Abschied nehmen fällt ihm schwer

Langenthal

Nach 27 Jahren verlässt Marcel Lanz das städtische Alterszentrum Haslibrunnen. Der 52-jährige Zentrumsleiter findet, es sei ein guter Zeitpunkt für eine berufliche Neuorientierung. Der Abschied von «seinen» Bewohnern und Mitarbeitenden ist jedoch schwierig.

Marcel Lanz im Kreise «seiner» Bewohner: Der 52-Jährige hat 27 Jahre lang das Alterszentrum Haslibrunnen in Langenthal geführt. «Dabei stand die Beziehung zu unseren Bewohnerinnen und Bewohnern immer im Zentrum unseres Tuns», sagt der scheidende Leiter.

Marcel Lanz im Kreise «seiner» Bewohner: Der 52-Jährige hat 27 Jahre lang das Alterszentrum Haslibrunnen in Langenthal geführt. «Dabei stand die Beziehung zu unseren Bewohnerinnen und Bewohnern immer im Zentrum unseres Tuns», sagt der scheidende Leiter.

(Bild: Thomas Peter)

Tobias Granwehr

«Ich habe das Alterszentrum Haslibrunnen nicht allein geleitet», sagt Marcel Lanz gleich zu Beginn des Gesprächs. 24 Jahre lang gehörte auch seine Frau Margrit zur Zentrumsleitung. «Zudem hatte ich ein tolles Team an meiner Seite.» Dass er diesen Umstand zuerst hervorhebt, bevor er über das Ende seiner Zeit als Zentrumsleiter sprechen möchte, zeigt: Lanz zieht es nicht auf die grosse Bühne.

Auch nicht, wenn er nach 27 Jahren die Führung des Alterszentrums abgibt. Offiziell trägt er noch bis Ende Jahr die Verantwortung, bezieht jetzt aber noch Ferien und hat deshalb seinen letzten Arbeitstag bereits hinter sich. Morgen gibt es im Haslibrunnen noch eine kleine Abschiedsfeier. «Ich habe mir gewünscht, dass es keine grosse Sache wird», sagt er.

Etwas Neues anpacken

Seine Frau Margrit gab ihre Stelle schon etwas früher auf, jetzt endet die Ära Lanz im Haslibrunnen also ganz. «Ich bin in einem Alter, in dem ich mir Gedanken mache, was ich noch tun will», sagt der 52-Jährige. Für ihn gab es zwei Varianten: entweder bis zur Pension das Haslibrunnen führen – oder noch einmal etwas Neues anpacken. «Nach langer Überlegungszeit habe ich entschieden, mich beruflich neu zu orientieren.» Allerdings will Lanz jetzt zuerst einmal eine Auszeit nehmen – «um richtig loszulassen», wie er sagt.

Denn leicht fällt ihm der Abschied vom Alterszentrum nicht. Im Gegenteil: Wenn Lanz über die Kontakte zu den Bewohnerinnen und Bewohnern spricht sowie über die Zusammenarbeit mit seinen Mitarbeitenden, spürt man, mit wie viel Herzblut er im Haslibrunnen tätig war. «Es enden viele langjährige Arbeitsbeziehungen», sagt Lanz. Adrian Vonrüti, Vorsteher des für das Alterszentrum verantwortlichen Sozialamtes, sei mehr als ein Vorgesetzter, er sei auch ein guter Freund. «Mit den zuständigen Gemeinderäten hatten wir in all den Jahren ebenfalls Glück. Sie sind immer für unsere Anliegen eingestanden.»

Um loszulassen, will Lanz dem Haslibrunnen bewusst eine Zeit lang fernbleiben. Er wolle damit den Bewohnern, den Mitarbeitenden und sich selber den Abschied leichter machen. Gleichzeitig ist es ihm wichtig, dass es einen angenehmen Übergang zu seinem Nachfolger Hansjörg Lüthi gibt. Dieser tritt die Stelle erst im März 2014 an. Bis dahin leitet die langjährige Stellvertreterin Sonja Jordi zusammen mit dem Kader den Betrieb.

Länger selbstständig bleiben

Nach fast drei Jahrzehnten in der Alterspflege sagt Lanz: «Die Politik ist heute unberechenbarer als früher. Das macht unsere Aufgabe nicht einfacher.» In den ersten Jahren als Zentrumsleiter sei der politische Wandel nicht so gross gewesen. Gestützt auf die aktuelle Pflegebettenplanung sei heute wichtig, dass die Leute möglichst lange selbstständig wohnen können. «Der Vernetzung des stationären Wohnens im Alterszentrum mit dem in angegliederten Wohnungen gehört die Zukunft.» Dabei verweist er auf die vor wenigen Jahren geschaffenen Seniorenwohnungen an der St.Urbanstrasse, unmittelbar neben dem Haslibrunnen.

Augenfällig sei die Zunahme von Eintritten mit demenziellen Erkrankungen. In diesem Bereich der Alterspflege ortet Lanz am meisten Nachholbedarf. «In der Region fehlen dringend Plätze für Demenzkranke.» Diesem Umstand muss laut Lanz in der Alterspflege vermehrt Rechnung getragen werden. Eben auch mit neuen Demenzwohn- und Betreuungsformen.

Ein wichtiges Thema in einem Alterszentrum ist das Sterben. «Wir haben im Haslibrunnen eine intensive Abschiedskultur gelebt», sagt Lanz. Es sei wichtig, dass die Sterbenden und die Angehörigen, allenfalls unter Beizug von Fachleuten, darüber reden könnten. «Wir haben diesem Thema viel Gewicht gegeben und viel darin investiert», sagt er. Auch wenn Todesfälle zur Alterspflege gehören würden – Routine geworden seien diese nie. Im Gegenteil: «Todesfälle berühren mich nach wie vor, ja sogar tiefer. Vielleicht hat das auch mit dem eigenen Älterwerden zu tun.»

Ausgliederung und Ausbau

Das Haslibrunnen wird sich in den kommenden Jahren stark verändern. Das städtische Alterszentrum soll in eine Aktiengesellschaft ausgegliedert werden, zudem läuft bereits die Planung für einen Ausbau um 99 Betten. «Dass das Alterszentrum ausgegliedert wird, ist nicht der Grund für meinen Weggang», sagt Lanz. «Den Status quo beizubehalten, wäre die schlechtere Option als die nun angestossene Ausgliederung.»

Die Krux liege dann natürlich im Detail der Vorlage, über die das Stimmvolk voraussichtlich Mitte 2015 abstimmen wird. Auch hinter dem ausgewählten Siegerprojekt für den Ausbau des Haslibrunnens stehe er voll und ganz. «Für diese Projekte gibt es noch viele Vorarbeiten zu erledigen.» Der neue Zentrumsleiter habe jetzt Zeit, daran zu arbeiten – und danach in eine neue Ära aufzubrechen.

Mehr Zeit für die Familie

Lanz selbst hat noch keine konkreten Zukunftspläne. Er habe schon einige Ideen. Doch er wolle sich bewusst Zeit lassen, bevor er sich schon wieder mit Arbeit eindecke. «Zuerst will ich mein berufliches Umfeld sichern, dann schaue ich, was daneben noch Platz hat.» Was in seinem Leben auf jeden Fall mehr Platz erhalten soll, ist seine Familie.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...