Emmental

«Energieholz wird vorläufig nicht knapp»

EmmentalWährend in der Schweiz 10 Prozent der Häuser mit Holz beheizt werden, sind es im Emmental 15 Prozent. Die Vereinigung Holzenergie Emmental möchte diesen Anteil verdoppeln. Geschäftsführer Thomas Müller hat keine Angst, dass das Energieholz knapp werden könnte.

Anders als viele Waldbesitzer hat Thomas Müller Freude an Totholz, wie der Stamm in seinem Garten beweist.

Anders als viele Waldbesitzer hat Thomas Müller Freude an Totholz, wie der Stamm in seinem Garten beweist. Bild: Thomas Peter

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Herr Müller, werden die Wälder schon bald geplündert?
Thomas Müller: Das ist nicht gefährlich. Das Waldgesetz sorgt dafür, dass der Wald nicht zu stark genutzt wird.

Die Frage zielt weniger auf Waldbesitzer ab als auf Private, die Nachschub für ihre Holzheizungen holen könnten.
Ich hoffe natürlich, dass es trotz der Zunahme an Holzheizungen, nicht so weit kommt. Doch es ist auch schon vorgekommen, dass gestapeltes Energieholz gestohlen wurde.

Das war aber profaner Diebstahl. Oder wird Energieholz bereits knapp?
Nein, wir haben ein grosses nicht genutztes Potenzial. Wenn man alles einbezieht, kommt man auf 6 Millionen Kubik pro Jahr. Genutzt werden etwa 4 Millionen.

Diese Zahlen beziehen sich auf die Schweiz. Wie sieht es in Bezug auf das Emmental aus?
Wir haben ähnliche Verhältnisse. Auch hier werden nur rund zwei Drittel des Nachwuchses genutzt.

Aber als Energieträger ist das Holz beliebter geworden.
Auf jeden Fall. Die Zunahme erfolgte vor allem über die Schnitzelheizungen der grossen Wärmeverbunde. Diese haben in den letzten Jahren um etwa 40 Prozent zugenommen.

Im Emmental?
Schweizweit. Aber im Emmental ist es auch nicht anders. Die Schnitzelmenge für Wärmeverbunde ist stark steigend. Und der Pelletverbrauch ist explodiert.

Ist es sinnvoll, Energie zu verbrauchen für die Pelletproduktion?
Natürlich braucht es etwas Energie, um Sägemehl und Hobelspäne zu trocknen und zu pressen. Aber wir sprechen hier von grauer Energie von lediglich etwa 3,5 Prozent. Stückholz mit 1,2 Prozent schneidet besser ab. Schnitzel liegen irgendwo dazwischen. Beim Erdöl macht die graue Energie aber etwa 12 Prozent aus.

Wie verhält es sich preislich?
Beim Heizöl kostet die Kilowattstunde 10 Rappen, bei den Pellets 7 bis 8 Rappen und bei den Schnitzeln 5 Rappen. 2009 gab es bei den Pellets einen Engpass, sodass importiert werden musste. Damals stiegen die Preise, was zu einem leichten Einbruch führte. Aber jetzt hat sich der Pelletmarkt erholt, die Produktion steigt stetig, wobei die Schweiz von den Kapazitäten und den Rohstoffen her noch dreimal mehr produzieren könnte. Pellet ist der Rohstoff, der am einfachsten zu verbrennen ist. Er ist homogen und sauber.

Apropos sauber: Wie begegnen Sie dem Problem, dass Holzheizungen Feinstaub produzieren?
Zu der gesamten Feinstaubbelastung tragen die Holzfeuerungen 7 Prozent bei. An ganz kalten Wintertagen, wenn sich die Luftschichten kaum bewegen, kann diese Belastung auch höher werden. Doch wer ganz trockenes Holz verbrennt und richtig anfeuert, hält die Grenzwerte ohne Filter ein.

Schweizweit werden knapp 10 Prozent der Häuser mit Holz geheizt, im Emmental sind es 15 Prozent. Wie erklären Sie den höheren Anteil hier?
Das Emmental ist die holzreichste Gegend Europas.

Holzenergie Emmental möchte den Anteil verdoppeln. Wie ist das zu erreichen?
Dadurch, dass Wälder besser genutzt und Gebäudehüllen saniert werden. Man sieht das bei bestehenden Wärmeverbunden, zum Beispiel in Wasen: Jedes Jahr wurden neue Häuser angehängt, aber der gleiche Heizkessel hat genügend Energie geliefert. Weil in den Häusern Fenster ersetzt oder Dächer erneuert wurden und deshalb laufend weniger Energie nötig war.

Wie wollen Sie einwirken, dass Wälder stärker genutzt werden?
Da können wir nichts machen, die Preise müssen stimmen. 2009, als wir das Rohstoffpotenzial im Emmental erhoben, haben wir nebst einer realistischen Variante auch eine Maximalvariante errechnet. Letztere basierte auf einem höheren Holzpreis, der dafür sorgen würde, dass auch in weniger gut zugänglichen Wäldern Holz geschlagen würde. Man errechnete eine Zunahme von über 35 Prozent. Aber das ist halt die Unsicherheit, mit der wir leben müssen: Zwei Drittel des Emmentaler Waldes gehört Privaten, und diese kann niemand zwingen, Holz zu schlagen.

Wie haben sich die Preise seit dieser Berechnung entwickelt?
Sie haben sich leicht erholt. Das Energieholzsortiment ist immer gekoppelt an die übrigen Holzpreise. Man geht nicht holzen, um Energieholz zu gewinnen, sondern wegen des Holzes, das verarbeitet werden kann. Im Emmental sowieso.

Warum?
Weil hier mit den grossen Weisstannen nur etwa 20 Prozent des geschlagenen Holzes direkt als Energieholz verwendet werden. Der grosse Teil geht in die Sägerei – anders als etwa im Jura, wo rund 80 Prozent der Buchenwälder direkt als Energieholz dienen.

Aber auch im Emmental nehmen die Laubbäume zu. Ist das mit ein Grund, weshalb Sie davon ausgehen, dass das Energieholz dafür reicht, doppelt so viele Häuser zu beheizen?
Dadurch, dass kaum mehr junge Tännchen gepflanzt werden, entstehen mehr Mischwälder, nehmen die Buchen stark zu. So entsteht ein zusätzliches Potenzial, mit dem neuer Bedarf an Energieholz gedeckt werden kann. Zudem hat sich die Holzernte verändert. Weil der Arbeitsaufwand zu gross war, wurden die Äste in den letzten Jahren im Wald liegen gelassen. Dank neuer Technologie ist es heute einfach, auch Äste aus dem Wald zu holen, somit gibt es auch hier mehr Energieholz. Eine Verknappung ist vorläufig sicher kein Thema.

Es hiess aber, das Astwerk liegen zu lassen, fördere die Ökologie.
Das stimmt. Wahrscheinlich wird man bald darüber diskutieren, was zu unternehmen sei, damit bei einem Holzschlag nicht zu viel abgeräumt werde.

Ärgert es Sie als Förderer der Holzenergie, wenn Sie aus ökologischen Gründen einen gewissen Anteil an abgestorbenen Bäumen im Wald stehen lassen müssen?
Da gehen die Meinungen stark auseinander. Ich persönlich finde das nicht so schlimm, denn ein Totholzstamm bleibt über viele Jahre bestehen.

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie einen Wald sehen, der seit Jahrzehnten nie mehr genutzt wurde?
Wenn wir unseren Lebensstandard halten wollen, muss die benötigte Energie von irgendwoher kommen. Deshalb wäre es doch sinnvoll, den Bedarf mit der Energie zu decken, die vor unserer Haustüre wächst.

Was sagen Sie dazu, dass geschnittenes, aber unbehandeltes Holz oder Einwegpalette nicht zum Heizen verbrannt werden dürfen?
In geeigneten Heizungen darf man belastetes Holz verbrennen. Aber es ist schwierig, dem Holz anzusehen, ob es belastet ist oder nicht. Es ist ein Markt entstanden: Lange wurde Altholz von der Schweiz zum Verbrennen nach Italien transportiert. Das war wahrscheinlich kein schlechtes Geschäft. Inzwischen haben wir in der Schweiz ansehnliche Kapazitäten, dieses Holz zu verbrennen. Und die Altstoffhändler bedienen diese Kette wahrscheinlich gern. Ich staune jedenfalls schon, dass man sich in der Schweiz so schwertut damit, diese Vorschrift für unbehandeltes Holz zu lockern.

Holzfeuerungen verführen auch dazu, den Hauskehricht im Ofen zu entsorgen.
Dazu könnte der Kaminfeger mehr sagen. Ich denke, das ist kein so grosses Problem mehr. Es war vor allem die ältere Generation, die noch gewohnt war, Abfälle zu verbrennen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.04.2014, 07:19 Uhr

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Zur Person

Thomas Müller ist Landwirt in Heimisbach und führt seit 2009 nebenbei die Geschäftsstelle der Vereinigung Holzenergie Emmental. Diese führte diese Woche ihre 20.Hauptversammlung durch. Sie zählt aktuell 127 Mitglieder und setzt sich nebst Waldbesitzern und Holzverarbeitern aus Heizungsinstallateuren, Heizkesselherstellern und Architekten zusammen.

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