Zum Hauptinhalt springen

Eine zehnjährige Odyssee ins Glück

Messerattacke, Bienenangriff oder Gefängnisnacht im afrikanischen Busch: Widrigkeiten waren Bestandteil des weltumspannenden Trips, den der Thuner Kurt Beutler und seine deutsche Partnerin Dorothee Krezmar 1998 von der Kyburgstadt aus in Angriff nahmen (wir berichteten mehrmals). «Gerade weil wir mit dem Velo unterwegs waren, kamen wir manchmal direkt mit der Armut in Berührung. Wir konnten nicht, wie die Autofahrer, einfach die Scheiben hochmachen und weiterfahren», sagt Kurt Beutler. Der Thuner ist kurzzeitig von Köln zurückgekehrt, um für sein Buch mit dem Titel «Odyssee ins Glück» die Werbetrommel zu rühren. Das 384-seitige und bebilderte Buch, welches im Reise-Know-How-Verlag erschienen ist, handelt von persönlichen Erlebnissen einer Weltreise, auf der das Paar 160000 Kilometer auf fünf Kontinenten zurückgelegt hat. Wie die Odyssee dauerte auch die Reise zehn Jahre, und sie stand unter einem glücklichen Stern: «Das Positive überwog klar. Unsere Freunde und Bekannten in Europa wurden zum Beispiel öfter bestohlen als wir», sagt Kurt Beutler. Und er betont: «Die Welt ist besser, als sie in den Medien dargestellt wird. Wir haben unheimlich viel Gastfreundschaft erfahren.» Szenen wie aus Hollywood Eine hollywoodreife Geschichte, die die erwähnte Hilfsbereitschaft illustriert, ereignete sich während der Fahrt durch die nordargentinische Stadt Paso de los Libres: «Dorothee wurde auf offener Strasse von zwei Jugendlichen mit Messern attackiert. In dem Moment brauste ein Wagen heran und rammte den einen Banditen, sodass die beiden die Flucht ergriffen.» Weiteren Erzählstoff bot ein Erlebnis aus Tansania nahe der kongolesischen Grenze: «Wir wurden von einer Horde Buschmännern umzingelt, die uns wohl für Rebellen hielten. Sie bedrohten uns mit Pfeil und Bogen und warfen uns für eine Nacht ins Gefängnis.» Mit Gesten machte Beutler verständlich, dass sie die Tür offen lassen sollen, weil der von Malaria Geplagte ab und zu aufs Klo musste. «Die Buschmänner lachten und kamen der Bitte nach.» Mit Humor liessen sich angespannte Situationen oft meistern, so Beutler. Fünf Euro pro Tag Zurzeit haben sich die beiden Abenteurer in Köln niedergelassen und kümmern sich um die pflegebedürftige Mutter von Dorothee Krezmar. Um ihre eindrucksvollsten Erlebnisse zu verarbeiten, haben sie das Buch in eineinhalb Jahren geschrieben. Zudem veranstalten sie öffentliche Vorträge. Da diese Tätigkeiten ihre gesamte Zeit in Anspruch nehmen, würden sie sich freuen, dereinst bekannt genug zu sein, um vom Buch und den Auftritten leben zu können. «Die häufigsten Fragen des deutschen Publikums, das mir Schweizer stets wohlwollend begegnet, sind: Wie habt ihr die Reise finanziert?», erzählt Beutler. «Von Erspartem, antworte ich, denn wir haben täglich nur fünf Euro pro Person ausgegeben. Zudem entfielen die Fixkosten.» Wo es am schönsten gewesen sei? Laut Beutler «eine Frage, die kaum zu beantworten ist, aber China und Argentinien sind schon bemerkenswert.» Meiden würden er und seine Partnerin nur Äthiopien – «ein schönes Land, wo man uns aber unfreundlich begegnete.» Er könne sich durchaus vorstellen, sich wieder einmal auf den Sattel zu schwingen, sagt der 43-Jährige. Auch, dass das Paar wieder nach Thun zieht, ist nicht ausgeschlossen. Schliesslich sind auch Vorträge in der Schweiz geplant, wo und wann, ist aber noch unklar. Allfälligen Nachahmern gibt der gelernte Velomechaniker immer vor allem einen Tipp: «Einfach machen, keine Angst haben!»Pascal Kupper Das Buch «Odyssee ins Glück» von Kurt Beutler und Dorothee Krezmar ist über die Homepage www.reducespeed.de oder im Buchhandel erhältlich. >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch