Sumiswald

Alles, was das Herz begehrt

SumiswaldDas Angebot am Silvestermarkt in Sumiswald ist riesig: Wolliges zum Anziehen, Feines zum Naschen und Volksmusik. Doch als Renner entpuppen sich die warmen Finken.

Farbenfroh und kunterbunt: Die Marktstände laden ein zum Flanieren.

Farbenfroh und kunterbunt: Die Marktstände laden ein zum Flanieren. Bild: Olaf Nörrenberg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Inserat kündigt den traditionellen Silvestermarkt an: am Montag, 30.Dezember. Der letzte Monat im Jahr hat aber 31 Tage, und Silvester ist somit am Dienstag. Das wisse er, sagt der orange gewandete Marktaufseher. Aber an Silvester wolle doch niemand mehr arbeiten – weder Marktkrämer noch Behörden und auch nicht Käufer. Darum sei der Tag davor ideal. Und am Gotthelf-Märit ist Gotthelf ja auch nicht zugegen, trotz des Namens.

Jacken mit Teddyfutter

Die Hauptgasse zwischen den Gasthöfen Bären und Kreuz ist gesäumt von hübschen Ständen. «Da finden Sie alles, was Sie brauchen», verspricht die Annonce. Das hingegen stimmt genau. Was braucht man denn an Tagen wie diesen, wo das Wetter nieslig nass und grau versucht, uns die Laune zu verderben? Etwas Warmes zum Anziehen, etwas Feines zum Naschen und etwas Schönes zum Anhören. Das ist alles vorhanden, mehrfach, im Überfluss.

Gleich zu Beginn steht da der Stand mit den warmen Jacken: innen Teddyfutter, aussen Fleece, bedruckt mit einem Wolfsrudel. «Schau doch die «härzige Hundeli», ermuntert ein frierender Verkäufer eine Passantin. Morgen wolle er ins Thermalbad Zurzach «ga dr Ranze wärme» und – mit Augenzwinkern – die schönen Frauen schauen. Nebenan singen die Calimeros Herzerwärmendes – nur die Füsse bleiben trotzdem kalt. «Seit 38 Jahren verkaufe ich CDs mit dieser Musik» sagt die Märitfrau.

In der Auslage Oeschs, Amigos, Wiesenbergers, friedlich vereint mit Paldauern, Oetztalern, Herzbuben. «Das ist vorbei, wenn einmal die alten Leute nicht mehr kommen» bedauert sie, «die Jungen mögen andere Musik und sie laden sie selber herunter, kaufen keine Tonträger mehr.» Noch sind die älteren Herrschaften aber stark präsent. Sie kosten den Bergkäse, kaufen etwas «Gröikts us em Chemi», blättern in den alten Büchern vom Flohmarktstand, während die Grosskinder um eine weitere Fahrt auf dem Rösslispiel und um eine Zuckerwatte betteln.

Auch ferne Länder sind in Sumiswald vertreten: Mützen, Handschuhe und Jacken aus echter Naturschafwolle, handgestrickt in Nepal. Oder die bunten Kinderjäckchen aus Peru, rundum bestickt mit der ganzen Schöpfungsgeschichte: Sonne, Regen, Bäume, Fische, Tauben, Lamas. Aus Italien dagegen sind die spitzenverzierten, modernen Mehrschichtenpullis. Und wer hat wohl die 200 Pudelmützen in allen Nuancen und Farben des Regenbogens gestrickt, die an einem Gitter prangen? Sogar einen Schuhputzstand gibt es. Da bekommt man gratis glänzende Stiefel, egal ob man die dazu führende Bienenwachswichse kauft oder nicht. Und dann eben den Mittelpunkt, den Beyeler.

Sein währschaftes Schuhwerk, extra gemacht für das Voralpengebiet, ist auf Halbpreis heruntergesetzt. Wer da nicht zugreift, ist selber schuld. Auch Holzböden hat er und Filzpantoffeln, geräumig, gross wie Unterseeboote. Und die Finken, mollig warm, als stünden sie schon unter dem Trittofen. Ein Ehepaar aus Dürrenroth hat gerade ein Paar gekauft, eine Frau von der Schonegg probiert sie an und ist begeistert. Und das Paar vom Wasen auf dem Weg zum Parkplatz, was hat es in der Tasche? «Finken vom Beyeler, darum sind wir ja gekommen.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 31.12.2013, 09:47 Uhr

Marktplatz

Immobilien

Kommentare

Blogs

Tingler Besitz als Idol

Mamablog Bewahre, das Kind!

Service

Mitdiskutieren, teilen, gewinnen.

News für Ihre Timeline.

Die Welt in Bildern

Ab ins All: Die SpaceX Falcon 9 Rakete schiesst sieben Satelliten ins All. Zwei davon werden im Rahmen eines Deutschen Forschungsprojektes eingesetzt, die anderen dienen als normale Kommunikationssatelliten. (22.Mai 2018)
(Bild: Bill Ingalls/NASA/AP) Mehr...