Der Herr der Battle Queen

Utzenstorf

Heute vor 70 Jahren musste ein US-Bomber in Utzenstorf notlanden. Einer, der sich dafür besonders interessiert, ist Rolf Zaugg. Er führt ein privates Museum – und steht in Kontakt mit den Nachkommen der Besatzung des Kampfflugzeugs.

Ein Raum voller Militaria. Rolf Zaugg betreibt in Utzenstorf ein Bombermuseum, das sich der Zeit des Zweiten Weltkrieges widmet.<p class='credit'>(Bild: Thomas Peter)</p>

Ein Raum voller Militaria. Rolf Zaugg betreibt in Utzenstorf ein Bombermuseum, das sich der Zeit des Zweiten Weltkrieges widmet.

(Bild: Thomas Peter)

Über eine Treppe gelangt man ins B-17-Museum, in das Reich von Rolf Zaugg. Hier sind auf engstem Raum amerikanische Uniformen aus dem Zweiten Weltkrieg zu sehen. Dazu gesellen sich Kopfbedeckungen, Fliegerbrillen, Orden, Fotos. Und verschiedenste Wrackteile von amerikanischen Militärflugzeugen, die während des Kriegs in der Schweiz abgestürzt sind: ein Teil eines Steuerrads, ein Co-Piloten-Sitz, ein Propellerblatt, ein Fallschirm und gar ein ganzer Flugzeugmotor. Im Hintergrund sind amerikanische Songs aus den 1940er-Jahren zu hören.

Mehrere Bomber

«Im ehemaligen Fraubrunnenamt sind während des Zweiten Weltkriegs gleich drei Bomber notgelandet: die B-17 Battle Queen in Utzenstorf, die B-24 Battlin’ Baby und die B-24 Meat Around the Corner in Jegenstorf. Alle drei Flugzeuge wurden in der Schweiz verschrottet, die Besatzung à je zehn Mann interniert», erklärt Rolf Zaugg in der Fraubrunnenamt-Ecke. «Mittlerweile sind bis auf eine Person alle Besatzungsmitglieder dieser drei Flugzeuge gestorben – doch interessanterweise halten etliche Kinder und sogar Enkel den Kontakt zu mir aufrecht.»

Es begann in England

Weshalb begann sich Zaugg überhaupt für die niedergegangen Bomber und ihre Besatzungen zu interessieren? Angefangen habe eigentlich alles in den 1990er-Jahren, berichtet er. Damals sei er mit einem Freund nach England gereist und habe dort zum ersten Mal restaurierte Flugzeuge aus dem zweiten Weltkrieg in Aktion gesehen: «Besonders faszinierten mich natürlich die B-17, weil so eine in Utzenstorf niedergegangen war.» Er wollte aber auch mehr über die Besatzungsmitglieder wissen, die nach Ende des Kriegs aus der Internierung entlassen worden seien. So habe er angefangen, nachzuforschen: «Anhand von Besatzungslisten habe ich Adressen ausfindig gemacht und aufs Geratewohl hin Briefe geschrieben.» Manchmal habe er überhaupt nichts gehört, erzählt der eher zurückhaltende Utzenstorfer: «Doch manchmal kam auch nach Monaten ohne Nachricht plötzlich eine Antwort – und zum Teil waren sogar Fotos, Tagebuchkopien oder Berichte beigelegt.»

Als Lokalhistorikerin Barbara Kummer im Jahr 1993 zum 50-Jahr-Jubiläum der Bomberlandung in Utzenstorf ungefähr 20 Veteranen eingeladen habe, sei er mit diesen ins Gespräch gekommen, berichtet Rolf Zaugg: «Da traf ich unter anderem auch den vor zwei Jahren verstorbenen Präsidenten der Swiss Internees Association, Robert (Bob) A.Long, der in Dübendorf notgelandet war.» Dank der Mithilfe von Long habe er den Aufenthaltsort vieler Ehemaliger ausfindig machen können, erzählt der gelernte Hochbauzeichner: «Da haben sich zum Teil ganz schöne Briefwechsel und E-Mail-Kontakte ergeben.»

Berührende Momente

«Eindrückliche Momente sind immer, wenn ich wider Erwarten auf einen weiteren noch lebenden Veteranen stosse – oder wenn sich Nachkommen von Veteranen bei mir melden und etwas über ihren Vater oder Grossvater wissen wollen», sagt Zaugg. «Besonders berührend ist aber für mich jeweils, wenn Veteranen – zum Teil nach Jahrzehnten oder gar zum ersten Mal seit dem Krieg – in die Schweiz kommen und ich sie an die Orte führen darf, wo sie vor so langer Zeit schon einmal gewesen waren.» Oder wenn ihn eben die Kinder und Enkel jener Veteranen besuchten, um den Spuren ihrer Vorfahren nachzugehen – wie dies zuletzt im Frühsommer geschehen sei.

Besuche und Führungen in Rolf Zauggs Privatmuseum auf Anfrage. Tel. 079 653'13'57

Berner Zeitung

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