Trubschachen

«Wir müssen jetzt erst Boden unter den Füssen gewinnen»

TrubschachenDer Gemeindepräsident von Trubschachen, Beat Fuhrer, erklärt, warum er hofft, dass die Gemeindeversammlung am nächsten Montag Nein sagt zur Gemeindeinitiative. Er möchte – wenn überhaupt – nicht allein mit der Gemeinde Langnau Fusionsabklärungen treffen.

Gemeindepräsident Beat Fuhrer will die Fusionsfrage allenfalls regional angehen.

Gemeindepräsident Beat Fuhrer will die Fusionsfrage allenfalls regional angehen. Bild: Thomas Peter

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Herr Fuhrer, was haben Sie gegen Langnau?
Beat Fuhrer: Gar nichts, im Gegenteil, Langnau ist eine Nachbargemeinde, mit der wir gute Beziehungen pflegen und in vielen Bereichen zusammenarbeiten. Langnau ist unser Regionalzentrum, ohne das wir nicht auskommen. Und Langnau kommt nicht ohne sein Umfeld aus, von dem wir ein Teil sind.

Was hindert Sie daran, mit Langnau Fusionsabklärungen zu treffen?
Nichts. Wenn die Gemeindeversammlung dies beschliesst, werde ich die Verhandlungen mit voller Energie aufnehmen. Aber im Moment habe ich keinen Anlass, und der Gemeinderat ist der Meinung, jetzt sei nicht der richtige Zeitpunkt dafür.

Müssten Sie nicht erst abklären und Fakten sammeln, um sicher zu sein, dass der Zeitpunkt für eine Fusion falsch wäre?
Im Moment haben wir andere Prioritäten, etwa den Aufbau des neuen Gemeindehauses. Wir sind ein Milizgremium und haben nicht unermessliche Ressourcen. Auch fänden wir es falsch, nur mit Langnau Verhandlungen zu führen. Das Thema Fusion kann man nicht bloss bilateral angehen, das muss breiter diskutiert werden.

Sprechen Sie die Vision von Alt-Statthalter Simon Bichsel an, der gleich das ganze ehemalige Amt Signau fusionieren möchte?
Ja.

Verschanzen Sie sich jetzt nicht hinter einem Grossprojekt, von dem Sie annehmen, dass es ohnehin nie Realität wird?
Eine so grosse Gemeinde bekäme im ganzen Kantonsgefüge ein grosses Gewicht. Ich denke nicht, dass es eine Utopie bleiben muss. Früher oder später wird das Thema aktuell. Es könnte ja auch von Langnau aus angegangen werden. Da wären wir sicher dabei. Oder es könnte auch an der Gemeindeversammlung ein entsprechender Antrag gestellt werden.

Was spricht dagegen, dass Trubschachen den ersten Schritt macht und ein Zusammengehen vorerst allein mit Langnau prüft?
Ich finde, wir müssen das regional angehen und nicht in einer Salamitaktik. Es ist etwas anderes, wenn eine grosse Gemeinde mit einer kleinen fusioniert, als wenn sich mehrere Gemeinden zusammenschliessen.

Es ist also doch nicht der Zusatzaufwand, sondern die grundsätzliche Abneigung, weshalb Sie auf ein Nein zur Initiative hoffen?
Die Fusionsidee steht ja schon eine Weile im Raum, nun wurde sie konkreter durch den Brand des Gemeindehauses. Aber genau wegen des Brandes ist jetzt nicht der richtige Moment. Eine Braut, die am Boden liegt, sucht sich nicht zuerst einen Bräutigam. Sie steht zuerst auf und bringt sich wieder in Ordnung. Wir müssen jetzt erst Boden unter den Füssen gewinnen. Ein zerstörtes Gemeindehaus kann nicht der Grund sein für eine Fusion. Die Reihenfolge stimmt nicht.

Ist das Gemeindehausprojekt, das Sie jetzt weiterverfolgen, «fusionstauglich»?
Ja. Es wird so konzipiert, dass man die Verwaltungsräume in eine Wohnung umnutzen kann.

Warum interpretieren Sie im Informationsblatt den Entscheid zum Wiederaufbau der Gemeindeverwaltung dann als Nein zu einer Fusion?
Der Entscheid, ein Gemeindehaus zu bauen, hat durchaus damit zu tun, dass man als Gemeinde selbstständig bleiben will. Es ist zwar keine direkte Antwort auf eine Fusionsabsicht, aber es zeigt die Richtung an, in welcher die Bevölkerung unsere Zukunft sieht. Sie will zu-erst bauen und danach weiterschauen.

Haben Sie keine Angst davor, die Leute nicht mehr zu finden, um die Ämter zu besetzen?
Wir hatten das ja schon, dass wir mit einer Vakanz arbeiten mussten. Um dem Problem zu begegnen, könnte man sich überlegen, den Gemeinderat auf ein Fünfergremium zu reduzieren, was ich nicht gut fände. Aber es gibt noch viele andere Möglichkeiten, Leute zu rekrutieren.

Zum Beispiel?
Das wird genau das Thema sein, mit dem wir uns an der nächsten Klausurtagung beschäftigen werden: Wie bringen wir es fertig, dass die Bevölkerung politisch aktiv wird? So gesehen ist die Initiative positiv für die Gemeinde. Sie hat die Bevölkerung sensibilisiert, dass wir eine Gemeinschaft sind und jeder mitgestalten kann.

Wie lange kann Trubschachen als Gemeinde noch selbstständig bestehen?
Je nachdem, wie sich die äussere Situation entwickelt, kann es noch zwanzig bis dreissig Jahre gut gehen, vielleicht aber zeigt sich bereits in fünf Jahren, dass der Alleingang der völlig falsche Weg ist.

Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass die Initiative angenommen wird?
Die Absicht, nur mit Langnau eine Fusion zu prüfen, könnte das Killerargument werden. Aber die Initiative hat gute Chancen, angenommen zu werden.

Mit welchen Gefühlen gehen Sie nach einer allfälligen Annahme auf Bernhard Antener, den Gemeindepräsidenten von Langnau, zu?
Ich bin nicht Gemeindepräsident geworden, um meine Ziele durchzudrücken und der Gemeinde meine Vorstellung aufzuzwingen. Wenn die Gemeinde sagt, sie wolle diese Abklärungen, okay, dann will ich das auch. Wenn die Mehrheit entschieden hat, gehe ich mit voller Kraft vorwärts und werde alles daransetzen, dass die Ziele, die diese Initiative anstrebt, erreicht werden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.05.2014, 09:19 Uhr

Die Initiative

Am Montag, 19.Mai, stimmt die Gemeindeversammlung von Trubschachen über die Initiative von Einwohner und Landwirt Niklaus Langenegger ab. Er hat 169 Unterschriften gesammelt, weshalb sich nun alle Stimmbürger zu seinem Anliegen äussern können. Langeneggers Initiative fordert, dass der Gemeinderat von Trubschachen unverzüglich Abklärungen zu einer Fusion mit der Gemeinde Langnau an die Hand nimmt. Der Initiant ist der Meinung, ein Zusammenschluss sei für die Zukunft Trubschachens besser als ein Alleingang. Der Gemeinderat ist anderer Meinung und empfiehlt, die Initiative abzulehnen.

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