Die Tigers-Fans in Bildern

Langnau

Die einen basteln stundenlang an einem Transparent für ihre SCL Tigers, die andern lernen im Ilfisstadion ihre grosse Liebe kennen: Angelo Liechti und Markus Zahno schildern, was das Leben der Langnau-Fans ausmacht.

Stephan Künzi

Was macht den Fan zum Fan? Warum lassen sich Männer und Frauen, Alte und Junge, von einem Mannschaftssport derart in den Bann ziehen, dass in ihrem Leben nicht viel anderes mehr Platz hat? Wer nicht vom Virus infiziert ist, kann über all jene, für ihren Club durch dick und dünn gehen, meist nur halb belustigt, halb verständnislos den Kopf schütteln. Doch vielleicht bald nicht mehr – dann nämlich, wenn er oder sie dieses Buch gelesen ins Regal stellt.«Die Fans der SCL Tigers», lautet die Botschaft auf dem – natürlich im Rot und Gelb des Langnauer Eishockeyteams gehaltenen – Titel einfach und klar, und das sagt schon alles. Auf 200 Seiten lassen der Burgdorfer Fotograf Angelo Liechti und der BZ-Redaktor Markus Zahno tiefe Einblicke ins vielfältige Leben rund um das sportliche Aushängeschild des oberen Emmentals zu – über grossflächige Bilder ebenso wie über einfühlsame Geschichten.Den Job gewechseltDie beiden erzählen einfach und anschaulich, wie sehr die Tigers den Alltag als Fan prägen. Etwa, dass man Saison für Saison bis zu 6000 Kilometer quer durchs ganze Land zurücklegt, nur, um bei den Spielen dabei sein zu können. Dass man für die Stadioneintritte, die neusten Fanartikel oder die obligate Bratwurst mit Bier einen Monatslohn oder mehr liegenlässt. Dass man sogar den Job wechselt, weil man nicht mehr abends oder am Wochenende arbeiten und so Match um Match verpassen will.Florian Portmann hat diesen Schritt getan, er war einst Koch und ist heute Fleischveredler in einer Grossmetzgerei, wo er, so der Text im Buch, «schon Feierabend hat, wenn der Car mit den Fans nachmittags um halb vier nach Davos oder Lugano fährt». Portmann deutet zwar an, dass er mit dieser Arbeit vielleicht nicht gerade das grosse Los gezogen hat. Dafür hat er es in der – auch da geht für Aussenstehende eine neue Welt auf – Fan-Hierarchie zum Trümeler geschafft, der die Fans anfeuert. Sehr emotional geht es dabei zu und her: «Nach Siegen ist er durchgeschwitzt und glücklich, nach Niederlagen erschöpft und traurig. Dann stellt er seine Pauke ab, sitzt im sich leerenden Fan-Egge hin, zündet eine Zigarette an und denkt über das Spiel nach.»Wie weit das Tigers-Fieber um sich greift, zeigen zwei weitere Beispiele. Jenes von Daniel Aebi, der anderthalb Stunden Autofahrt vom Ilfisstadion weg in einem 200-Seelen-Dorf zwischen Freiburg und Lausanne wohnt und – nein, eben nicht für das näher liegende Freiburg-Gottéron, sondern eben für die SCL Tigers fant. Weil er, wie er mit einem Blick auf seine Identitätskarte sagt, «Affoltern BE» zum Heimatort habe.Am Live-TickerNoch weiter weg wohnt Bernhard Gottier, aufgewachsen auf der Moosegg und von daher mit dem SCL-Virus infiziert, heute Mitinhaber eines Reisebüros in Mexiko-Stadt. Wenn die Tigers spielen, läuft in seinem Büro der Internet-Live-Ticker des Eishockeyverbandes. Und da kann es vorkommen, dass er ein Kundengespräch am Telefon unterbricht – «un momento, por favor» –, die Arme hochreisst und freudig verkündet: «Zwöi zu null. Sie füehre zwöi zu null!»Für 10 SekundenFür einige endet die Liebe zu den Tigers nicht im Stadion. Wie bei Sabrina Steiner, die mal einem Security-Mann ob allem Mitfiebern die Jacke um den Kopf geschlagen hat. Als Wiedergutmachung machten die beiden zum Umtrunk ab, heute leben sie zusammen und haben eine zweijährige Tochter. «Seit kurzem darf Jennifer mit an den Match», schildert das Buch. «Sie trägt das kleinste Kinder-Tigerdress, das ihr trotzdem bis zu den Füssen reicht, zu Hause, über dem Bettchen, hängt das Mannschaftsfoto der SCL Tigers.»Man ist als Fan halt sehr viel mit anderen Fans zusammen, bastelt zum Beispiel «ganze Wochenenden lang» an Choreografien, die einen kurzen Moment lang im Stadion für Stimmung sorgen werden. Da kommen locker 150 Arbeitsstunden zusammen, fallen locker 900 Franken Materialgeld an, «und das alles für 10 Sekunden» – damit das Publikum auf einem Transparent, das fast den ganzen Fansektor bedeckt, das Bekenntnis «Läbeslangnou» zu Geischt bekommt.«Die Verrücktesten»Kein Wunder, wenn Tigers-Präsident Hans Grunder im Vorwort erwähnt, dass seine Fans als «die Originellsten», als «die Verrücktesten», ja, ganz sicher als «die Treuesten» im ganzen Land gelten. «Alle Augen sind an unseren Matches auf das Spielfeld gerichtet», stellt er dann noch fest und: «Was aber wäre, wenn unsere Fans nur stumme Zuschauer wären oder ganz einfach fehlen würden? Die Ilfishalle wäre eine Geisterhalle ohne jeden Charakter oder Charme, ganz einfach ohne Leben.»

Berner Zeitung

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