Affoltern

«Die Kirche hat Besseres anzubieten als Trendiges»

AffolternNächste Woche findet in der Kirche Affoltern eine «Besinnungswoche» statt. Pfarrer Ulrich Trösch erklärt, warum er den Träger des Deutschen Predigtpreises als Referenten eingeladen hat – und was er von Predigtpreisen hält.

Ulrich Trösch freut sich auf hohen Besuch: Nächste Woche spricht mit Fulbert Steffensky ein in kirchlichen Kreisen bekannter Theologe in der Kirche Affoltern. Er sei eine Art «Kirchenvater der Reformierten», sagt Trösch.

Ulrich Trösch freut sich auf hohen Besuch: Nächste Woche spricht mit Fulbert Steffensky ein in kirchlichen Kreisen bekannter Theologe in der Kirche Affoltern. Er sei eine Art «Kirchenvater der Reformierten», sagt Trösch. Bild: Thomas Peter

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Herr Trösch, worauf besinnt man sich in der Kirchgemeinde Affoltern in der Besinnungswoche?
Ulrich Trösch: Die Besinnungswoche hat bei uns eine starke, alte Tradition. Es gibt sie seit mindestens 60 Jahren, sie findet immer in der letzten Woche des Kirchenjahres statt. Es geht darum, sich auf die geistliche Grundlage unseres Glaubens zu besinnen, auf das Bibelwort und das Geheimnis unseres Lebens.

Was sind das für Leute, die am Programm teilnehmen?
Menschen aus Affoltern, Menschen, die sonst am Sonntag in den Gottesdienst kommen, aber auch solche, die nicht oft in der Kirche sind. Manchmal kommen sie aber auch von auswärts, denn wir versuchen jeweils, theologisch besonders ausgewiesene Referenten zu gewinnen.

«Besinnungswoche» – das klingt aber nach einer ziemlich altväterischen Veranstaltung.
Das stört mich nicht. Manchmal haben wir die Woche auch schon als Predigtwoche ausgeschrieben. Aber ich sehe eigentlich keinen Grund, an dem Namen etwas zu ändern. Wir haben Besseres anzubieten als Trendiges.

Kennen Sie andere Kirchgemeinden, die Besinnungswochen anbieten?
Umliegende Gemeinden haben früher auch solche durchgeführt. Jetzt richten sie ihre Veranstaltungen eher nach einem bestimmten Thema aus.

Dieses Jahr wird Fulbert Steffensky in Affoltern auftreten, der Theologe, der am Mittwoch in Deutschland den Predigtpreis für sein Lebenswerk erhalten hat. Wie haben Sie es geschafft, dass er nach Affoltern kommt?
Wir haben ihn angefragt, und er hat sofort zugesagt.

Warum haben Sie gerade ihn gefragt?
Steffensky ist so etwas wie der aktuelle Kirchenvater der Reformierten. Überall wird er zitiert. Ich habe viel Faszinierendes von ihm gelesen. In den kirchlichen Medien ist er ein prominenter Vertreter des heutigen Protestantismus. Auch seine Lebensbiografie verleiht ihm eine wichtige Stimme.

Eine Stimme, die Ihre Kirche Abend für Abend füllen wird?
Das hoffe ich. Zahlen sind für mich aber nicht wichtig.

Was erwarten Sie denn von Steffensky?
Jemand hat gesagt, Fulbert Steffensky habe wie nur wenige «die Tradition des Christentums, die Geschichte der Bibel und die Lieder der Kirche neu und in einer poetischen Sprache interpretiert, die Menschen berührt». Das fasst sehr gut zusammen, was er zu sagen hat.

Steffensky ist Träger des Predigtpreises. Wann ist eine Predigt in Ihren Augen eine gute Predigt?
Wenn sie die Hörerinnen und Hörer zur Quelle des Lebens führt. In der über 2000-jährigen Tradition des Christentums haben die Worte der Heiligen Schrift unzählige Menschen in die Nähe Gottes gebracht. Eine gute Predigt kann aber nicht garantieren, dass das passiert. Ob die Hörer vom Lebendigen angesprochen werden, hat auch nichts mit Bildung zu tun.

Trotzdem wollen nun auch die Reformierten in der Schweiz einen Predigtpreis verleihen. Ist das nötig?
Ob es nötig ist, weiss ich nicht. Sicher hilft es, dass in der Öffentlichkeit vom Gottesdienst und von der Predigt die Rede ist. Die Reformierten gehen ja oft etwas vergessen, während die katholische Kirche in den Medien viel stärker vertreten ist.

Werden Sie selber beim Wettbewerb um den Predigtpreis auch mitmachen und ebenfalls eine Predigt zur Bewertung einschicken?
Ich habe es nicht vor.

Zur Person: Ulrich Trösch führt das Pfarramt Affoltern seit 30 Jahren. gemeinsam mit seiner Frau Ursula.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 23.11.2013, 14:00 Uhr

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«Was liebe ich am Christentum?» Unter diesem Titel referiert Fulbert Steffensky nächste Woche in der Kirche Affoltern jeweils am Montag, Mittwoch und Freitag um 20 Uhr sowie am Donnerstag um 13.30 und am Sonntag um 10 Uhr.
Steffensky beschäftigt die Frage, wie sich eine Kirche verändern müsse, die in der Gesellschaft zwar wichtig, aber nicht mehr tonangebend sei. «Wie interpretiert man die alten Schätze neu, ohne sie zu verraten?», lautet eine seiner Kernfragen.

Am Mittwoch nahm Steffensky vom Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG den Predigtpreis 2013 entgegen. Der 80-Jährige wurde für sein Lebenswerk geehrt. In Deutschland hatte er katholische und evangelische Theologie studiert, 13 Jahre lebte er als Benediktinermönch in der Abtei Maria Laach. 1969 konvertierte er zum Protestantismus. Der ehemalige Professor für Erziehungswissenschaften und für Religionspädagogik lebt heute in Luzern.

www.kircheaffoltern.ch

Der Predigtpreis

Die Reformierten in der Schweiz wollen «die Predigtkunst fördern». Deshalb lanciert der Schweizerische Evangelische
Kirchenbund einen Predigtpreis, den er nächstes Jahr erstmals verleihen will. Mit dem Predigtpreis will er die Predigtkultur stärker ins öffentliche Interesse rücken und «gelungene Über-setzungen des Evangeliums in die heutige Zeit würdigen», steht in einer Medienmitteilung.

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