Zwillingsorte: Kirchberg gibt es nicht nur im Emmental

Kirchberg

Kirchberg ist nicht gleich Kirchberg. Dennoch haben die reformierte Gemeinde im Emmental und ihr katholischer Zwillingsort im Kanton St.Gallen vieles gemeinsam. Einmal gab es sogar eine Begegnung auf hoher politischer Ebene.

  • loading indicator
Johannes Hofstetter

Knapp drei Bahn- und Busstunden liegen zwischen Kirchberg an der Emme und Kirchberg im Kanton St. Gallen. Trotz dieser Distanz haben die Gemeinden mehr Verbindendes als Trennendes.

Sowohl im reformierten Kirchberg BE als auch im katholischen Kirchberg SG besetzen die Gotteshäuser zentrale Plätze. Im bernischen Kirchberg überragt die vor gut 500 Jahren erbaute Kirche das Dorf dermassen, dass sie Piloten von Kleinflugzeugen als Orientierungspunkt dient. Im Ostschweizer Kirchberg markiert die 1804 geweihte katholische und denkmalgeschützte Kirche den Mittelpunkt der Gemeinde. Etwas abseits befindet sich die kleinere Kirche der evangelisch-reformierten Minderheit der Bevölkerung. Sie wurde Mitte des letzten Jahrhunderts errichtet.

«Zentrale Rolle»

«Die katholische Kirche spielt seit Beginn der Geschichte von Kirchberg die zentrale Rolle in unserer Gemeinde», sagt Ratsschreiber Magnus Brändle. Noch älter als das helle und doch Respekt einflössende Gebäude sei die St.-Idda-Burg. Sie diente den Grafen von Toggenburg als Stammsitz und ist heute ein Wallfahrtsort.

Kirchberger an einem Tisch

Doch Kirchberg und Kirchberg haben nicht nur weitherum sichtbare Kirchen gemeinsam. «Es gibt immer wieder Vereine, die aus unserer Gemeinde Kirchberg im Kanton Bern besuchen und dort auch an Anlässen teilnehmen», weiss Brändle. Auf offizieller Ebene kam es erst einmal zu einem Treffen, als der Gemeinderat von Kirchberg SG für seinen alljährlichen Ausflug Kirchberg BE als Ziel erkor. Zum Abschluss des «Schulreisli» trafen sich die Behörden von Kirchberg und Kirchberg zum gemeinsamen Nachtessen.

Weitere Kontakte habe es nicht gegeben. Trotzdem, sagt Brändle, kenne er den Zwillingsort seiner Gemeinde «sehr gut». Der Grund dafür liege darin, «dass wir oft Briefe und Mails erhalten, die nicht uns, sondern Kirchberg BE betreffen».

Wie der Gemeinderat von Kirchberg BE setzt auch die Exekutive von Kirchberg SG auf Wachstum, um sich auch Neuzuzügern in einem möglichst attraktiven Licht zeigen zu können. Die Schulhäuser, das Mehrzweckgebäude, die Turnhallen und die Abwasserreinigungsanlage seien saniert und ausgebaut worden, wobei die Gemeinde alleine für die Erweiterung der ARA 23 Millionen Franken ausgegeben habe.

Für 10 bis 20 Millionen Franken wollen die St.Galler einen Saalbau hochziehen; weitere 2,4 Millionen Franken werden in die Erschliessung von Land für eine Einfamilienhaussiedlung investiert.

Durch die Nähe zur Autobahnausfahrt N1 in Wil und den Bau der Ortsumfahrung Bazenheid hätten sich die Anfragen nach Industriebauland «gehäuft», freut sich Ratsschreiber Brändle.

Paradies für Kühe

Eine weitere Parallele ist der Umstand, dass die Landwirtschaft in Kirchberg BE genauso zurückgeht wie in Kirchberg im nahen Osten. 400 Landwirtschaftsbetriebe zählte Kirchberg SG im Jahr 1960. Fünfzig Jahre später sind es noch deren 170. Für die Kühe scheint Kirchberg trotzdem ein ausgezeichneter Nährboden zu sein: Die letzte Viehzählung habe ergeben, dass auf dem Gemeindegebiet 4971 Kühe lebten, sagt Brändle. Schweizweit verfüge Kirchberg SG damit über «die zweithöchste Kuhdichte».

Festfreudiges Völkchen

Die Kirchbergerinnen und Kirchberger interessiert die Anzahl ihrer Rinder im Moment jedoch nur peripher. Was zählt, ist der «Donnschtig-Jass», den das Schweizer Fernsehen am 12.August aus Kirchberg übertragen wird.

Dass die Kirchberger ein einig Volk von Festfreudigen sind, beweisen sie immer wieder. Im Mai war das halbe Dorf auf den Beinen, um Flawil im «Bewegungsduell» zu bezwingen. Wenig später weihten die Einheimischen den neu gestalteten Bahnhofplatz mit einem «Dörferfäscht» ein.

Ihre Umgebung und sich selber zu geniessen: Das verstehen die Kirchbergerinnen und Kirchberger in der Ostecke der Schweiz. «Mit vollem Bauch ist gut Fastenpredigt halten», heisst es an einer Holzwand des Landgasthofs Rössli. Lange Fahnen im Zentrum verkünden, Kirchberg sei «zum Läbe». Wer ein paar Stunden durch das Dorf spaziert ist, glaubt die Botschaft aufs Wort.

Unter dem Titel «Zwillingsorte» stellt diese Zeitung in einer Serie Gemeinden oder Ortsteile vor, die gleich heissen wie ihre Pendants im Emmental.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt