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Behörden besorgt – weitere Niederschläge angekündigt

Im oberen Emmental werden einen Tag nach dem Jahrhunderthochwasser die Aufräumarbeiten fortgesetzt. Derzeit werden die Flüssläufe von Geröll befreit. Von Samstag bis Sonntag ist mit erheblichen Regenfällen zu rechnen.

Unwetterschutz: Die Chiene in Reichenbach im Jahr 2007, kurz vor Abschluss der Arbeiten: Dank der Verbreiterung des Flussbetts und einer höheren Brücke liessen sich beim Unwetter vom 10.Oktober 2011 Schäden von geschätzten 8,5 Millionen Franken vermeiden.
Unwetterschutz: Die Chiene in Reichenbach im Jahr 2007, kurz vor Abschluss der Arbeiten: Dank der Verbreiterung des Flussbetts und einer höheren Brücke liessen sich beim Unwetter vom 10.Oktober 2011 Schäden von geschätzten 8,5 Millionen Franken vermeiden.
Rolf Neeser/zvg
Von der Mobiliar unterstützte Unwetterschutzmassnahmen.
Von der Mobiliar unterstützte Unwetterschutzmassnahmen.
Ganze Strassen wurden überflutet.
Ganze Strassen wurden überflutet.
Leserreporter
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In der Emmentaler Gemeinde Schangnau gehen nach dem verheerenden Hochwasser die Aufräumarbeiten weiter. Am Freitag waren die Einsatzkräfte vor allem bemüht, die Bachläufe von Geröll und Holz zu befreien. Damit will man sich auch gegen allfällige neue Gewitter wappnen.

Das Ausräumen der Bachläufe habe jetzt Priorität, sagte der Emmentaler Regierungsstatthalter Markus Grossenbacher auf Anfrage. Denn so wolle man verhindern, dass die Bäche wieder über die Ufer treten, falls es wieder stark regnen sollte.

Weiter Niederschläge angekündigt

Gemäss Wettervorhersage sei im Schadengebiet von Samstag bis Sonntag wieder mit erheblichen Regenfällen zu rechnen, teilten die Behörden am Freitagabend mit. Dies gebe zu einiger Besorgnis Anlass.

Die Einsatzkräfte hatten auch am Freitag mit Hochdruck daran gearbeitet, verschüttete Verkehrswege zu öffnen. Das Schadengebiet Bumbach ist vorläufig für den Allgemeinverkehr immer noch ab Schangnau gesperrt. Die Zufahrt ist nur für Einsatzkräfte und Einheimische möglich.

Die Wasser- und Stromversorgung sei gewährleistet, schreiben die Behörden weiter. Ebenso funktioniere die Kanalisation. Die betroffene Bevölkerung konnte zum Teil wieder in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren. Am Freitag wurden nach wie vor Keller ausgepumpt.

Für die beiden Holzbrücken in Schangnau beziehungsweise Eggiwil, die von den Fluten weggespült wurden, gebe es inzwischen eine Lösung, sagte Grossenbacher weiter. Die Armee werde zwei Notbrücken bauen und hierzu die Arbeitskräfte und die Geräte stellen. Die Gemeinde besorgt das Material und einen Ingenieur.

Das schwere Unwetter hatte am Donnerstagmorgen im oberen Emmental grossen Schaden angerichtet. Die Rede ist von Schäden in Millionenhöhe.

GVB: Mittelgrosses Ereignis

Die Gebäudeversicherung Bern (GVB) geht bei den Ereignissen im oberen Emmental von einem Schadenvolumen von rund 4 Millionen Franken aus. Es handle sich um ein mittelgrosses Schadenereignis, wie das Unternehmen auf Anfrage bekannt gab.

Für die Gebäudeversicherung selbst ist der Schaden verkraftbar, da sie nach eigenen Angaben über genügend hohe Rückstellungen verfügt. Die Ereignisse würden denn auch keine Prämienerhöhung nach sich ziehen.

Gemäss früheren Zahlen der GVB sind in den letzten Jahrzehnten die Elementarschäden markant angestiegen. In den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrtausends kam eine Schadensumme von rund 200 Millionen Franken zusammen, die Hälfte davon ging auf Überschwemmungen zurück.

Nach der Jahrtausendwende katapultierten vor allem Hochwasserereignisse wie jenes von 2005 die Schadensumme in die Höhe. In den ersten sieben Jahren des neuen Jahrtausends betrug die Schadensumme 732 Millionen Franken.

«In letzter Zeit hatten wir zum Glück deutlich ruhigere Jahre», schreibt die Gebäudeversicherung. Es könne den Kanton Bern aber jederzeit wieder treffen. Um Schäden weitgehend eindämmen zu können, sei unter anderem Prävention wichtig.

Dünn besiedeltes Gebiet

Der Berner Versicherer Mobiliar ist vom Unwetter im oberen Emmental nur sehr wenig betroffen, wie Mediensprecher Roger Baur sagte. Das habe auch damit zu tun, dass das betroffene Gebiet sehr dünn besiedelt ist.

Die heftigen Regenfälle davor, die über grössere Teile der Schweiz niedergingen, schlagen stärker zu Buche. Für die Unwettter vom 12. bis 14. Juli geht die Mobiliar von 700 Meldungen und einen Schaden von 5 Millionen Franken aus. Für die Regenperiode vom 20. bis 22. Juli liegen noch keine Hochrechnungen vor.

Auch für die emmental versicherung stellt das Unwetter in der Region Schangnau keine ausserordentlich grosse Belastung dar. Für die einzelnen Betroffen seien es selbstverständlich immense Schäden, erklärt Andreas Stucki, Leiter Versicherung und Geschäftsleitungsmitglied der emmental.

Die Genossenschaft selbst ist aber in einem solchen Fall durch den schweizerischen Elementarschaden-Pool abgesichert. Das bedeutet im Grunde, dass die Kosten aus Elementarschäden jeweils national an die Versicherer anteilsmässig übertragen werden.

Armee installiert Notbrücken

Für die beiden Holzbrücken in Schangnau beziehungsweise Eggiwil, die von den Fluten weggespült wurden, gebe es inzwischen eine Lösung, sagte Grossenbacher. Die Armee werde zwei Notbrücken erstellen und hierzu die Arbeitskräfte und die Geräte stellen. Die Gemeinde besorgt das Material und den Ingenieur.

Weiter gehe es zurzeit auch darum, den betroffenen Einwohnern zu helfen, damit sie wieder «einigermassen wohnen» können, sagte Grossenbacher weiter. Auch am Freitag waren die betroffenen Haus- und Hofbesitzer dabei, ihre Liegenschaften zu putzen und vom Schlamm zu befreien.

Er habe jedoch niemanden jammern gehört, sagte Grossenbacher weiter. Die Betroffenen machen sich nach dem heftigen Unwetter mit Ruhe an die Arbeit. Das sei «typisch Emmental», fügte Grossenbacher an.

Gleise der Brienz Rothorn Bahn beschädigt

Das Unwetter vom Donnerstagmorgen wütete nicht nur über dem Emmental, sondern auch im angrenzenden Berner Oberland. In Brienz verschüttete ein Murgang einen Teil der Strecke der Brienz Rothorn Bahn. Die Gleise wurden dabei zum Teil schwer beschädigt, wie das Unternehmen mitteilte. Die Dampfbahn verkehrt zurzeit nur bis zur Mittelstation.

Das Hochwasser in Teilen des Kantons Bern betrifft auch die Aare-Schifffahrt. In den nächsten Tagen werde viel Wasser durch den Nidau-Büren-Kanal aus dem Bielersee abgelassen, schreibt die Bielersee-Schifffahrts-Gesellschaft (BSG). Die Kursschiffahrt zwischen Biel und Solothurn bleibe am Wochenende eingestellt.

(SDA)

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