Ärger wegen des langsamen Internets

Attiswil

Wer im 1300-Seelen-Dorf Attiswil einen Internetanschluss bei der Swisscom hat, braucht Geduld: Die Datenübertragung ist viel langsamer als in den meisten umliegenden Orten. Jetzt hat sich sogar der Gemeinderat beschwert.

Nervige Warterei: Wenn Peter Zysset in seinem Heimbüro viele Daten aus dem Internet herunterlädt, bleibt oft sogar Zeit, um einen Kaffee zu trinken. Schmecken will er dem Mathematiker aber nicht so recht.

Nervige Warterei: Wenn Peter Zysset in seinem Heimbüro viele Daten aus dem Internet herunterlädt, bleibt oft sogar Zeit, um einen Kaffee zu trinken. Schmecken will er dem Mathematiker aber nicht so recht.

(Bild: Thomas Peter)

Stefan Aerni

Als Peter Zysset kürzlich eine grössere Datei im Internet herunterladen wollte, brauchte er wieder einmal Nerven. Lange 18 Minuten dauerte es, bis die 16,8 Megabit auf dem Bildschirm erschienen. «Das ist eine Zumutung», ärgert sich Zysset. Seit Jahren ist der 54-jährige Attiswiler treuer Kunde bei der Swisscom, hat einen ADSL-Internetanschluss für monatlich 49 Franken. Doch mit der Gegenleistung ist Zysset schon länger nicht mehr zufrieden. «Mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von knapp 2 Megabit pro Sekunde hinkt die Swisscom der Konkurrenz weit hinterher», erklärt der versierte Nutzer.

Schnelle Verbindung wichtig

Für Peter Zysset ist dies sehr wohl von Bedeutung. Denn als Mathematikprofessor an der Fachhochschule in Brugg AG arbeitet er viel von zu Hause aus: Er verschickt Prüfungslösungen mit Bildern und Grafiken an seine Studierenden, koordiniert mit seinen Lehrerkollegen Stundenpläne und bereitet natürlich auch seine Lektionen am Bildschirm vor. Daneben ist Zysset noch SP-Gemeinderat, Schulpräsident und Stiftungsrat der Heilpädagogischen Schule Oberaargau. «Ich bin darauf angewiesen, dass ich meine Aufgaben effizient in meinem privaten Büro erledigen kann», sagt der viel beschäftigte Mann.

Peter Zysset beschwerte sich deshalb bei der Swisscom: Ein Downloadspeed von 2 Megabit pro Sekunde sei heute «nicht mehr akzeptabel», schrieb er in einer E-Mail. Und er erhielt auch eine Antwort, allerdings eine kaum befriedigende: Die Swisscom prüfe gegenwärtig, ob in einigen Schweizer Gemeinden eine neuere glasfiberbasierte Technologie eingesetzt werden könne, die noch höhere Bandbreiten erlaube, als bisher mit dem Standard VDSL (Very High Data Rate Digital Subscriber Line) möglich gewesen sei. Auch in Attiswil sei diese neue Technologie vorgesehen. Weil sie unterirdisch verbaut werden müsse, verzögere sich der Breitbandausbau jedoch auf einen noch unbestimmten Zeitpunkt.

Blosse Hinhalte-Taktik?

«Das ist doch bloss eine Vertröstungs- und Hinhaltetaktik», vermutet Zysset. Mit seinem Ärger ist er nicht allein in Attiswil. Im Ostteil des Jura-Dorfes kämpfen nahezu sämtliche Swisscom-Kunden mit dem Schneckeninternet. Deshalb beschäftigt sich inzwischen auch der Gemeinderat mit dem Problem. Er ist ebenfalls mit einem Schreiben beim Telekommunikationsriesen vorstellig geworden. «Eine schnelle Datenautobahn wird schliesslich immer wichtiger», begründet Gemeindepräsident Daniel Zumstein (SVP) den Schritt. «Sie gehört zu den Dienstleistungen, die heutzutage Neuzuzüger und Firmen von einer Gemeinde verlangen.» Demnächst soll das Thema Swisscom im Gemeinderat wieder traktandiert werden. «Es ist wichtig, dass hier etwas geschieht», so Zumstein.

Das Problem der langsamen Datenleitung in Attiswil ist der Swisscom bekannt. Der Beginn des Ausbaus mit der neuen Technologie sei für Ende dieses Jahres geplant, erklärt Mediensprecherin Annina Merk. Aus wirtschaftlichen Gründen sei es jedoch nicht möglich, in der ganzen Schweiz gleichzeitig zu bauen. «Und wann Attiswil erschlossen wird», räumt die Sprecherin ein «steht heute noch nicht fest.»

Geduld verloren

Wann auch immer Attiswil den Anschluss an die Datenautobahn erhält – für Peter Zysset kommt er zu spät. Er hat diese Woche einen Vertrag mit dem Internetprovider Quickline unterschrieben. «Der ist hundertmal schneller als die Swisscom», rechnet der Mathematikprofessor vor.

Berner Zeitung

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