Spitaldirektor: «Wir wollen noch besser werden»

Oberaargau

Anfang Juli hat Andreas Kohli die Leitung der Spital Region Oberaargau AG übernommen. Der neue Direktor will einzelne Spitalbereiche ausbauen, aber auch gewisse Abläufe schlanker gestalten. Grund: Kostendruck.

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Herr Kohli, Sie sind seit 50 Tagen Direktor des Spitals Region Oberaargau. Wie geht es Ihnen? Andreas Kohli: (schmunzelt) Sehr gut.

Sie sind sehr kurzfristig eingestiegen. Wie liefs bei Ihrem Stellenantritt? Es war eine erfreuliche Sache. Ich bin wohlwollend aufgenommen worden hier. Und ich habe den Betrieb auch von innen gesehen, als Patient.

Als Patient? Ja. Ich hatte bei einem Sturz mit dem Velo eine Beinverletzung erlitten. Das musste ich im Operationssaal behandeln lassen.

Und wie haben Sie die Patientensicht erlebt? Es war sehr interessant. Man sieht den Betrieb aus anderer Perspektive, macht den ganzen Prozess einer Behandlung mit. Und man kann auch rechts und links beobachten, was dort alles gemacht wird.

Welchen Eindruck vom SRO-Spital haben Sie nun? Es ist ein schöner Betrieb. Es herrscht ein gutes Arbeitsklima. Bis jetzt habe ich einen guten Eindruck erhalten.

Wo steht SRO im Vergleich zu anderen Spitälern? Bei den Regionalspitälern im Kanton Bern sind wir vorne mit dabei. Die Fallzahlen sehen recht gut aus. Im schweizerischen Vergleich ist SRO leicht unterhalb des Mittelfeldes einzustufen. Jedenfalls nicht unter «ferner liefen».

Welches sind die besonderen Stärken des Spitals Langenthal? Der Standort im Einzugsgebiet von 80000 bis 100000 Einwohnern. In dieser Region hat das Spital den Versorgungsauftrag, und als einziges Spital kann es eine führende Rolle spielen. Dazu kommt der bewilligte Investitionskredit. Damit kann man für die nächsten 20 bis 30 Jahre auf den Standort setzen. Das sind Chancen, die es zu nutzen gilt.

Was wollen Sie tun, um diese Chancen zu nutzen? Es gibt verschiedene Bereiche, die wir anschauen müssen. Die Prozesse müssen schlanker werden, das hat Priorität. Wir müssen analysieren, wo Einsparungen möglich sind und wie man sie auf verträgliche Art umsetzen kann.

Gibt es da viel nachzuholen? Es gilt zu beachten: SRO ist kein Sanierungsfall. Doch der Kostendruck steigt. Deshalb müssen wir Massnahmen ins Auge fassen, damit wir bestehen können.

Ab nächstem Jahr gelten für die Spitäler Fallpauschalen. Kann SRO kostenmässig mithalten? Ja, das ist möglich. Doch dazu sind betriebsinterne Anpassungen notwendig. Wir wollen bessere Leistungen mit immer weniger Mitteln erbringen. Das fordert uns heraus.

In den letzten Monaten und Jahren gab es gerade bei den Spezial- und Chefärzten eine grosse Fluktuation. Was tun Sie, um grössere Stabilität zu erhalten? Die Stabilität ist unabdingbare Voraussetzung für einen guten Spitalbetrieb. Eine gewisse Fluktuation ist zwar normal. Doch Instabilität bei den Chefärzten ist für den Spitalbetrieb eine Herausforderung. Die Ärzteschaft ist fürs Spital eines der zentralen Elemente. Es gab in der Vergangenheit einige Wechsel. Und wenns Probleme gibt, haben wir weniger Patienten, das sieht man den Fallzahlen an.

Was ist also zu tun? Die Orthopädie ist neu besetzt. Wir müssen nun diskutieren, wie man sie noch ausbauen kann. Das ist auf guten Wegen. In den anderen Fachbereichen ist die Situation stabil.

Hat das Spital genug Personal? Haben Ärzte und Pflegepersonal noch genug Zeit für die Patienten? Die Patientenbetreuung ist auf gutem Niveau. Grundsätzlich können wir uns mit unserem Stellenplan eine qualitativ hochstehende Versorgung leisten. Es kommt immer darauf an, womit man vergleicht. In Deutschland zum Beispiel ist die Situation ganz anders. Dort liegen die Stellenprozente pro Patient um 30 bis 40 Prozent tiefer als in der Schweiz

Wie gross ist bei SRO der Konkurrenzdruck durch benachbarte Spitäler? Wir sind in einer Wettbewerbssituation. Es gibt Patienten aus unserem Gebiet, die sich in anderen Spitälern behandeln lassen. Das hängt mit den Ärzten zusammen, welche die Patienten beraten und einweisen. Nun, es ist jedem Spital überlassen, so gut zu sein, dass die Patienten kommen. Gefragt ist die beste Leistung. Wir dürfen nie zufrieden sein, sondern müssen immer daran arbeiten, noch besser zu werden.

Wann wird das Akutspital Niederbipp geschlossen? Im Verlauf von 2011. Wir sind intensiv daran, Lösungen zu diskutieren für neue Nutzungen.

Ein Stellenabbau ist dort wohl programmiert. Es wird eine Reduktion von Stellen geben. Wir sind aber bestrebt, möglichst viele Angestellte nach Langenthal zu nehmen. Die Integration des Akutspitals Niederbipp ins Spital Langenthal hilft uns dabei.

Wie ist es für Sie als neuen Direktor, einen Akutbetrieb schliessen zu müssen? Es ist eine schwierige Sache. Der Prozess einer Redimensionierung ist nie einfach.

Was passiert mit dem Rettungsdienst in Niederbipp? Man hört, der Kanton Solothurn wolle dort eine eigene Equipe stationieren. Wir halten am SRO-Rettungsdienst in Niederbipp fest. Wir wehren uns auch gegen einen andern Solothurner Rettungsdienst, zum Beispiel in Oensingen. Zwei Standorte machen finanziell keinen Sinn. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, es laufen jetzt Vertragsverhandlungen zwischen den Kantonen Bern und Solothurn.

Ein Blick in die Zukunft. Gibt es das Spital Langenthal in 20 Jahren noch? Ja, davon bin ich überzeugt. Aber man muss die richtigen Massnahmen umsetzen.

Berner Zeitung

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