Zwischen Irrungen und Wirrungen

Der Theaterverein Szenerie hält, was er im Programmheft zur neusten Produktion verspricht. Das historische Schauspiel aus der Feder des Burgdorfers Hans Herrmann ist informativ, inspirierend und kurzweilig.

Weltreisender Heinrich Schiffmann (zweiter von links) und Bierbrauer Max Christen (rechts) bereiten der Damenrunde Freude und Kummer.

Weltreisender Heinrich Schiffmann (zweiter von links) und Bierbrauer Max Christen (rechts) bereiten der Damenrunde Freude und Kummer. Bild: Hans Wüthrich

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Die japanische Teekanne noch drei Millimeter nach rechts, die afrikanische Maske bitte ein My weiter nach links. Das Publikum im Burgdorfer Gasthaus schaut amüsiert zu, wie der weit gereiste Heinrich Schiffmann (René Zaugg) seinen Diener (Werner Niederhauser) hin und her dirigiert. Nebenbei erfährt der Zuschauer, woher die Stücke in Schiffmanns zu einem privaten «Raritätenkabinett» umfunktionierten Wohnzimmer stammen.

Die aktuelle Produktion des Vereins Szenerie Burgdorf dient somit nicht bloss der Unterhaltung, sondern auch der völkerkundlichen Weiterbildung. Das ist wenig erstaunlich, wenn man bedenkt, aus wessen Feder das Stück stammt. Der Burgdorfer Hans Herrmann hat es geschrieben. Er, der jahrelang als Redaktor der Berner Zeitung gearbeitet hat und heute Co-Chefredaktor der Zeitschrift «reformiert» ist, hat sich nicht damit begnügt, ein bloss lustiges Stück zu schreiben.

Ein Frauenheld weckt Mordgedanken

Doch es gibt viel zu lachen. Denn Schiffmann erhält Besuch von einem erfolgreichen und entsprechend protzigen unsympathischen Bierbrauer (Markus Zahno), über dessen Witze keiner so laut und ausgedehnt lacht wie er selber. Dass er die Finger nicht lassen kann von Ruth Schoch (Nadja Noldin), ehrt das stets dümmlich lächelnde leicht beeinflussbare Fräulein, weckt aber in der eifersüchtigen Ehefrau (Yolanda Brand) Mordgedanken. Derweil hängt eine weitere Besucherin (Andrea Friedli) Schiffmann an den Lippen, wenn dieser seine Sammlerstücke erklärt, während sich im Hintergrund eine unfreundliche Spannung aufbaut.

Nun entwickelt sich die Geschichte aber nicht etwa zu einem profanen Krimi, vielmehr kommt auf einmal ein mystischer japanischer Meister ins Spiel. Unter der Regie von Cornelia Leuenberger gelingt es der Truppe mit minimalem Aufwand, in die andere Welt zu wechseln, ohne den Erzählfluss zu unterbrechen. Und auf einmal sieht sich das Publikum mit der Frage nach der eigenen Ehrlichkeit und Wahrheit konfrontiert.

Ein Stück Burgdorf

Im historischen Schauspiel «Schiffmann» erleben die Zuschauerinnen und Zuschauer ein Stück Burgdorfer Geschichte. Schon beim Betreten des Saales werden sie zurückversetzt in die Anfänge des letzten Jahrhunderts. Denn nicht nur das Stück spielt im Mai 1902, sondern auch der Landhaussaal, in dem es aufgeführt wird, entstand in jener Zeit. Mit «Schiffmann» erinnert Herrmann an eine Persönlichkeit, der Burgdorf viel zu verdanken hat. Als Stiefsohn des Käsehändlers Ferdinand Roth hielt es den reichen Erben nicht in Burgdorf, vielmehr zog es ihn immer wieder in die weite Welt. Denn er war fasziniert von den Mysterien fremder Völker.

Später vermachte er dem Gymnasium Burgdorf seine völkerkundliche Sammlung, in der Hoffnung, damit andere mit seinem Reisevirus anstecken zu können. Als einer, der die technischen Errungenschaften liebte, gehörte er auch zu den ersten, die in Burgdorf ein Automobil besassen – und einen Projektionsapparat. Dank einem solchen tut auch das Publikum im Landhaussaal mit Schiffmanns Gästen einen Blick in die weite Welt.

Im Programmheft steht, der Verein Szenerie biete Informatives, Inspirierendes und Kurzweiliges. Das ist nicht zu viel versprochen.

Die nächsten Aufführungen: Freitag, 16. und Samstag, 17.Mai um 20 Uhr und Sonntag, 18.Mai um 17.30 Uhr. Reservation Tourist Office Bahnhof Burgdorf (058 3275092) oder Buchhandlung am Kronenplatz (034 4222175). (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.05.2014, 07:49 Uhr

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