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«Amüsant – weil man die Leute kennt»

Der Kino-Dokumentarfilm «Herz im Emmental» erntete von Fachleuten einige Kritik. Doch was halten die Einheimischen vom Streifen? Ein Besuch in der Kupferschmiede.

Markus Zahno
Shakra, die Hardrockband um den Truber Thom Blunier, spielt im Dokumentarfilm «Herz im Emmental» eine Hauptrolle.
Shakra, die Hardrockband um den Truber Thom Blunier, spielt im Dokumentarfilm «Herz im Emmental» eine Hauptrolle.

Die Schlange vor der Kinokasse ist beträchtlich – wie an jedem der sechs Abende, an denen der Film «Herz im Emmental» bisher im Kino in der Langnauer Kupferschmiede lief. Auch Beate Klaedtke hat sich eingereiht, zusammen mit ihrem Sohn und einer befreundeten Familie. Sie arbeitet als Lehrerin in Trub und hat mitbekommen, dass eine Szene mit Thom Blunier im Singsaal des Truber Schulhauses gedreht wurde. Nun wolle sie natürlich sehen, was daraus geworden sei – und ob die negative Kritik in der Zeitung wirklich stimme.

Ja, das «Herz im Emmental» musste mehrfach Kritik einstecken. Der Dokumentarfilm von Bernhard Giger und Bänz Friedli langweile «mit weitgehend spannungslosen Aussagen», schrieb beispielsweise «20 Minuten», er sei «trocken wie ein Stück Zwieback», doppelte die Berner Zeitung nach, während «Der Bund» fand, der Film schaffe es, «den bekannten Klischees ein differenziertes und gültiges Emmentalbild entgegenzustellen».

Töfflifrisieren in Trub

Ein Dutzend Emmentalerinnen und Emmentaler erzählen auf der Leinwand aus dem Leben in ihrer Heimat. Von der Jungköchin Barbara Wüthrich bis zum Kranzschwinger Matthias Siegenthaler, von den Heiniger-Brüdern Tinu (Liedermacher) und Ueli (Fernsehmoderator) bis Thom Blunier, dem Gründer der Hardrockband Shakra. Dieser berichtet, wie er als Giel das Töffli frisiert und einen versteckten Schalter eingebaut habe, mit dem sich der Motor lahmlegen liess. Ausgerechnet immer dann, wenn der Polizist das Töffli habe kontrollieren wollen, sei nichts mehr gegangen. «So musste ich komischerweise nie eine Busse zahlen.» Die Leute in den Kinosesseln lachen, und Lehrerin Beate Klaedtke zieht am Schluss eine positive Bilanz zu diesem Film, der amüsant und unterhaltsam sei – «vor allem dort, wo man die Leute kennt». Auch Begleiterin Myrtha Krähenbühl (16) findet, die Vielfalt des Emmentals sei «gut rübergekommen». Für Auswärtige, die die Porträtierten nicht kennen, sei der Film aber womöglich weniger interessant.

Der Wiedererkennungswert scheint beim Publikum in der Kupferschmiede tatsächlich das grösste Plus zu sein. Die beiden Truber Matthias Siegenthaler oder Thom Blunier im Kino zu sehen, sei schon speziell, sagt etwa Reto Wüthrich (32), ebenfalls in Trub aufgewachsen und heute in Langnau wohnhaft. Abgesehen davon gefalle ihm die Shakra-Musik, die den Film untermale. Derweil wäre es Ursula und Klaus Läderach recht gewesen, «ein bisschen weniger Shakra und ein bisschen mehr Tinu Heiniger zu hören». Zudem vermisste das pensionierte Ehepaar aus Münsingen, das oft im Emmental wandert und Velo fährt, im Film eine Bauernfamilie, die an einem richtig abgelegen Ort lebe. «Aber die Aufmachung war echt gut.»

Arbeitskampf in Eriswil

Die beiden Kolleginnen Christine Nyfeler und Ursula Hofstetter gehen zufrieden aus dem Kino. Sie arbeiten in ihrer Freizeit beide für die SCL Tigers – im Speakerhäuschen respektive im Fanshop –, in Erinnerung behalten werden sie aber nicht nur die Hockeyszenen. Sondern auch, wie die 78-jährige Ida Heiniger im Film von den Eriswiler Heimarbeiterinnen erzählt. Bis 1943 strickten sie für nur 10 Rappen pro Stunde, der Lohn für einen ganzen Tag Arbeit reichte kaum für eine Tasse Kaffee. Dann nahmen sie all ihren Mut zusammen, versammelten sich und forderten mehr Lohn. Die Textilbarone setzten zwar Gegendruck auf. Doch auch dank der Unterstützung der Gewerkschaften und der Zeitung «Die Nation», die immer und immer wieder über den Arbeitskampf berichtete, setzten sich die Heimarbeiterinnen durch. Ihr Stundenlohn wurde auf 80 Rappen erhöht. «Auch das ist eine Seite des Emmentals», sagt Christine Nyfeler.

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