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Alkis wissen, wohin sie wollen

Bei der Burgdorfer Velostation steht ein Schopf leer. Die Alki-Szene möchte die Hütte als Treffpunkt nutzen und selber verwalten.

«Mehr brauchen wir nicht»: Hanspeter Honegger.
«Mehr brauchen wir nicht»: Hanspeter Honegger.
Johannes Hofstetter

«Sie sind hier nicht mehr erwünscht»: Dies teilte Jocelyne Aeschlimann, die Leiterin der Burgdorfer Sicherheitsdirektion, der Alki-Szene bei der Bahnhofunterführung am Donnerstag im Beisein eines Stadtpolizisten mit. Kurz zuvor hatte der Gemeinderat beschlossen, die Süchtigen aus der Innenstadt zu vertreiben, weil sich «Passanten, Geschäftsinhaber und Kundinnen durch die Szene immer stärker belästigt» fühlten. Der Liegenschaftsdienst sei damit beauftragt, «möglichst rasch» einen abseits des Bahnhofquartiers liegenden «Unterstand ohne jeden Komfort» zu evaluieren, sagte Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch (SP).

Lösung bis Ende Woche

Sechs Tage nach der Wegweisung ist die Standortfrage weiterhin unklar. Laut der für das Sozialwesen zuständigen Gemeinderätin Annette Wisler Albrecht (SP) wollen die Verantwortlichen «bis Ende Woche» eine Lösung präsentieren.

Die Alkoholiker nehmen den Verweis gelassen: Auch gestern war der Platz mit Szenegängern besetzt. Doch seit dem Besuch aus der Sicherheitsdirektion haben sich die Leute Gedanken über einen neuen Treffpunkt gemacht. Ein alter Schopf bei der Velostation wäre «ideal», sagte Szenesprecher Hanspeter Honegger am Montag in einem «Schweiz aktuell»-Beitrag des Schweizer Fernsehens, der das Burgdorfer Alki-Problem minutenlang zu einer Angelegenheit des nationalen Interesses machte. Wem das Häuschen gehört, ist unklar. Die Baudirektion macht keine verbindlichen Angaben. Ungeachtet der Eigentumsverhältnisse steht für Honegger fest: «Die Hütte liegt abseits der Geschäfte und Wohnhäuser; da stören wir niemanden», sagte er gestern bei einem Augenschein. In der Baracke stehen Tische und Stühle; eine Toilette ist vorhanden. «Mehr brauchen wir nicht.»

«Wir»: Das sind für den Sozialhilfeempfänger nicht alle Alkis auf dem Rondell. Unter «wir» versteht der Burgdorfer «den harten Kern». Auf Alk-Touristen könne die Szene verzichten. In diesem Punkt ist Honegger einer Meinung mit dem Gemeinderat. Denn diesen stört primär die Tatsache, dass Burgdorf «zum regionalen Anziehungspunkt für Süchtige aus der ganzen Region» avancierte, nachdem die Stadt den Alkis das Rondell überlassen hatte.

«Zu teuer» für Auswärtige

Mit einem «Badge für Einheimische» könnten Fremde von dem Häuschen im Grünen ferngehalten werden, glaubt Honegger. Wer ohne Ausweis hineinwolle, müsste «einen Fünfliber bezahlen». Das sei für Sozialhilfebezüger «viel zu teuer». Die Fahrt in die Emmestadt würde sich für Auswärtige nicht mehr lohnen.

Selbst verwaltet

«Ich könnte den Leuten im Schopf günstig Alkohol verkaufen. Den Gewinn investiere ich in die Infrastruktur der Baracke», versichert Honegger. Diese Verantwortung übernähme er «noch so gerne». Den Job in der Velostation müsste er jedoch aufgeben: «Ich kann nicht an zwei Stellen gleichzeitig sein.»

Für Gemeinderätin Annette Wisler Albrecht klingt der Vorschlag «interessant». Hinter die Finanzierung, den Unterhalt und die Frage der Selbstverwaltung setze sie aber «noch einige Fragezeichen», sagt sie.

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