Sumiswald

Grosses Theater auf kleiner Bühne

SumiswaldDas Emmentaler Freilichttheaterangebot ist um ein glänzendes Stück reicher. «Frau Müller muss weg» feierte im Haslebacher vor kleinem, aber begeistertem Publikum Premiere.

Ein starkes Stück: Lehrerin Frau Müller muss weg, darin sind sich die Eltern der Schüler einig.

Ein starkes Stück: Lehrerin Frau Müller muss weg, darin sind sich die Eltern der Schüler einig. Bild: Hans Wüthrich

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Es ist ein grosses Theater, das im Haslebacher, an einem Hügel zwischen Sumiswald und Weier, gespielt wird. Es ist nicht gross in Bezug auf Tribüne, Schauspieltruppe oder Bühnenbild. In dieser Hinsicht ist es sehr bescheiden: Gut 60 Stühle stehen in der gedeckten Hofstatt, ausgerichtet auf die wenige Quadratmeter grosse Bühne, auf der ein paar Stühle und ein Lehrerpult ein Klassenzimmer andeuten.

Nur sechs Personen spielen. Aber sie spielen grossartig. In rasantem Tempo liefern sie sich in einwandfreiem Bühnendeutsch prickelnde Rededuelle – und das zu einem Thema, das die meisten aus eigener Erfahrung kennen: Es geht um einen Elternabend.

Das überschätzte Kind

Eine Vertretung aus fünf Elternteilen trifft sich im Klassenzimmer, um der Lehrerin gleich unmissverständlich und ohne weitere Diskussion mitzuteilen, sie sei für die Klasse 4b untragbar geworden. Denn sie hat angekündigt, die Kinder würden schlechte Zeugnisse nach Hause bringen. Das darf nicht sein. «Frau Müller muss weg», heisst das Stück.

Frau Müller (Meret Rufener) betritt die Bühne und spielt die Lehrerin genau so, wie man Lehrerinnen an Elternabenden erlebt hat: freundlich, immer leicht auf der Hut und sehr bestimmt in ihren Aussagen. Doch irgendwann verliert sie die professionelle Contenance, was kein Wunder ist angesichts der elterlichen Ignoranz, die ihr gegenübersitzt.

Da sind der pragmatisch denkende Ingenieur (Urs Buchser) und seine esoterisch angehauchte Frau (Eva Mühlemann), die ihren armen, gemoppten Sohn für hoch begabt und unterfordert halten, während er Frau Müller das Unterrichten mit seiner Zappeligkeit und seinen Querelen schier verunmöglicht. Und da ist der arbeitslose Vater (Fred Palm), dessen Hauptbeschäftigung darin besteht, die Tochter ins Gymnasium zu hieven. «Wenn Sie schon die Hausaufgaben Ihrer Tochter machen, sollten sie wenigstens dafür sorgen, dass sie in der Nähe ist», rät ihm Frau Müller.

Daneben die Mutter des Klassenbesten (Hilke Krug), der zwar gute Noten nach Hause bringt, daneben aber in sich gekehrt lebt. Und schliesslich die adrette, «zielorientiert» handelnde Verwaltungsangestellte (Sara Jäggi), die es klar und deutlich auf den Punkt bringt: Von einer Lehrerin werde nichts weiter erwartet, als dass sie gute Noten vergebe.

Dass die Schauspielerinnen und Schauspieler ihre Rollen derart überzeugend spielen, könnte damit zusammenhängen, dass einige von ihnen im beruflichen Alltag ausreichend Gelegenheit hatten zu studieren, was an Elternabenden so zusammenkommt: Urs Buchser ist Schulleiter von Sumiswald, Eva Mühlemann ist Lehrerin und Regisseur Jörg Maeder ist ebenfalls als Lehrer tätig. Und zwar bereits seit 40 Jahren.

Jedes Jahr erlebe er mindestens einen Elternabend, sagte er vor der Premiere. In all den Jahren sei ihm bewusst geworden, dass es dabei jeweils gar nicht wirklich um die Schule gehe. «Alle wollen nur das Beste für ihr Kind – aber was ist das?», fragt er sich. Die eine oder andere Antwort darauf liefert das Theaterstück aus der Feder von Lutz Hübner durchaus.

Weitere Vorstellungen, an denen es noch einzelne freie Plätze hat: 6., 8., 13. und 15.August, Spielbeginn jeweils um 20.30 Uhr, ab 18.30 Uhr kulinarisches Angebot. (Berner Zeitung)

Erstellt: 28.07.2014, 09:07 Uhr

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