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Ein fiktives Treffen

KunstbuchObwohl sich

Armut, verratene Beziehungen, geistige Umnachtung: Die Berner Kunstschaffenden Ferdinand Hodler, Karl Stauffer-Bern und Adolf Wölfli schöpften aus ihren tragischen Lebensgeschichten Inspiration für Werke, die bis heute zu den bedeutendsten der Schweizer Kunstgeschichte zählen. Obwohl sie alle im Abstand weniger Jahre im Kanton Bern das Licht der Welt erblickten – 1853 Hodler, 1857 Stauffer-Bern und 1864 Wölfli –, sind sich die Künstler physisch wohl nie begegnet. Auf einer intellektuellen Ebene vollzieht nun der Berner Autor und Kulturjournalist Konrad Tobler ein Treffen. Er verflicht ihre Biografien und stellt die Bilder der drei Künstler in einen erweiterten Zusammenhang. Tragische Lebensreisen Die Lebensreise der drei Kunstschaffenden startete in einer Zeit, in der die Kunstproduktion in Bern eine marginale Rolle spielte. Entsprechend zog es sie fort, den mittellosen Hodler nach Genf und den bürgerlichen Stauffer-Bern nach München. Einzig Wölfli, der geistig verwirrte Autodidakt, verbrachte sein gesamtes Leben in der Bundesstadt – einen Grossteil davon in der Nervenheilanstalt Waldau, wo sich seine ausufernden Bilder und Texte zu einem eigenwilligen Gesamtkunstwerk fügten. Dabei war die Vergänglichkeit ein zentrales Thema – wie auch bei Stauffer und Hodler, der bereits früh den Tod von Familienmitgliedern beweinen mussten: «Es überrascht nicht, dass sich die frühen Todeserfahrungen im Blick auf die Welt und im Werk niederschlugen. Bei Hodler ist das augenscheinlich (...) Das Sterben und der Tod ziehen sich als Motiv vom Früh- bis ins Spätwerk», schreibt Tobler. Auch über künstlerische Vorbilder wie den Realisten Gustave Courbet oder über die Tradition des Selbstbildnisses und der Selbstinszenierung verknüpft er in seiner Publikation die drei Œuvres. Ein Buch für Bern-Liebhaber Mit wissenschaftlicher Akribie und der süffigen Sprache eines Bestsellers führt der ehemalige Kulturchef dieser Zeitung seine Leserinnen und Leser aber nicht nur durch die Lebensgeschichten der drei Künstler. «Holder, Stauffer, Wölfli. Eine Berner Parallelgeschichte» zeichnet auch das Bild einer Stadt zu einer Zeit, in der die weniger privilegierten Menschen noch zuhauf in stinkenden Wohnungen hausten. Es waren aber auch Jahre des Aufbruchs, die der Autor mit zahlreichen Fakten und Anekdoten aufleben lässt. Ein Buch also nicht nur für Kunst-, sondern auch für Bern-Liebhaber. Stefanie Christ>

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