bei allem glücklich wäre, wenn es verkauft würde.» Der Immobilienkaufmann ist zum Kunsthändler geworden. Und auf dieses Pferd will er künftig immer stärker setzen.

Grosse Käufe, kleine Schritte

Dabei schien das Kunstkapitel noch vor anderthalb Jahren schon fast wieder abgeschlossen zu sein in der 2011 nach mehreren gescheiterten Gastronomieversuchen zum Kunsthaus umfunktionierten Kaltenherberg. Beachtung hatte dem neuen Kunstbetrieb nämlich vor allem Christian Herren als viel gelobter jüngster Museumsdirektor des Landes beschert. Aufwendige Ausstellungen und ausbleibende Einnahmen setzten auch dieser Ära 2013 aber bereits nach wenigen Monaten wieder ein Ende. Vorerst noch bis Ende 2014 wollte Brogli den Betrieb nun selber weiterführen, gemeinsam mit Geschäftsführerin Eva Kobel und bald auch dem kunstwissenschaftlichen Mitarbeiter Kevin Muster. Mit dem klaren Ziel, aus dem Kunsthaus eine womöglich nicht besonders rentable, aber zumindest beachtete Institution zu machen.

Dieses Ziel, sagt Brogli heute, sei noch nicht erreicht. «Der Betrieb ist nach wie vor nicht kostendeckend», räumt er offen ein. «Aber die Schere zwischen Aufwand und Ertrag wird kleiner und kleiner.» Dazu beigetragen hätten auch strukturelle Veränderungen: Durch den Verzicht etwa auf Eintritte konnten Personalkosten eingespart werden. Und das nie rentable Restaurant des Kunsthauses ist inzwischen einer kleineren Snacklounge gewichen. Vor allem aber der Kunsthandel hat dem Haus nicht nur Einnahmen, sondern auch ein langsam wachsendes Stammpublikum beschert. Aus einer mit rund 130 Werken doch eher kleinen Sammlung vor fünf Jahren hat Brogli mittlerweile einen beachtlichen Bestand von weit mehr als 2000 Gemälden und einigen Skulpturen geschaffen – und das Immobiliengeschäft zunehmend in den Hintergrund gestellt.

Hektische Zeiten

Rund zehn Mehrfamilienhäuser hat Brogli in den letzten Jahren verkauft und so etliche Millionen Franken in den Kauf von Kunstwerken investieren können. Noch immer sind neben dem Postfinance-Gebäude in Zofingen zahlreiche Einfamilienhäuser sowie einige Mehrfamilienhäuser und alte Villen im Besitz seiner Immobilienfirma. Insbesondere bei den Einfamilienhäusern will er den Verkauf aber weiter vorantreiben. Ein Entscheid, den er und seine Frau Rita vor rund drei Jahren gefällt hätten, erklärt Brogli. Und für den es zwei Gründe gebe.

Es sei zum einen die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt, die er mit Besorgnis verfolge; er verweist auf eine schier masslose Bautätigkeit der grossen Pensionskassen, die für alle anderen Player auf dem Markt bald einmal zum Problem werde. Vor allem aber hat sich Brogli auch über die eigene Zukunft Gedanken gemacht. Lange sei er davon ausgegangen, dass seine Kinder einmal ins Geschäft einsteigen würden, erklärt er. Längst erwachsen, hätten sowohl der Sohn als auch die Tochter mittlerweile aber klar gesagt: «Den Stress, den ihr euch angetan habt, werden wir uns nie antun.»

Ja, sie hätten ihre Immobilienunternehmung tatsächlich stets mit einer enormen Intensität betrieben. Brogli erzählt von rund 300 parallel laufenden Mietverträgen und stets mehreren Baustellen gleichzeitig, von defekten Heizungen zu Weihnachten oder verstopften Abflüssen am Wochenende. «Es war ein 7-Tage-und-24-Stunden-Job.»

Eine Leidenschaft

Wesentlich ruhiger wird es René Brogli auf dem Kunstmarkt zwar kaum angehen. Und auch eine vergleichbare Rentabilität erwarte er nicht. Jedoch: Eine Kapitalanlage und damit auch eine Altersvorsorge könne es durchaus werden. Zumal er Objekte wie das Kunsthaus oder den Bären Dürrenroth, in die er so viel investiert habe, ohnehin nie verkaufen könnte.

Kommt hinzu, dass aus der reinen Geldanlage längst auch eine Leidenschaft geworden ist. Seit rund drei Jahren hat sich Brogli nun tagtäglich mit Kunst befasst, sein Auge geschult und auch die persönlichen Vorlieben erweitert. Prägten anfangs fast ausschliesslich Berg- und Landschaftsbilder von Schweizer Malern seine Sammlung, sind es mittlerweile die verschiedensten Motive und Techniken in- und ausländischer Herkunft vom 16.Jahrhundert bis in die Gegenwart. Entscheidend sei sein Bauchgefühl – und die Qualität. Eine Auswahl von rund 100 teils hochkarätigen Werken soll vom 27. Februar bis zum 29.März Einblick geben in die Sammlung. «Wer ein bisschen eine Ahnung hat, wird staunen, da bin ich überzeugt», sagt Brogli selbstbewusst.

Und schon hat Brogli den nächsten grossen Einkauf aufgegleist: den Nachlass des 1999 verstorbenen Schweizer Malers, Grafikers und Zeichners Rudolf Häsler, dem er nach einer grossen Ausstellung 2016 im ehemaligen Restauranttrakt schliesslich sogar einen dauerhaften Pavillon einrichten will.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt