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Bordell-Chefin kämpft um ihr Puff

Trotz verschärfter Bewilligungspraxis für Prostituierte: Die Chefin des Bordells Chez Milou lässt sich nicht unterkriegen.

Dem Aarwanger «Chez Milou» stehen getrübte Festtage bevor. In Zeiten, wo das rot erleuchte-te Haus beim Bahnübergang sonst Hochkonjunktur feierte, herrscht nun Depression.

Businessplan für Sexarbeit

Was ist passiert? Im Oktober verschärfte der Kanton seine Bewilligungspraxis für osteuropäische Prostituierte: Sie erhalten nur noch eine Bewilligung, wenn sie beweisen können, dass sie selbstständig ihrem Gewerbe nachgehen. Damit seien die Frauen, so argumentiert der Kanton, besser geschützt – vor Gewalt und Zuhältern.

Diese Neuregelung bringt auch die Betreiberin des wohl bekanntesten Oberaargauer Puffs in Bedrängnis. «Meine Existenz ist bedroht», sagte Monica Mosimann (51) schon im November (wir berichteten). Daran hat sich auch nach einer Aussprache mit einer Vertreterin des zuständigen kantonalen Migrationsbüros nichts geändert. Neu brauchen die Prostituierten AHV-Karte, Mietvertrag, Krankenkassenbescheinigung und sogar – einen Businessplan.

Zur Vermieterin degradiert

Weil die meisten der Sexarbeiterinnen mangels Sprachkenntnissen all dies Papiere nicht allein beschaffen können, muss ihnen dennoch ihre «Puffmutter» helfen.

Vom lukrativen Liebeslohn bekommt sie dann aber nichts mehr. «Das ist doch ein Witz», klagt Mosimann. «So werde ich zur reinen Vermieterin degradiert – wenn jede meiner Frauen nun machen kann, was sie will, habe ich bald einen Zigeunerbetrieb.»

Beschwerde angekündigt

Mit dieser Kritik steht Monica Mosimann nicht alleine da. Auf einen BZ-Artikel, wo sie erstmals auf die neue Bewilligungspraxis und die Folgen aufmerksam machte, haben sich mehrere Betroffene aus der Branche bei ihr gemeldet. Wie Fritz Suter, der in Interlaken den «Club Elegance» betreibt. Er kritisiert die Neuregelung als «Schnellschuss», der die Situation der Prostituierten verschlechtere statt verbessere. «Die Behörden würden uns jeweils gescheiter miteinbeziehen. Denn wir könnten zu Lösungen beitragen, die auch praktikabel sind.»

Monica Mosimann kann dem nur beipflichten. Trotz der Verschlechterung für ihr «Chez Milou» in Aarwangen will sie die neuen Auflagen des Kantons vorerst erfüllen. Gleichzeitig kündigt sie aber eine Beschwerde beim Kanton an. «Ich gebe nicht so schnell auf», sagt die passionierte Puffmutter.

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