Trubschachen

Nach dem Brand: «Die Ausgangslage ist besser»

TrubschachenGemeindepräsident Beat Fuhrer mag nicht nur klagen, dass die Gemeindeverwaltung nach dem Brand wohl abgerissen werden muss. Schon länger genügen die Platzverhältnisse nicht mehr. Doch für einen Umbau war das Haus nicht geeignet.

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Herr Fuhrer, Sie sind keine 100 Tage im Amt, und schon müssen Sie die erste mittlere Katastrophe bewältigen. Ist Ihnen das Amt des Gemeindepräsidenten bereits verleidet?
Beat Fuhrer: Diese Gedanken habe ich mir noch gar nicht gemacht. In einer solchen Situation funktioniert man einfach. Wenn man Ja sagt zu einem solchen Amt, muss man auch mit solchen Situationen rechnen. Ich mache die Arbeit, die jetzt von mir erwartet wird, gar nicht ungern.

Trotzdem hätten Sie als Lehrer sich die Frühlingsferien wahrscheinlich anders vorgestellt.
Normalerweise wäre ich jetzt mit meiner Tochter unterwegs ins Elsass oder ins Tessin. Das werden wir jetzt halt später nachholen. Es trifft sich gut, dass ich als Lehrer jetzt gerade Ferien habe.

Ein Glücksfall ist der Zeitpunkt des Brandes auch, weil das Schulhaus frei ist, in dem die Gemeindeverwaltung jetzt Unterschlupf findet.
Seitens der Schule bekommen wir alle Unterstützung, die wir brauchen und können ihre Infrastruktur benützen. Dass Schulleiter Walter Guggisberg früher selber Gemeindepräsident war, hilft uns, er half bei der Lösungssuche mitdenken.

Wie schnell war klar, dass Sie die Verwaltung vorerst im Primarschulhaus unterbringen?
Am Samstag um 10 Uhr hatten wir die erste Gemeinderatssitzung, an der wir das Vorgehen für die nächsten Wochen und Monate beschlossen. Heute Montagabend findet die nächste Sitzung statt, an der wir auch längerfristig weiterschauen.

Werden Sie jetzt das Mauerhoferhaus in eine Gemeindeverwaltung umbauen? Diese Pläne wurden ja aus finanziellen Gründen zurückgestellt.
Der Beschluss, die Gemeindeverwaltung ins Mauerhoferhaus zu zügeln, wurde aufgrund des bestehenden Gemeindehauses gefällt, das sich an einem guten Standort befindet, sich aber für einen Umbau schlecht eignet. Jetzt stehen wir vor einer neuen Situation.

Sie wollen am jetzigen Standort ein neues Gemeindehaus bauen?
Wir gehen von einem Totalschaden aus. Damit eröffnet sich uns die Option, hier ein neues Gemeindehaus zu bauen, das unseren Wunschstrukturen entspricht. Zudem würde die Gebäudeversicherung eine Umnutzung eines anderen Gebäudes nur zum Teil finanzieren helfen.

So gesehen kommt der Brand gar nicht ungelegen.
Wir haben uns diesen Brand sicher nicht gewünscht. Aber leugnen kann ich die bessere Ausgangslage nicht.

Trotzdem rechnen Sie damit, dass es zwei Jahre dauern wird, bis die Verwaltung wieder ein festes Zuhause hat.
So lange dauert es sicher, wenn wir uns für einen Neubau entscheiden. Dann muss das Haus abgerissen werden, wir müssen einen Projektwettbewerb durchführen, erst dann kommt die Detailplanung. Würden wir das Mauerhoferhaus umbauen, könnte es vielleicht in einem Jahr bezugsbereit sein, da diese Pläne bereits bestehen.

Wäre die aktuelle Situation nicht auch eine Gelegenheit, das Zusammenführen der Gemeindeverwaltungen von Trub und Trubschachen zu diskutieren?
Eine Fusion war in den letzten Jahren für den Gemeinderat kein Thema, daran ändert auch das jüngste Ereignis nichts.

Aber hat die Gemeindeverwaltung ihre Hilfe angeboten?
Ja, sie übernimmt gewisse Arbeiten wie etwa die Ausgabe von Tageskarten. Wir werden bestimmt noch mehr kleine Arbeiten finden, die wir in Nachbargemeinden auslagern können.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 09.04.2013, 09:29 Uhr

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Laut Gemeindeschreiberin Heidi Stalder wurden die durchnässten Schriftstücke in die Mehrzweckanlage gebracht, wo sie jetzt in verschiedenen Räumen darauf warten, gesichtet und sortiert zu werden. «Wir werden uns nun nach und nach Übersicht verschaffen, was getrocknet werden kann und was wir neu beschaffen müssen», sagte sie gestern Vormittag im Lehrerzimmer des Primarschulhauses, in dem sie ihr provisorisches Büro eingerichtet hat. Dabei kann sie auf Unterstützung aus umliegenden Gemeinden und der Bevölkerung zählen.

Einige Akten wurden auf Anraten des Statthalters tiefgefroren. Eine Spezialfirma werde diese gefriertrocknen, so bleibe die Schrift lesbar. Doch Grossenbacher verwies auf eine Begleiterscheinung, die beim Durchstöbern der geretteten Akten noch lange an den Brand erinnern wird: der Russgestank.

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