Burgdorf

Industrieviertel soll zum Solarpark werden

BurgdorfEin Industrieller und ein Energiefachmann planen im Industriequartier Buchmatt einen Solarpark. Würde man hier alle Fabrikdächer mit Solarpanels bestücken, liesse sich ein Zehntel des Stadtbedarfs abdecken.

Auf dass die Sonne scheine: Unternehmer Willy Michel (l.) und Energiefachmann Hans Ulrich Flückiger wollen auf dem Dach der Firma Ypsomed in der Burgdorfer Buchmatt eine grosse Fotovoltaikanlage errichten und weitere solcher Anlagen initiieren.

Auf dass die Sonne scheine: Unternehmer Willy Michel (l.) und Energiefachmann Hans Ulrich Flückiger wollen auf dem Dach der Firma Ypsomed in der Burgdorfer Buchmatt eine grosse Fotovoltaikanlage errichten und weitere solcher Anlagen initiieren. Bild: Thomas Peter

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Die Burgdorfer Industriezone Buchmatt verfügt über eine Flachdachfläche von rund 70000 Quadratmetern, was ungefähr zehn länderspieltauglichen Fussballfeldern entspricht. Diese Fläche, verteilt auf 37 Gebäude, bietet sich für ein Solarprojekt grösseren Ausmasses geradezu an, zumal in einem Industriequartier kaum jemand ernstlich von einer Verschandelung des Ortsbilds sprechen dürfte, wenn sich auf den Dächern die Fotovoltaikpanels reihen.

Der Unternehmer Willy Michel, mit seiner Ypsomed AG unter anderem auch in der Buchmatt ansässig, und Hans Ulrich Flückiger, Inhaber der Burgdorfer Energietechnikfirma Febacom AG, wollen dieses grosse Potenzial nicht ungenutzt lassen. Sie haben das Projekt Solarpark Buchmatt initiiert, das zum Ziel hat, möglichst viel Dachfläche fotovoltaisch zu nutzen und aus Sonnenenergie Strom zu produzieren. Möglich wäre eine maximale Jahresproduktion von 9 Gigawattstunden, was 7,5 Prozent des gesamten Jahresbedarfs in Burgdorf entspricht. «Wir rechnen jedoch mit 5 Gigawattstunden in den nächsten fünf bis zehn Jahren», relativiert Flückiger. Das wären immer noch 4 Prozent des städtischen Bedarfs, der nebst den Privathaushalten auch die Industrie, Freizeitanlagen und anderes einschliesst. Umgerechnet auf Wohneinheiten liessen sich mit diesem Energieausstoss 1000 bis 1200 Haushaltungen versorgen.

Gute Netzinfrastruktur

Flückiger zählt mehrere Gründe auf, die für das Projekt in der Buchmatt sprechen. Flachdächer, sagt er, eigneten sich für Fotovoltaikanlagen generell sehr gut. Zudem seien die Dachflächen von Industriegebäuden im Schnitt relativ gross, was die Investition umso lohnender mache. Auch sei es sinnvoll, den Strom dort zu produzieren, wo er auch verbraucht werde, zumal die Netzinfrastruktur im Industriegebiet gut ausgebaut und entsprechend stabil sei. Für die Einspeisung herrschten somit optimale Bedingungen.

Bei der blossen Theorie soll es nicht bleiben. Mit gutem Beispiel voran gehen die beiden Initianten gleich selber: Willy Michel stellt mietweise das Dach seiner Ypsomed zur Verfügung, und Hans Ulrich Flückiger errichtet darauf in eigener Regie eine Pilotanlage des Solarparks Buchmatt. «Derzeit bin ich mit den Lieferanten am Optimieren der Kosten; sobald sichergestellt ist, dass die Gestehungskosten nicht höher als bei 20 Rappen pro Kilowattstunde liegen, wird gebaut», sagt er. Denkbar sei ein Baubeginn im kommenden Frühjahr. Flückiger rechnet mit Gesamtkosten in Höhe von 900000 Franken. Die Anlage ist für eine Leistung von 450 Kilowatt konzipiert. Damit lässt sich der Bedarf der Ypsomed am Standort Buchmatt zu ungefähr 60 Prozent abdecken.

«Ursprünglich war ich gegen die Solarenergie komplett negativ eingestellt», gestand Willy Michel jüngst am Energieapéro der Stadt Burgdorf. «In den letzten Jahren hat sich diese Technologie jedoch so stark entwickelt, dass ich ihr heute grosse Möglichkeiten attestiere.»

Ziel des Projekts Solarpark Buchmatt ist es, möglichst viele Unternehmen im Industriequartier zum Mittun zu animieren. Denkbar sind mehrere Modelle: Entweder investiert der Gebäudeeigentümer in die Selbstnutzung, oder er vermietet die Dachfläche an einen Investor. Zudem können sich die beiden Initianten vorstellen, eine Investitions- und Betreibergesellschaft für den Bau und Unterhalt von Solaranlagen zu gründen. Alle, die etwas zur Entstehung neuer Fotovoltaikanlagen beitragen möchten, werden auf diese Weise Gelegenheit bekommen, Anteilscheine zu zeichnen – nach dem Vorbild der Burgdorfer Gasthausbrauerei.

Die Localnet AG zieht mit

Die Initianten wollen die Industriellen in der Buchmatt nicht nur mit umweltpolitischen Argumenten überzeugen; ein finanzielles Anreizsystem soll ein Weiteres tun. Die kostendeckende Einspeisevergütung des Bundes liegt für die nächsten paar Jahre wegen der langen Warteliste zwar mehr oder weniger ausser Reichweite, dafür aber konnte mit der Localnet AG – der städtischen Energieversorgerin – eine Vergütung ausgehandelt werden. Diese beträgt 20 Rappen pro eingespeister Kilowattstunde und soll ab 2013 voraussichtlich drei Jahre lang ausgerichtet werden. So lange nämlich, bis auf Bundesebene ein neuer Tarif zum Tragen kommt.

Hans Ulrich Flückiger ist zuversichtlich, dass zahlreiche Firmen seinem und Willy Michels Beispiel folgen und auf ihrem Flachdach inskünftig ebenfalls Strom produzieren werden. Die benachbarte Druckerei Haller und Jenzer zum Beispiel hat auf ihrem Gebäude aus eigenem Antrieb bereits eine Anlage errichtet. Die Fotovoltaik stehe – auch wenn sie in der Schweiz noch zurückhaltend gefördert werde – vor einer grossen Zukunft, hält Flückiger fest. In Deutschland etwa würden die Mittagsspitzen schon heute grösstenteils über Solarstrom abgedeckt. Auch kostenmässig entwickle sich diese Technologie attraktiv: Derzeit koste der Quadratmeter Fotovoltaikpanel drei- bis viermal weniger als Kollektoren zur solaren Warmwasseraufbereitung. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.11.2012, 11:48 Uhr

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