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Eine Zeitreise mit dem «Schulmeister»

Das Theater Lützelflüh spielt 30 Szenen aus Jeremias Gotthelfs «Leiden und Freuden eines Schulmeisters». Ein Bilderbogen vor lieblicher Emmentaler Kulisse, wie er schöner nicht sein könnte.

Schulmeister Peter Käser (Roger Mauerhofer) fährt mit dem Fuhrwerk vor das Schulhüsli Lütiwil in Arni. Seine Habe ist so karg wie sein Wissen. «Lehrit!», fordert er die Schulkinder auf, die auf blossen Füssen und nur unregelmässig zum Unterricht erscheinen. Beten, Psalmen singen und, wenns hoch hergeht, in der Bibel lesen zeugen um 1830 von hoher Bildung. Stockschläge sind allerdings an der Tagesordnung, auch beim sonst gutherzigen, naiven Schulmeister Käser. Der gut aussehende Mann weckt im Dorf Neugierde und bei den Frauen Interesse. Bald heiratet er das Mädeli (Martina Häni). Kind um Kind kommt zur Welt. Der Hungerlohn des Schulmeisters reicht nicht einmal für das Nötigste. Pittoreske Armut Dem Stück «Schulmeister» des Theaters Lützelflüh liegt Jeremias Gotthelfs «Leiden und Freuden eines Schulmeisters» zugrunde. Wohl kein Zufall, dass der Autor die Leiden den Freuden voranstellt. Ein Schulmeister ist ein Niemand. «Die Mächtigen sorgten dafür, dass nur die jemand wurden, die aus den Kreisen kamen, wo man schon jemand war», sagt Regisseur Ueli Remund. Er schrieb einen Bilderbogen, den er mit dem Theater Lützelflüh und weiteren Schauspielern aus der Region inszeniert. Er holt das Essenzielle aus Gotthelfs Werk. Die unvorstellbare Armut wirkt vor der lieblichen Emmentaler Kulisse zwar pittoresk. Aber wahre Armut lässt sich wohl kaum lebensecht darstellen. Trotzdem benennt Remund Gotthelfs Wahrheiten und zeigt: Trotz Schulmeistern bleiben die Menschen ungebildet und sterben so arm, wie sie geboren werden. Der mausarme Schulmeister und seine Familie sind die Helden der Geschichte. Tapfer und fair kämpfen sie um das Überleben. Geschenkt wird ihnen nichts. Allerdings gibt es im Stück so etwas wie ein Happy End: Der Kanton wertet den Schulmeisterberuf auf, und Käser bekommt mehr Lohn. Über 80 spielen mit Heute Abend feiert der «Schulmeister» Premiere. Bei der Vorpremiere vor zwei Tagen sassen rund 400 Abonnenten der Berner Zeitung auf der Tribüne. Chefredaktor Michael Hug hiess sie willkommen, um dann selber das Schauspiel vor den grünen «Högern» und dem historischen Schulhüsli zu geniessen. Der «Schulmeister» ist ein Gemeinschaftswerk: Über 80 Personen spielen mit. Fast die Hälfte von ihnen stammt aus Arni und Umgebung. Die Vereine sorgen für Verpflegung, und hinter den Kulissen sorgen unzählige Helfer dafür, dass alles rund läuft. Weidende Kühe, währschafte Bauernhäuser und Stallgeruch lassen die Freilicht-Theateraufführung zu einer Reise in Gotthelfs Zeiten werden. Laura Fehlmann; Gotthelf Impressionen aus den Gotthelf-Theatern gotthelf.bernerzeitung.ch >

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