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Ein Meister der Porträtkunst

Unter dem Titel «Respekt vor der Natur in Porträt und Akt» zeigt das NäijereHuus Hersiwil 52 Bilder und Skulpturen des in Horriwil aufgewachsenen Bildhauers Oliv Ziegler, Florenz. Seine Medien sind Ton, Bronze und Kohle.

Ein Mann mit Köpfchen: Oliv Ziegler aus Horriwil doziert an der «Florence Academy of Art».
Ein Mann mit Köpfchen: Oliv Ziegler aus Horriwil doziert an der «Florence Academy of Art».
Isabel Mäder

Vor drei Jahren wurden Arbeiten von Oliv Ziegler in der renommierten amerikanischen Bildhauerzeitschrift «Sculpture Review» publiziert. In jenem Jahr schloss er sein vierjähriges Studium der Bildhauerei an der «Florence Academy of Art» in Florenz ab. Inzwischen, erst 33 Jahre alt, ist er an jener Akademie Dozent für figürliches Modellieren.

Sein Interesse gilt dem Zeichnen und Modellieren von Menschen. «Es fasziniert mich, eine Persönlichkeit einzufangen, sowohl im Formalen, so dass man jemanden erkennt, als auch in der Tiefe», sagt Ziegler. Das Psychologische lasse sich nur in langen Sitzungen erfassen. Die Herausforderung sei, die Summe einer Geschichte mit Räumlichkeit darzustellen. «Ein Modell sitzt zwischen 10 und 45 Stunden», verrät der Künstler. Für die Modelle sei der Prozess eine Auseinandersetzung mit sich selber. «Ich bin wie ein sensibler Spiegel, der gewisse Stimmungen einfängt.» Da gelte es, sich auf einen Wesenszug eines Menschen festzulegen, was eine starke Künstlerpersönlichkeit voraussetze, die sich nicht zu einem makellosen Bild verführen lasse.

Am Anfang seien die Leute oft etwas enttäuscht, nicht glorifiziert zu werden. Dann würden sie jedoch die Tiefe erkennen. Faszinierend, wie eindrücklich diese Menschenabbilder auf den Betrachter wirken. Sie scheinen einen anzusprechen, brennen sich ein.

Weich bis hart

Da ist etwa die Büste des stolzen «Signore Romeo», in dessen Ausstrahlung die Abstammung von einer italienischen Patrizierfamilie geradezu greifbar wird. Oder die berührenden Selbstporträts, Kohlezeichnungen, entstanden im Laufe des letzten Jahres. Die ganze Bandbreite von Gefühlszuständen ist dieser Serie abzulesen, von Melancholie bis hin zu starkem Selbstbewusstsein, mal weich gezeichnet, unscharf, mal in absoluter Schärfe. Er stand dabei in gewissem Abstand vor dem Spiegel.

«Das Licht muss man, wie im Theater, ganz klar kontrollieren», so Zuber. Für die Porträts seiner Modelle arbeitet er mit einer Stirnlampe, im Dunkeln, um alle Stimmungen, alle Falten zu erkennen. «Schon Michelangelo arbeitete mit einer Kerze», weiss Ziegler. Bei den Aktzeichnungen geht eine Skizze voraus, bei einem Porträt beginnt er mit der Arbeit sogleich, sei das mit Ton oder mit Zeichnungskohle.

Zeichnen in 3D

«Das Plastische ist eine noch grössere Herausforderung als die Zeichnung», sagt er, denn hier müsse eine unendliche Zahl von Zeichnungen übereinstimmen. Modellieren sei Zeichnen im dreidimensionalen Raum. Er zeigt Modelle aus patiniertem Gips und Bronzefiguren. Spannend ist auch die Wand mit Vorzeichnungen, daneben das fertige Ölbild, gemalt mit traditionellen Pigmenten, wie sie bereits von den alten Griechen verwendet wurden. Eine Wand ist aus Zieglers Akademiezeit und zeigt «reines Training». Etwa einen abgezeichneten Gipsguss, oder einen Torso, wo alles auf den Zehntelmillimeter stimmen musste. «Wie der Musiker die Tonleiter, muss ein Künstler die plastische Illusion beherrschen», erklärt Ziegler. Dass dies bei ihm der Fall ist, zeigt seine Ausstellung.

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