«Andere Sportzentren beneiden uns»

Sumiswald

Das Forum feiert dieses Jahr sein 15-jähriges Bestehen. Dass der Betrieb überhaupt noch existiert, ist nicht selbstverständlich. Doch jetzt blickt Geschäftsführerin Cornelia Schnell überaus optimistisch in die Zukunft.

Geschäftsführerin Cornelia Schnell sagt dem Forum Sumiswald eine positive Entwicklung voraus.

Geschäftsführerin Cornelia Schnell sagt dem Forum Sumiswald eine positive Entwicklung voraus.

(Bild: Thomas Peter)

Frau Schnell, 2002 stand der Verein, der das Forum damals noch betrieb, vor dem Konkurs. Seit 2004 läuft der Betrieb über eine AG. Wie steht das Forum heute finanziell da? Cornelia Schnell: Sehr gut. In den Jahren 2010 und 2011 konnten wir sehr gute Resultate erzielen. 2011 konnten wir den Mitarbeitern erstmals eine Erfolgsbeteiligung ausbezahlen. Dank einem motivierten Team haben wir alle gemeinsam gesteckten Ziele erreicht.

Welche Ziele? Wir müssen einen bestimmten Cashflow erreichen, damit wir das inzwischen 15-jährige Gebäude unterhalten können. Zudem wollen wir die Gastgeber sein im Emmental.

Das war ja lange das Problem: dass kein Geld für den Unterhalt erwirtschaftet werden konnte. Sparsam müssen wir trotzdem sein, grössere Auslagen können wir noch nicht alleine tragen.

Wurden bereits grössere Unterhaltsarbeiten gemacht? Wir haben uns vorgenommen, jedes Jahr etwas Grösseres zu machen. So haben wir etwa die Wände neu gestrichen oder 14-jährige Maschinen ersetzt. Dieses Jahr werden wir die Sonnenstoren flicken lassen, die seit drei Jahren defekt sind.

Stehen auch bauliche Veränderungen an? Im Moment nicht, obwohl wir uns das wünschen würden. Das Forum hat gegenüber anderen Sportzentren den Vorteil, dass von der Unterkunft bis zu den Trainingsanlagen alles unter einem Dach ist. Bei uns kann man einchecken und eine Woche lang in Trainer und Finken bleiben. Die Zimmer sind freundlich, aber spartanisch eingerichtet. Den Mehrbettenzimmern stehen Duschen und WC auf der Etage zur Verfügung. 20 Zimmer verfügen über WC und Dusche. Damit genügen wir den heutigen Ansprüchen für Seminare und Schullager oftmals nicht. Wir träumen von mehr Doppelzimmern.

Aber das Forum muss sparen. Kann es sich so überhaupt entwickeln? Not macht erfinderisch. In der Vergangenheit konnten wir viele Projekte dank Lehrlingslagern realisieren. Lehrlinge bauten einen Saunagarten, eine Pétanque-Bahn, verschönerten den Spielplatz, bauten den Zugangsweg zum Restaurant, erstellten einen Unterstand beim Nachteingang und bemalten unsere Betonwände. Unsere finanziellen und personellen Ressourcen hätten dafür nicht gereicht.

Angesichts seiner Geschichte ist es nicht selbstverständlich, dass es das Forum überhaupt noch gibt. Nichts ist selbstverständlich. Aber es stimmt, andere Sportzentren beneiden uns um die Zahlen, die wir in den letzten zwei Jahren erreicht haben. Das haben wir aber auch der Tatsache zu verdanken, dass bei uns nur das Hallenbad defizitär ist. Das lässt sich mit den übrigen Bereichen querfinanzieren.

Das Hallenbad ist also eher eine Last für das Forum? Nein, ganz bestimmt nicht. Es wird aber immer defizitär bleiben. Sonst müssten wir die Eintrittspreise derart erhöhen, dass man es sich nicht mehr leisten könnte. Aber wir wollen ja den Schulen und den Kindern der Region etwas bieten. Zudem können wir den Trainingslagern dank dem Hallenbad eine zusätzliche Abwechslung anbieten.

Beteiligt sich die Gemeinde noch an dem Defizit? Sie übernimmt jährlich 150'000 Franken.

Und das Forum? Kommt es heute gänzlich ohne öffentliche Unterstützung aus? Ja.

Sie sind seit fast drei Jahren Geschäftsführerin der Forum Sumiswald AG. Wie hat sich die Auslastung des Betriebs in dieser Zeit entwickelt? Wir konnten die Logiernächte um fast 30 Prozent steigern.

Was machen Sie besser als Ihre Vorgänger? Wir machen nichts besser, sondern einfach anders. Ich durfte einen gut organisierten Betrieb übernehmen. Aber wir haben die Küchenqualität und das Ambiente verbessert. Das Forum ist ein kleines und damit familiäres Sportzentrum, das flexibel auf die Wünsche der Kunden eingehen kann.

Was haben Sie konkret geändert? Zuerst einmal habe ich einen ausgebildeten Koch angestellt. Als ich kam, war kein gelernter Koch hier am Werk. Heute haben wir drei Profis in der Küche, die eine sportlergerechte Menüplanung machen, bei der die Gäste mitreden können. Es ist nicht einfach, den Wünschen von 250 Lehrlingen im Teenageralter gerecht zu werden. Im Gegensatz zu früher wird die Küche heute gelobt.

Aber man kommt nicht nur wegen des Essens ins Forum.

Bei uns werden Trainings- oder Lehrlingslager durchgeführt, Landschulwochen, Seminare, Events und Grossanlässe für 800 bis 1000 Personen. 17 Firmen haben hier zudem ihr Weihnachtsessen durchgeführt. Heute will man ja nicht mehr nur sitzen und essen, sondern sich auch aktiv betätigen. Bei uns kann man klettern, bogenschiessen, kegeln, Züpfe backen, Badeölmischungen oder Geschenkverpackungen herstellen und Drinks mixen. Für solche Sachen ist die Nachfrage gross. Zudem leben wir in einer wunderschönen Gegend. Und 2013 hat Schweiz Tourismus zum Jahr des Brauchtums ausgeschrieben. Mit Hornussen, Platzgen und Schwingen liegen wir da voll im Trend.

Sie haben also keine Angst, dass das Forum plötzlich rote Zahlen schreibt? Ich blicke sehr positiv in die Zukunft. Lustig ist ja, dass der Ruf des Forums ausserhalb des Emmentals besser ist als in der Region selber. Hier hat es sich noch nicht so recht herumgesprochen, dass das Angebot im Forum besser geworden ist.

Heute eröffnen Sie das Jubiläumsjahr. Was erhoffen Sie sich von den Anlässen? Wir erwarten natürlich viele Gäste. Zusammen mit einem hochmotivierten OK und der Hilfe der einheimischen Vereine werden durchs ganze Jahr eine Reihe von Aktivitäten angeboten (siehe Kasten, Anm. Red.). Wir hoffen, dass wir mit den Einnahmen endlich eine Anlage für Beachvolleyball – und, wenn das Geld reicht, auch gleich noch für Beachsoccer – realisieren können. Das ist unser Geburtstagswunsch. Dann hätten wir im Emmental einen Vorteil mehr, von dem wir und die hiesige Bevölkerung profitieren könnten.

Cornelia Schnellarbeitet seit dem 1. März 2010 als Geschäftsführerin der Forum Sumiswald AG. Sie ist 53-jährig, kommt aus dem Laufental, wohnt mit ihrem Lebenspartner heute aber in Utzenstorf. Cornelia Schnell kommt aus dem Gastronomie- und Tourismusbereich, hat vor ihrem Engagement in Sumiswald erst den Zurzacherhof und dann das Tourismusbüro in Zurzach geführt.

Berner Zeitung

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