Schänder bleibt im Gefängnis

Keine Einsicht, kein Therapieerfolg: Ein Vater, der zwei seiner Kinder sexuell missbraucht hat, bleibt vorerst in Haft.

Ein sechzigjähriger Sexualstraftäter bleibt vorerst in Haft (Symbolbild).

Ein sechzigjähriger Sexualstraftäter bleibt vorerst in Haft (Symbolbild).

(Bild: Urs Baumann)

Dominik Galliker@DominikGalliker

Wer kein Geld hat, dem werden für gewöhnlich die Prozesskosten erlassen. In diesem Fall aber hält das Bundesgericht die Beschwerde eines Mannes für dermassen aussichtslos, dass es ihm die unentgeltliche Rechtspflege verwehrt.

Der Sechzigjährige wollte, dass er bedingt aus der Haft entlassen wird. 2005 wurde er zu einer Freiheitsstrafe von zwölfeinhalb Jahren verurteilt, weil er zwei seiner Kinder sexuell missbraucht hatte. Mittlerweile sitzt er seit gut acht Jahren im Gefängnis – er hat also bereits mehr als zwei Drittel der Strafe verbüsst. In der Regel werden Täter in der Schweiz nach dieser Zeit bedingt entlassen, damit sie sich besser auf die tatsächliche Freiheit vorbereiten können. Im Falle des sechzigjährigen Mannes wäre dies aber zu gefährlich, so das Urteil des Bundesgerichts.

Schläge mit dem Gürtel

Der Mann hat gemäss dem Urteil seine vier Kinder «nach extrem religiösen Grundsätzen» geführt. Sie durften die Schule nicht besuchen, weil er das Bildungssystem «als böse betrachtete». Stattdessen unterrichtete er die Kinder zu Hause – und zwar nach einem «barbarischen System der Disziplin».

Regelmässig habe er die Kinder mit dem Gürtel geschlagen. Ein Gutachten spricht von narzisstischen, paranoiden und zwanghaften Persönlichkeitsstörungen. Bei einem Sohn und einer Tochter kam es auch zu sexuellen Übergriffen, zu Oral-, Vaginal- und Analverkehr. «Teilweise erfolgten die Übergriffe unter Schlägen mit einem Gürtel», steht im Urteil. Als die Übergriffe begannen, war die Tochter gerade einmal fünf Jahre alt.

Verurteilt wurde der Mann indes nicht in der Schweiz, sondern vom obersten Gerichtshof Tasmaniens (Australien). Das Kreisgericht Aarwangen-Wangen erklärte das Urteil 2009 aber für vollstreckbar, womit die Haftstrafe in der Schweiz begann.

Therapie noch nicht zu Ende

Der Mann forderte die Entlassung zunächst beim kantonalen Amt für Freiheitsentzug und Betreuung, dann auch bei der Polizei- und Militärdirektion und vor Obergericht. Die Instanzen hatten die Aufgabe, die Gefährlichkeit des Täters einzuschätzen. Vor Bundesgericht argumentierte er nun, man müsse etwa den Fakt berücksichtigen, dass er ausschliesslich innerhalb der Familie Taten begangen habe.

Zwei Gutachten kommen zum Schluss, dass er tatsächlich nicht pädophil ist, also nicht primär auf Kinder steht. Das Bundesgericht entgegnet, der Mann weise jedoch eine «pädosexuelle Ansprechbarkeit» auf. Andernfalls müsse man seine Taten als Sadismus einstufen.

Die Persönlichkeit des Täters spreche klar gegen eine bedingte Entlassung, so das Bundesgericht. In der Therapie seien kaum Fortschritte zu erkennen. Die wesentlichen Teile einer Behandlung, die einem Rückfall entgegenwirken sollen, hätten noch nicht stattgefunden.

Zudem habe sich seine Einstellung zu den Taten in den zweieinhalb Jahren Therapie zwar etwas gewandelt – bis heute scheine aber weder Einsicht noch Reue vorhanden zu sein.

Berner Zeitung

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