Langnau

«Gemeinderat bringt nicht automatisch die beste Lösung»

LangnauIn der Vergangenheit hat sich Toni Rösli als scharfer Kritiker der Finanzpolitik des Langnauer Gemeinderates hervorgetan. Jetzt ist er höchster Langnauer.

Wünscht sich angeregte Diskussionen: Toni Rösli ist der neue Präsident des Grossen Gemeinderates.

Wünscht sich angeregte Diskussionen: Toni Rösli ist der neue Präsident des Grossen Gemeinderates. Bild: Olaf Nörrenberg

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Sie legen eine steile Karriere hin im Langnauer Parlament. Bloss ein Jahr im Grossen Gemeinderat (GGR), und schon übernehmen Sie das Präsidium. Sind Sie so ehrgeizig, Herr Rösli?
Toni Rösli: Nein. Das hat sich so ergeben. Geplant war, dass Paul Aeschlimann dieses Jahr das GGR-Präsidium übernehmen würde. Da er aber nicht wiedergewählt wurde, hatten wir in der FDP nur noch Johann Sommer als Bisherigen im Parlament. Er war bereits 2011 GGR-Präsident. Also kam jemand von den drei Neuen zum Zug. Wir haben dann gemeinsam entschieden, dass ich das übernehme, weil ich etwas mehr politische Erfahrung mitbrachte.

Fühlen Sie sich wohl im Grossen Gemeinderat?
Ja. Ich hatte zwar nicht viel Zeit, mich einzuarbeiten. Weil wir eine kleine Partei sind, musste ich schon an der ersten Sitzung unsere Initiative («Für einen ausgeglichenen Finanzhaushalt», Anm. der Red.) vertreten.

Zu Beginn haben Sie den Gemeinderat für Langnauer Verhältnisse jeweils ziemlich hart attackiert. Je näher die Wahl zum höchsten Langnauer kam, umso ruhiger wurde es um Sie. Haben Sie sich bewusst zurückgehalten?
Nach unserer Hauptversammlung im letzten Frühling haben Sie ja selber geschrieben, wir würden unseren Gemeinderat (Heinz Lauenstein, Vorsteher Ressort Finanzen, Anm. der Red.) jeweils hart kritisieren. Wir haben das dann in der Partei diskutiert und beschlossen, uns beim Thema Finanzen etwas zurückzunehmen.

Um den eigenen Gemeinderat etwas zu schonen?
Ja.

Nicht, weil Sie Angst hatten, Sie würden sonst nicht als GGR-Präsident gewählt?
Nein. Einzig die Motion zum Dorfmühleareal habe ich aus Rücksicht auf das GGR-Präsidium zurückgezogen. Weil ich eine abgeänderte Motion nicht selber hätte vertreten können oder das Präsidium für dieses Geschäft dem ersten Vizepräsidenten hätte übergeben müssen. Das wollte ich nicht.

Das Langnauer Parlament zeichnet sich allgemein als recht harmonisch aus. Haben Ihre angriffigen Voten Ihrer politischen Karriere geschadet?
Ich denke, die Leute kennen mich jetzt so. Und so bin ich auch. Mir ist wichtig, dass das Parlament diskutiert und um die beste Lösung fightet. Die Lösung, die der Gemeinderat bringt, muss nicht automatisch die beste sein. Er bringt Vorschläge, die man diskutieren kann. Aber es gibt auch andere Lösungen. Gut gemeint ist nicht immer gut.

Als GGR-Präsident können Sie nicht mitfighten. Fällt Ihnen das schwer?
(lacht) Wahrscheinlich werde ich mich zwischendurch schon zusammenreissen müssen. Aber so sind die Regeln.

Bei welchem Geschäft wird Ihnen die Zurückhaltung besonders schwer fallen?
Ich bin ja immer noch in der Finanzkommission. Deshalb sind mir Finanzthemen am nächsten. Und auch zum Reglement über das Beschaffungswesen hatte die FDP gute Ideen. Die konnten nun meine Parteikollegen vertreten.

Haben Sie als Bewohner des Unterdorfs die Initiative unterschrieben, die will, dass der Spielplatz beim Kindergarten an der Mooseggstrasse erhalten bleibt?
Der Unterschriftenbogen kam nie bis zu mir. Tatsächlich bin ich mit dem Vorgehen des Gemeinderates nicht einverstanden. Mich stört, dass er das Areal verkaufen und das Geld für den laufenden Betrieb verwenden will. Das ist nicht nachhaltig. Der Gemeinderat machte das in den letzten Jahren häufig so. Er hat Substanz verkauft und das Geld in den Betrieb gesteckt. So wird ein strukturelles Defizit immer wieder mit irgendwelchen Verkäufen überdeckt. Das entspricht einem bloss kurzfristigen Denken.

Aus diesem Grund werden Sie die Initiative unterstützen?
Ja. Ich möchte, dass die Parzelle als Baulandreserve in Gemeindebesitz bleibt oder im Baurecht abgegeben wird, damit die Gemeinde längerfristig einen Nutzen davon hat.

Sie als Sparer werden sich also für den Spielplatz einsetzen? Ist es Aufgabe einer Gemeinde, Spielplätze zu erhalten? Das ist sicher keine vordringliche Aufgabe, aber die Gemeinde hat auch andere Spielplätze.

Sie sind auch Parteipräsident. Werden Sie in diesem Jahr hinter den Kulissen Energie darauf verwenden, die andern FDP-Ratsmitglieder zu Vorstössen anzutreiben?
Das ist nicht nötig. Und für die FDP muss auch nicht jedes Jahr so intensiv sein wie das letzte.

Wo können Sie als GGR-Präsident Einfluss nehmen?
Der Einfluss ist sehr beschränkt. Manchmal kann man eine Debatte vielleicht etwas steuern. Oder bei Abstimmungen kann es einen Einfluss haben, ob man Anträge einander gegenüberstellt oder einzeln abstimmen lässt.

Das bestimmt der Präsident aber nicht alleine.
Der Präsident legt ein Vorgehen fest und schlägt dieses dem Parlament vor. Der Rat kann ein anderes verlangen. Meistens wird der Vorschlag aber angenommen. Grossen Einfluss hat der Präsident, wenn er einen Stichentscheid fällen kann.

Welches sind Ihre Ziele als GGR-Präsident?
Mir ist es wichtig, dass es angeregte Diskussionen gibt und dass man nach der besten Lösung sucht. Mein Ziel ist nicht ein möglichst lockerer Job...

...oder möglichst kurze Sitzungen?
Das auch nicht.

Wie werden Sie als GGR-Präsident eigentlich entschädigt?
Keine Ahnung.

Sie wissen nicht, ob und wie viel die Gemeinde an Ihnen gespart hat, weil im Januar keine Sitzung stattfand?
Nein. (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.03.2015, 07:19 Uhr

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Zur Person

Toni Rösli wird im Mai 50. Er ist Vater von vier Kindern und arbeitet im Generalsekretariat des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport als stellvertretender Bereichsleiter. 2013 bewarb er sich bei den Gemeindewahlen in Langnau um das Amt des Gemeindepräsidenten, konnte den Bisherigen Bernhard Antener aber nicht gefährden.

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