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Ein ganzes Königreich für ein Glas Wasser

puppenbühneIn die Wüste schickt uns die Puppenbühne Demenga/Wirth mit dem neuen Stück «Di muetigi Schirin» von Jiri Ruzicka. Feuergeister hauchen der Geschichte um einen knauserigen Sultan und dessen Tochter Leben ein.

«Wir haben praktisch das ganze Publikum geküsst.» Mit spontanen Worten eröffnete Monika Demenga am Samstag die neue Produktion der Puppenbühne. Auf den Samtstühlen sassen vor allem Freunde und Fans des etablierten Berner Puppenspielerduos. Den Kindern im Publikum erklärte Demenga im Voraus Begriffe wie «Sultan» oder «Allah». Weit weg nämlich, mitten in die orientalische Wüste, versetzt uns das Märchen «Di muetigi Schirin» des Regisseurs Jiri Ruzicka. Den fliegenden Klangteppich bilden diverse Perkussionsinstrumente, darunter ein hallendes Hang. Wir landen im Palast des Sultans, gespielt von Hans Wirth. Dort plätschert ein echter Springbrunnen. Sonst fliesst kein Wasser, stattdessen erklingt aus Lautsprechern ein Schlürfen, wenn der Sultan Tee trinkt. Zehn Stück Zucker gönnt er sich. Die Geschäfte laufen gut, seit es vor einem Jahr das letzte Mal geregnet hat und die Bauern das teure Wasser beim Sultan kaufen müssen. Für Humbug hält dieser die Legende, wonach die Wasserfee eingeschlafen sei. Als ein Sandsturm auch die königliche Quelle versiegen lässt, ist fertig lustig. Laut der Legende kann nur ein Mädchen die Wasserfee wecken. Prinzessin Schirin, gespielt von Monika Demenga, wittert ihre Chance und fordert im Gegenzug die Heirat mit Achmed, einem Ziegenhirten. Im Reich der Feuergeister Es gäbe aus der Vorbildgeschichte «Die Regentrude» von Theodor Storm Innovativeres zu adaptieren als ein Romeo-und-Julia-Paar im Morgenland. Das findet offenbar auch eine junge Zuschauerin, welche die Augen verdreht bei Schirins Bemerkung «Nume ds Härz zeut». Moderner mutet die Feststellung des Sultans an, er müsse wohl mehr auf seine Tochter hören. Erst mit dem Abenteuer der kecken Prinzessin kommt «Di muetigi Schirin» in Fahrt. Ebene für Ebene dringt die Hauptfigur vor ins düstere Reich der Feuerdjinns. Gefährlich sind die Bewohner aber nicht, im Gegenteil: Ein dehnbarer Spassvogel, ängstliche «Chlupfchugle» und ein altersschwacher Drache toben sich auf der liebevoll gestalteten Bühne (Irmgard und Beni Küng) aus. Demenga und Wirth führen die Puppen dabei so weich und dynamisch, dass sich gar die Lippen von Schirin und Achmed zu spitzen scheinen, wenn sie sich zum Kuss nähern. Céline Graf«Di muetigi Schirin», ab 5 Jahren, Berner Puppenbühne Demenga/Wirth, Berner Altstadt. Mi, 26.10; Sa, 29.10; So, 30.10, jeweils 14.30 Uhr. www.berner-puppentheater.ch. >

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