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Eine Spur in den Totenwald

Das Massaker von Katyn befindet sich derzeit wieder in vieler Munde. Auch in Burgdorf kam ein Zeitdokument zutage.

Die Nachricht ging um die Welt: Vor wenigen Tagen stürzten der polnische Präsident Lech Kaczynski und gut 90 weitere Mitglieder der Elite mit einem Flugzeug tödlich ab. Die Politiker waren unterwegs zu einem Gedenkanlass im russischen Katyn, wo sich vor 70 Jahren ein Massaker ereignet hatte. Durch das Flugunglück sind diese Gräuel jetzt wiederum ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt; sogar in Burgdorf findet sich eine historische Spur, welche die Erschiessung von über 4000 polnischen Offizieren in den Wäldern um Katyn dokumentiert. Drastische Bilder Das Zeitzeugnis gehört dem historisch interessierten Burgdorfer Heinz Fankhauser. Es handelt sich um ein Faltblatt aus dem Jahr 1943, ist überschrieben mit «Der Totenwald von Katyn» und stammt aus der Propagandafabrik von Nazideutschland. Mit drastischen Fotografien und zwei knapp gehaltenen Texten schildert die Broschüre den grausigen Fund, den in Russland kämpfende deutsche Truppen im Wald von Katyn gemacht hatten. Ursprünglich befand sich das Faltblatt in einem Bieler Haushalt; bei dessen Auflösung gelangte es nach Burgdorf in Fankhausers Archiv. Eine Propagandaschlacht Und das war der Fund, auf den die Deutschen während des Zweiten Weltkriegs im russischen Wald stiessen: ein Massengrab mit über 4000 durch Genickschuss ermordeten polnischen Offizieren. Die Deutschen, die unter dem Naziregime selber mehr als genug Gräuel verübten, wussten, dass diesmal nicht sie, sondern die Russen die Übeltäter waren, und schlachteten den Fund von Katyn propagandistisch aus. Teil dieser Kampagne war auch besagtes Faltblatt, das seinerzeit wohl in tausendfacher Ausführung unter die Leute gelangt sein mochte. Darin steht unter anderem geschrieben: «Die Massengräber im Wald von Katyn ergänzen das Bild der polnischen Tragödie in der Sowjetunion in schauerlicher Weise. Die Systematik dieser Verbrechen kann vom Kreml nicht mehr geleugnet werden.» Genau das aber taten die Sowjets und schoben das Massaker den Deutschen in die Schuhe. Diese Version wurde auch lange nach dem Krieg noch aufrechterhalten. Dies zeigt etwa eine russische Gedenkschrift von 1983, die Heinz Fankhauser in Prag erstand. Erst 1990 bekannte sich Moskau offiziell zu seiner Schuld. Der Vernichtungsaktion waren 1940 nebst den Offizieren in Katyn rund 22000 weitere Angehörige der polnischen Elite zum Opfer gefallen. Infos im Coiffeursalon «Ich habe Jahrgang 1934, bekam als Bub den Zweiten Weltkrieg also mit und hörte Hitler am Radio brüllen», berichtet Heinz Fankhauser. Seine Eltern hätten zwar versucht, ihn so weit als möglich von all den Kriegsdingen fernzuhalten, aber er sei interessiert geblieben. «Bei meinem Coiffeur lagen Zeitschriften mit reichhaltigen Informationen auf, also hielt ich mich einfach zwei Stunden im Coiffeursalon auf, danach war ich jeweils im Bild.» Als junger Mann begann er, gezielt Material zu sammeln. Unter anderem ist es ihm gelungen, alle Ausgaben der «Schweizer Illustrierten Zeitung» aus den Kriegsjahren 1939 bis 1945 zusammenzubekommen.Hans Herrmann >

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