Bahnübergang: BLS friert Verhandlungen ein

Wiler

Mit der angekündigten Schliessung der Papierfabrik Utzenstorf ändert sich die Ausgangslage: Jetzt ist nicht mehr sicher, dass der Bahnübergang Frechterstrasse tatsächlich aufgehoben wird. Die BLS jedenfalls legt die Einsprache­verhandlungen auf Eis.

Wird die Barriere an der Frechterstrasse auch in Zukunft auf- und zugehen? Noch ist nichts entschieden.

Wird die Barriere an der Frechterstrasse auch in Zukunft auf- und zugehen? Noch ist nichts entschieden.

(Bild: top)

Eigentlich schien alles klar: Die BLS will den Bahnübergang Frechterstrasse in Wiler schliessen. Sehr zum Unmut von Gemeinderat, Anwohnern und betroffenen Landeigentümern. Insgesamt vierzehn Einsprachen gingen bis Anfang März gegen das Projekt beim zuständigen Bundesamt für Verkehr (BAV) ein, acht Einsprecher kritisierten eben die Aufhebung des Übergangs.

Die BLS nahm die Verhandlungen mit ihnen auf, machte aber wenig Hoffnung, dass die Schliessung ab­zuwenden sei. Sie sei aus Sicherheitsgründen nötig, hiess es. Denn wegen neuer Abläufe von Rangierarbeiten im Bereich der Papierfabrik Utzenstorf würden Güterwagen künftig längere Zeit beim Bahnübergang abgestellt, wo sie den Verkehr der Personenzüge nicht mehr beeinträchtigten.

Plötzlich ein Fragezeichen

Und jetzt das: Die BLS hat die Einspracheverhandlungen auf Eis gelegt. Plötzlich wird hinter die drohende Aufhebung des Bahnübergangs ein Fragezeichen gesetzt. Dies berichtete der Radiosender Neo 1 und bestätigt BLS-Mediensprecherin Helene Soltermann auf Anfrage dieser Zeitung. Grund für den Stopp sind die schlechten Nachrichten aus der Papierfabrik: Die Firmenführung hatte bekanntlich vor gut einem Monat mitgeteilt, dass die «Papieri» Ende Jahr ihre Produktion einstellt und der Standort im unteren Emmental geschlossen wird. «Die Rahmenbedingungen haben sich damit geändert. Wir werden nun intern und in Zusammenarbeit mit der Papierfabrik und der Gemeinde abklären, wie es weitergeht», sagt Soltermann. Auch mit dem BAV, das letztlich über das Projekt entscheidet, werde man in Kontakt treten.

Alles ist offen

Ursprünglich sehen die Pläne der BLS eine Streckensanierung durch das ganze Gemeindegebiet, die Verbesserung im Ablauf des Gütertransports sowie die Modernisierung des Bahnhofes vor. Total 23 Millionen Franken will die BLS in Wiler investieren. Die Schliessung des Bahnübergangs ist nur ein Teilaspekt des Millionenprojekts.

Der Umbau des Bahnhofes sei unbestritten, weil damit die Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes erfüllt würden, betont Helene Soltermann. Die Frage sei nun, wie es beim Güterverkehr aussehe. Ob das Projekt abgeändert wird, wenn ja wie und ob der Bahnübergang am Ende doch nicht geschlossen wird, ist laut der BLS-Mediensprecherin zum jetzigen Zeitpunkt offen. Es hängt letztlich auch mit der Frage zusammen, wie das «Papieri»-Areal künftig genutzt werden wird.

Gemeinde wartet ab

Dass der Bahnübergang an der Frechterstrasse offen bleibt, dafür setzt sich der Wiler Gemeinderat schon seit Bekanntwerden der BLS-Pläne im letzten Jahr ein. Er gehört zu den Einsprechenden. Die Schliessung sei nicht zu Ende gedacht, lautet der Vorwurf. Der Rat kritisiert unter anderem die Anforderungen an die Gleisanlagen von SBB Cargo. Weiter befürchtet er, dass sich das landwirtschaftliche Gebiet wegen der Strasse, die verlegt werde müsste, massgeblich verändere.

«Der Umbau des Bahnhofes ist un­bestritten. Die  Frage ist nun, wie es beim Güterverkehr  aussieht.»Helene SoltermannMediensprecherin BLS

Und er sorgt sich um die Kinder, die die jetzige Strasse und den Bahnübergang als Schulweg nutzen. Diese Argumente haben nichts mit der Schliessung der Papierfabrik zu tun und bleiben auch nach der Hiobsbotschaft dieselben. Die Gemeinde hält an der Einsprache fest, wie bei der Verwaltung auf Anfrage zu er­fahren war. Es gelte nun abzuwarten, was die BLS bei der Überarbeitung des Projekts mache.

Auch der von der Schliessung des Bahnübergangs direkt be­troffene Landwirt Thomas Allemann will seine Einsprache aufrechterhalten. Er ärgert sich nach wie vor über die BLS, möchte sich aber zum Thema nicht mehr äussern.

Berner Zeitung

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