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Ein Schlagzeug-Weltstar beehrte Thun

MusikEin Weltstar war am Wochenende in Thun zu Gast: Steve Smith, der Ex-Drummer der US-Rockband Journey, vermittelte in einem Workshop an der Schlagzeugschule des Thuner Musikers Tom Beck

Gibt man auf der Online-Videoplattform Youtube den Namen Steve Smith ein, leuchten über 22000 Resultate auf. Das prominente Video hat über eine Million Klicks. Drückt man auf «play», sieht man einen Mann, der sein Handwerk perfekt beherrscht. Er sitzt hinter dem Schlagzeug und spielt die vertracktesten Jazz-Beats der Welt – so, als würde er hinter der Bar den Schüttelbecher schwingen. Während sein Gesicht in die Kamera lächelt, wirbeln die Schlagstöcke in seinen Händen über Becken und Pauken. Am Freitagabend war Steve Smith, amerikanischer Profimusiker und Ex-Drummer der legendären US-Rockband Journey, im Rahmen seiner Europa Clinics Tour in Thun zu Gast. Die Youtube-Videos und die Demonstrationen seines Workshops in der Tanzschule Dap, den sein Berufskollege Tom Beck initiiert und organisiert hat, lassen zwei Schlüsse zu: Dieser Typ hat entweder ein Metronom gefressen, oder er ist eine Maschine. Überlegte Worte Doch im Gespräch vor dem Auftritt in der Garderobe erschütterte der 58-jährige US-Amerikaner diese Vorurteile. Der Verfasser dieser Zeilen empfand den Weltstar als sensiblen, hochintelligenten Mann, der nicht abgedroschene Phrasen herunterleiert, sondern sich sehr genau überlegt, was er sagt. Smith erzählt, dass er als Kind nicht einfach ans Schlagzeug gesetzt wurde. Seiner Karriere als Drummer ging harte Arbeit voraus. «Ich übte zwei Jahre bloss mit meinen Händen auf einem Pad.» Dann erst kamen seine Füsse und weitere Schlagzeugteile ins Spiel. Der Ex-Journey-Drummer erzählt, er habe ein Buch gelesen mit dem Titel «Talent Is Overrated» – zu Deutsch: «Talent ist überbewertet». Das könne er sehr empfehlen. Nicht bloss Talent, sondern harte Arbeit, Auftritte und Feedbacks würden zählen. Der Dreierzyklus, wie ihn Smith nennt. «Man muss üben, dann auftreten. Noch wichtiger ist das Feedback danach, sonst kann man sich nicht verbessern.» Smith und Beck im Duell Nach einem exklusiven Vorgeschmack im Proberaum von Tom Beck, wo er und Smith sich wie zwei froh jauchzende Besessene mit Jazz- und Swing-Beats duellierten, setzte sich Smiths Spielrausch am Workshop in der Thuner Tanzschule Dap fort. Vor rund 100 Zuschauern demonstrierte Smith, warum er möglicherweise der beste Schlagzeuger der Welt ist. Er nahm die Hi-Hat, stellte sie vor dem Publikum auf, spielte mit Sticks, Besen und sogar mit dem Ellbogen alles, was rhythmisch auf einem Stück Metall und einer Bronzelegierung erdenklich ist. Immer wieder schaute er fast wie der Druide Miraculix die zukünftigen Schlagzeugstars im Publikum an: «Seht ihr, was alles möglich ist?» Man merkt Smith an, dass er nicht mit seinem Können prahlen will. Er möchte den Jungen etwas mitgeben, sein Wissen vermitteln. Der Dank versank Seine Frau Diana begleitete Steve auf der Workshop-Tour, die ihn quer durch die Schweiz führte. «Hier hat sie ein paar nette Dinge eingekauft, zum Beispiel Wein. Ich mag Thun. Hätten wir mehr Zeit, würden wir noch länger bleiben», sagt Smith. Wenn man diesen Weltstar (vgl. Kasten) live erlebt, käme man nie auf den Gedanken, dass er berühmt ist. So erstaunt auch sein Abgang von der Showbühne im Dap nicht. Im Gegenteil: Das freundliche und leise «Thank you» versinkt beinahe im Applaus. Und es sagt vielleicht mehr über Steve Smith, als es alle Beschreibungen können.Dino Dal Farrawww.vitalinformation.com www.tombeck.ch>

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