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Eine frische, moderne «Minna»

LangenthalWenn einer die geliebte Frau verstösst, weil er seine Ehre verloren hat, klingt dies verstaubt. Nicht aber, wenn die Neue Bühne Senftenberg die Geschichte der «Minna von Barnhelm» erzählt. Das Berliner Ensemble brachte eine moderne Inszenierung des Lustspiels ins Stadttheater, die vergessen liess, das Gotthold Ephraim Lessing das Stück bereits im 18.Jahrhundert geschrieben hatte. Ein Soldat liegt auf einem Hocker, schlägt mit den Armen um sich und schreit. Es ist der Albtraum des Krieges, der in die Friedenszeit nachhallt. Doch Opfer ist nicht der Soldat, sondern sein Herr. Für den tapferen Major von Tellheim ist in Friedenszeiten keine Verwendung mehr. Zudem soll er Geld unterschlagen haben, ist ruiniert. Trost sucht er nicht etwa in den Armen seiner Minna. Im Gegenteil, er fühlt sich ihrer nicht mehr würdig und geht auf Distanz. Doch Minna lässt nicht von ihm. Wie Maria Prüstel um Tellheim kämpft, ist in der Inszenierung von Esther Undisz umwerfend. Bald spielt sie die naive Verliebte, bald ist sie durchtrieben. Sie schmachtet und schäkert, bis sie ihren Mann zurückerobert hat. Marco Matthes gibt den Umschwärmten verletzt, verstockt und unfähig, Gefühle zu zeigen. Zum «tragischen» Paar gesellt sich immer ein «komisches». Hanka Mark als Minnas Vertraute Franziska erobert mit ihrer Herzenswärme und ihrem sächsischen Dialekt im Sturm das Publikum. Alexander Wulke als Paul Werner steht ihr in nichts nach. Im Bühnenbild aus verschiebbaren Wänden überzeugen auch die Nebenrollen. Diese Sternstunde des Schauspiels wird man in Langenthal nicht so schnell vergessen. Prisca Rotzler Köhli>

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