Als in der Stadt noch Flieger landeten

Burgdorf

Am 30.März 1913 landete der Schweizer Flugpionier Oskar Bider auf dem Gsteig. Der ehemalige Militärpilot Rudolf Laeng hat den Flugtag in Burgdorf auf seiner Homepage mit historischen Bildern dokumentiert.

Mit seiner zweiplätzigen Blériot XI-b landete der Schweizer Flugpionier Oskar Bider im Frühjahr 1913 auf dem Gsteig in Burgdorf.

Mit seiner zweiplätzigen Blériot XI-b landete der Schweizer Flugpionier Oskar Bider im Frühjahr 1913 auf dem Gsteig in Burgdorf.

(Bild: Archiv Rudolf Laeng)

«Nein, nein», sagt Rudolf Laeng, «auf dem Gsteig gab es keinen Flugplatz. Für die Landung von Bider hatte ein Bauer nur eine Wiese gemäht, mehr nicht.» Das war am Sonntag, 30.März 1913. Die halbe Stadt Burgdorf war auf den Beinen. Zwischen Höhenweg und Weissensteinstrasse wurde für die Landung des Schweizer Flugpioniers Oskar Bider ein Flugfeld abgesteckt. «Ein Flugkomitee unter der Leitung von Hauptmann Guggisberg sorgte für einen reibungslosen Ablauf», erzählt Rudolf Laeng, als wäre es gestern gewesen. Freilich hat er diesen Flugtag vor über 100 Jahren nicht selbst erlebt. Sein Vater Fritz, der in Burgdorf ein Radiogeschäft führte, hat ihm die Geschichte detailliert geschildert.

Unzufriedene Burgdorfer

Der Flugtag wurde zu einem finanziellen Erfolg. 5000 Franken kamen allein an diesem Sonntag für den Fonds zugunsten der schweizerischen Militäraviatik zusammen. Das Eintrittsbillett kostete 50 Cents. Darauf war neben dem Eintrittspreis auch die Vorschrift vermerkt: «Es ist verboten, das Flugfeld zu betreten.» Aber auch die «1. Flugpost Burgdorf–Bern» trug zur Äufnung des Fonds bei. Wer Oskar Bider in seiner zweiplätzigen Blériot XI-b einen Brief nach Bern mitgeben wollte, musste zuerst in einem mobilen «Flugpost-Bureau» Flugspendemarken zu je 50 Cents kaufen und den Brief abstempeln lassen. Einer dieser heute noch vorhandenen Briefe war adressiert an Oscar Uhlmann, Bahnhofstrasse, Burgdorf.

Am Sonntagabend des 30.März 1913 machte sich aber auch Unmut breit. «Als der Apparat mit Bider gegen Abend mit der aufgegebenen Post Richtung Bern entschwand, waren die Burgdorfer nicht zufrieden. Passagierflüge hatten nach Langenthal geführt, wo Bider die meiste Zeit des hiesigen Flugtages zubrachte. In Burgdorf fand ein einziger Passagierflug von fünf Minuten Dauer mit Hauptmann Guggisberg statt. Zum Leidwesen der angemeldeten Herren Della Casa und Kunstmaler Max Buri wollte Bider keine weiteren Flüge mehr machen.» Diese Anekdote hat der 79-jährige Rudolf Laeng im Burgdorfer Jahrbuch nachgelesen.

Bereits ein Jahr später wurde Burgdorf wieder von einem Flugpionier besucht. Am 12.Juli 1914 landete der Franzose Etienne Poulet auf der Schützenmatte. Er war mit 16,5 Stunden der Inhaber des Weltrekordes für Dauerflüge. Bei seiner verspäteten Ankunft misslang ihm allerdings die Landung wegen zu starken Rückenwindes. Von diesem Ereignis berichtete das «Burgdorfer Tagblatt»: «Die ersten, zum Glück unbesetzten Bankreihen bei der Reithalle nahmen Schaden und der Propeller ging in Brüche. Bis zwei Mechaniker per Bahn eine neue Luftschraube herbeibrachten, bestaunten alle den jungen Flieger und seine Maschine. Auf seine Sturzflüge mussten die Zuschauer freilich verzichten, da es Abend geworden war.»

Flugbegeisterte Jugend

Von den Landungen der Flugpioniere motiviert, konstruierten drei junge Burgdorfer Männer ein Flugzeug. Als Basis diente ein Fahrrad. «Dieses Flugzeug sah nicht gerade vertrauenswürdig aus. Die Flügel mussten mit Stecken unterstützt werden. Aber die Begeisterung für Neues war da», beschreibt Rudolf Laeng ein Foto aus dem Jahr 1916. Einer dieser Flugbegeisterten war sein Vater Fritz. Die anderen Konstrukteure waren Simon Aeschimann und Ernst von Arx. Zu einem Jungfernflug dürfte es jedoch nicht gekommen sein.

Gut 40 Jahre nach der Landung Biders in Burgdorf sass Rudolf Laeng selbst am Steuerknüppel. In Payerne hat er die Pilotenrekrutenschule absolviert, danach die Pilotenschule in Magadino und Emmen. Erst steuerte er eine Bücker, dann eine Morane D-3800/01, später den Vampire. Der Pilot schulte danach auf Helikopter um. «Ich war bei den ersten Milizpiloten, die Helikopter fliegen durften», betont Laeng. Er, der die Alouettes II und III flog, gehörte den Fliegerstaffeln 7, 14 und der leichten Fliegerstaffel 5 an. Bis 1985 leistete er Dienst bei der Luftwaffe.

Berner Zeitung

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